Alkoholhalluzinose und Schizophrenie – Woran Sie den Unterschied erkennen können

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“Wie kann eine Alkoholhalluzinose von einer Schizophrenie abgegrenzt werden?”

Diese Frage stellte mir eine Teilnehmerin der Orientierungspakete zur Vorbereitung auf die HPP Prüfung.

Mir fiel mir ein, dass ich dem Oberarzt der allgemein psychiatrischen (Akut-)Station genau dieselbe Frage stellte, als ich dort während meines “Psychiatrie-Jahres” (als Psychologische Psychotherapeutin in Ausbildung) arbeitete.

Es war zu meiner Anfangszeit, da hatte ich mit einer neuen  Patientin zu tun, die unter Halluzinationen litt.

Akustische Halluzinationen in der Alkoholhalluzinose und Schizophrenie

Sie erzählte mir von bösartigen Stimmen, die sie beschimpfen würden. Auch aus dem Fernseher in ihrer Wohnung kämen diese Stimmen. Die Blätter ihrer Zimmerpflanzen würden sich außerdem zu bösen Fratzen verändern und sie auslachen.

Manche Stimmen seien so boshaft, dass sie ihr befehlen würden, ihre Wohnung anzuzünden. Wenn sie es gar nicht mehr aushalte, dann flüchte sie in die nahegelegene Kneipe (da hätte mir schon ein Licht aufgehen können), um nicht alleine zu sein. Manchmal würde sie von Stimmen bis auf die Straße verfolgt.

Das ist ganz klar ein Fall von paranoider Schizophrenie, dachte ich. Als ich spätere in der Behandlungsakte die Diagnose Alkoholabhängigkeit las, war ich ziemlich erstaunt.

Also fragte ich den Oberarzt meiner damaligen Psychiatriestation, wie man denn die paranoide Schizophrenie von der Alkoholhalluzinose unterscheiden könne.

Er erklärte, dass eine eindeutige Unterscheidung auf den ersten Blick relativ schwierig sei. Der schizophrene Wahn – im Gegensatz zu dem eher weniger stark ausgeprägten Wahn in der Alkoholhalluzinose – sei jedoch häufiger zu einem Wahnsystem ausgebaut, er sei in der Regel bizarrer und besitze zudem oft einen magisch-mystischen Charakter.

Jetzt, nachdem die Frage nach dem Unterschied zwischen Schizophrenie und Alkoholhalluzinose erneut auftauchte, ging ich dem Ganzen noch einmal auf den Grund :-)

Wenn Sie sich also auf die Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie vorbereiten, dann könnte dieses spezielle Wissen auch für Sie interessant sein.

Ich verwende deshalb die Möglichkeitsform, weil nach meinen Erfahrungen – in der schriftlichen wahrscheinlich noch weniger als in der mündlichen Überprüfung – eher selten nach solchem Spezialwissen gefragt wird, es sei denn, Sie haben beruflich mit diesen Störungen zu tun.

Wie Sie den Unterschied zwischen Alkoholhalluzinose und Schizophrenie erkennen können

Die Diagnose einer Alkoholhalluzinose in Abgrenzung zu einer schizophrenen Psychose wird häufig nur aus dem Verlauf heraus zu stellen sein. Eine ausführliche Anamnese und eine körperliche Untersuchung (u.a. Lebervergrößerung, Hypertonie, Polyneuropathie, Tremor) sind daher unverzichtbar.

Beispielsweise manifestiert sich die Alkoholhalluzinose sich im Durchschnitt im 4-5 Lebensjahrzehnt. Das Manifestationsalter der paranoiden Schizophrenie ist jenseits des 4. Lebensjahrzehnts eher selten.

In der Regel beginnt die Alkoholhalluzinose akut, kurz nach Beginn der Abstinenz (in seltenen Fällen auch bei fortgesetztem Alkoholismus). Bei der (paranoiden) Schizophrenie hingegen finden sich im Vorfeld oftmals länger währende Vorpostensymptome.

Die Alkoholhalluzinose geht weniger mit formalen Denkstörungen oder Ich-Störungen einher.

Die Symptome der Alkoholhalluzinose bilden sich in der Regel im Gegensatz zur Schizophrenie spätestens nach 6 Monaten vollständig zurück.

Die Prognose der Alkoholhalluzinose ist also im Allgemeinen gut. Es wurden jedoch auch chronische Halluzinationen beschrieben (etwa 1/5), die von chronischen schizophrenen Psychosen kaum zu unterscheiden sind.

Die Unterscheidung zwischen Alkoholhalluzinose und Schizophrenie ist also nicht ganz einfach.

Die wichtigsten Unterscheidungskriterien zwischen Alkoholhalluzinose und Schizophrenie

Als Überblick und zum besseren Einprägen erhalten Sie hier die wichtigsten Unterscheidungsfaktoren zwischen Alkoholhalluzinose und Schizophrenie in einer übersichtlichen Tabelle.

Differenzialdiagnose der Alkoholhalluzinose gegenüber der paranoiden Schizophrenie (nach Soyka 2006)

 Kriterium

 Alkoholhalluzinose

 Schizophrenie

 Beginn

 akut

 oft schleichend

 Alter bei Erstmanifestation

 ca. 40-50 Jahre

 meist vor dem 30. Lebensjahr, selten nach dem 40 Lebensjahr

 Prognose

 meist gut

 öfter chronische Verläufe (80-90%)

 Alkoholanamnese

 langjährig positiv

 kann positiv sein

 familiäre Belastung mit  Schizophrenien

 nicht erhöht

 deutlich erhöht

 familiäre Belastung mit Alkoholismus

 deutlich erhöht

 nicht erhöht

 Psychopathologie

 

 

 Stimmenhören

 obligat (üblich)

 häufig

 optische Halluzinationen

 manchmal

 selten

 Denkstörungen / Denkzerfahrenheit

 nur selten

 häufig Zerfahrenheit

 Affektstörungen

 ängstlich-depressiv, keine Parathymie

 Parathymie

 Ich-Störungen

 sehr selten

 sehr häufig

 neurologische Störungen

 möglich: z.B. Tremor,  Polyneuropathie

 sehr selten

Angaben zu Büchern

  • Möller, H-J. (2013). Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie. Thieme.
  • Schöpf, J. (2003). Psychiatrie für die Praxis: Mit ICD-10-Diagnostik. Springer.

  • Soyka, M. (2007). Alkoholismus – Mißbrauch und Abhängigkeit: Entstehung – Folgen – Therapie. Thieme.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska Luschas studierte Psychologie. Danach absolvierte sie die 5-jährige Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin mit Schwerpunkt auf Kognitiver Verhaltenstherapie. Sie zeigt auf ihrer Selbsthilfe-Webseite anderen Menschen, wie sie wieder "Boss im Kopf" werden können. Sie liebt die Natur, lebt umweltfreundlich und unterstützt den Tierschutz.

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Kommentare

  1. Joachim  am  02.08.15:

    Sehr schön – vielen Dank!
    Auch die anderen Arbeiten und Videos :-)
    Weiter so und viele Grüße,
    Joachim