Das somatische Syndrom nach ICD-10 in der Prüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie

HeilpraktikerErfolg - Was Heilpraktiker Psychotherapie für die Prüfung wissen müssen - Luschas In knapp 4 Tagen, am 09. Oktober 2013, findet die schriftliche Überprüfung zum Heilpraktiker (Psychotherapie) statt.

Vielen Prüflingen raucht der Kopf, die Nerven liegen blank und die Angst, die Fragen nicht richtig beantworten zu können nimmt oftmals auch noch zu.

Aus diesem Grund wird aus mehreren Büchern, DVDs, Handouts, Lernkarten und dem Internet gleichzeitig gelernt. Doch anstatt einer zufriedenstellenden Antwort, die wieder Klarheit und Ruhe in den Kopf bringt, macht sich immer mehr Verwirrung und Zweifel breit.

“Zum Schluss fühlte sich alles wie ein Einheitsbrei in meinem Kopf an”, berichtete ein Kursteilnehmer in meinem letzten schriftlichen Prüfungsvorbereitungskurs.

Was gehört laut ICD-10 zum somatischen Syndrom?

Mit dem nachfolgenden Kommentar auf HeilpraktikerErfolg möchte ich auf eine weitverbreitete (selbstgemachte) Problematik unter Prüflingen, die kurz vor der Prüfung stehen, aufmerksam machen und anschließend einige Lösungen anbieten.

Hallo Frau Luschas,
ich arbeite jetzt, kurz vor der schriftl. Prüfung mit einem Fragebuch das sehr kniffelige Fragen beinhaltet: “Brigitte Kaindl – Prüfungsfragen”.

Hier gibt es viele Fragen, die ich z.Z. nicht richtig beantworten kann. Zum einen weil einige Fragen Themen oder Begriffe beinhalten, die ich noch nie gehört habe. Doch zum anderen auch, weil einige Fragen für mein Verständnis nicht eindeutig beantwortbar sind.

Die folgende Frage hätte ich lt. diesem Buch nicht richtig – ich verstehe nicht warum:

Frage:
Zum sogenannten somatischen Syndrom der ICD-10 zählen:

1. Morgentief
2. deutlicher Appetitverlust
3. Vitalstörungen
4. Mundtrockenheit
5. deutlicher Libidoverlust

Ich hatte, da ich die Frage 3 als richtig eingestuft habe, alle Aussagen als richtig angenommen. Die Mundtrockenheit wird in der ICD-10 allerdings nicht aufgeführt.

Aber da ich die Vitalstörungen, das Morgentief, den deutl. Appetitverlust und den deutl. Libidoverlust als richtig sehe, habe ich “Alle Aussagen sind richtig” angekreuzt. Das war falsch weil: Mundtrockenheit gehört nicht zum somatischen Syndrom und die Vitalstörungen (lt. Frau Kaindl) auch nicht.

Ich schlage dann nach und schaue was Vitalstörungen sind und finde folgende Aussage im Psychologie-Lexikon im Internet:

U.A. gehört zu den Vitalstörungen:
1. Es waren auch Merkmale wie Appetitverlust oder Schlaflosigkeit unter dem Begriff zusammengefasst.

Der Appetitverlust gehört zum somatischen Syndrom!!

Was meinen Sie?
Wird mich eine solche Frage erwarten?
Was wäre dann richtig?

Für Ihre Einschätzung der Richtigkeit der Antwort wäre ich Ihnen dankbar.

Ich habe schon überlegt das Buch wegzulegen, weil es extrem kniffelige und fremde Fragen (die ich in den Original-Prüfungsfragen so nicht gefunden habe) beinhaltet. Auf der anderen Seite lerne ich dazu. Aber es verwirrt auch.

Danke für Ihre Mühe.
Schöne Grüße
P. P.

Lesen Sie die Frage sorgfältig und antworten Sie genau

Fragen zu den affektiven Störungen kommen sowohl in der schriftlichen als auch mündlichen Heilpraktiker Psychotherapie Prüfung besonders häufig vor.

Auch nach den Merkmalen des somatischen Syndroms wurde in der schriftlichen Überprüfung wiederholt gefragt. Aber woher wissen Sie das?

Indem Sie regelmäßig Original Prüfungsfragen lösen, denn dann bekommen Sie ein Gespür dafür, welches Wissen wichtig sind und wie detailliert gefragt wird.

Laut ICD-10 gehören zu den zu den Merkmalen des somatischen Syndroms:

  1. Interessenverlust oder Verlust der Freude an normalerweise angenehmen Aktivitäten
  2. Mangelnde Fähigkeit, auf eine freundliche Umgebung oder freudige Ereignisse emo­tio­nal zu reagieren
  3. Frühmorgendliches Erwachen, zwei oder mehr Stunden vor der gewohnten Zeit
  4. Morgentief
  5. Psychomotorische Hemmung oder Agitiertheit
  6. Deutlicher Appetitverlust
  7. Gewichtsverlust, häufig mehr als 5% des Körpergewichts im vergangenen Monat
  8. Deutlicher Libidoverlust

Die Merkmale 4, 6 und 8 sind hier aufgeführt, mehr nicht. Keine Mundtrockenheit und keine Vitalstörungen.

Das somatische Syndrom und die Vitalstörungen

Die Mundtrockenheit ist zum Beispiel als typische Nebenwirkung von trizyklischen Antidepressiva bekannt.

Vitalstörungen ist deswegen nicht richtig, weil das Wort “Vitalstörungen” nicht unter somatischen Syndrom in der ICD-10 aufgeführt ist.

Genaugenommen wird nach eindeutigen Merkmalen gefragt, die zum somatischen Syndrom gehören und nicht welcher Begriff synonym zu den somatischen Syndrom verwendet werden kann.

Jedoch werden Vitalstörungen häufig synonym mit dem somatischen Syndrom verwendet, so dass es hier leicht zur Verwirrung kommen kann.

Machen Sie sich das Lernen nicht unnötig schwer

Diese Art der Fragestellung hat nach meinen Erfahrungen wenig mit den (bisherigen) Originalprüfungsfragen zu tun und führt bei Menschen, die nicht gerade Psychologie studiert haben oder sich schon seit (vielen) Jahren ernsthaft mit der Thematik beschäftigen, nur noch zu mehr Verwirrung.

Die meisten angehenden Heilpraktiker (Psychotherapie) wollen die Überprüfung schaffen, um danach ihrer Berufung zu folgen oder in der therapeutischen Arbeit mit ihren Klienten rechtlich abgesichert zu sein.

Der Prüfungsstoff ist ohnehin schon umfassend und stellt für viele Neulinge auf diesem Gebiet eine große Hürde dar, so dass es aus meiner Sicht vernünftig ist, wenn Sie sich strukturiert und Schritt für Schritt auf das Wichtige konzentrieren.

Gerade in der Klinischen Psychologie gibt es viele Probleme hinsichtlich der Terminologie, z.B. aufgrund von unklaren Beschreibungen, Klassifizierungen ….

Wenn Sie die Einleitung zur ICD-10, Kapitel V (F) lesen, dann finden Sie dort beispielsweise typische Schwierigkeiten, mit denen sich die Autoren während der Überarbeitung der ICD-10 konfrontiert sahen.

Im einführenden Text unter Affektive Störungen (in meiner ICD-10, 5. Auflage) steht zum Beispiel:

“[...] Das hier als ‘somatisch’ bezeichnete Syndrom könnte ebenso ‘melancholisch’, ‘vital’, ‘biologisch’ oder ‘endogenomorph” genannt werden; die wissenschaftliche Absicherung dieses Syndroms ist in jedem Fall etwas fragwürdig. [...]“

Benutzen Sie deshalb Ihren präfrontalen Kortex, besonders während der Prüfungsvorbereitung!

Fragen Sie sich selbst, mit welcher Wahrscheinlichkeit – in der schriftlichen Überprüfung – eine Frage gestellt wird, deren Antworten nicht genau zuordenbar sind (in verschiedenen Büchern unterschiedlich ausgeführt) und die damit rechtlich angefochten werden könnten.

Für mehr Struktur, Klarheit und Ruhe im Kopf

Die Überprüfung zum Heilpraktiker (Psychotherapie) ist für die meisten Menschen eine Herausforderung. Gerade aber in stressigen  Situationen ist die Gefahr groß, dass Sie sich wieder von ihren alten Ängsten übernehmen lassen, mit der Folge, dass alles gleich wichtig und unüberwindbar erscheint.

Mit dem (kindlich-naiven) Wunsch nach 100%-iger Sicherheit steigen Perfektionismus, Entweder-Oder-Denken oder Katastrophen-Denken, was weiteres stressauslösendes Verhalten nach sich zieht.

Diesen blockierenden Mustern entgehen Sie am besten, wenn Sie nach einer klaren Struktur vorgehen, die ihnen zeigt, was wirklich wichtig ist und wie sie beim Vorbereiten auf die Heilpraktikerprüfung Schritt für Schritt vorgehen können.

Deshalb möchte ich Ihnen diese 5 praktische Lerntipps für eine effiziente und erfolgreiche Prüfungsvorbereitung an die Hand geben.

  • Lernen Sie eine wirksame Entspannungsmethode und wenden Sie diese täglich an, insb. in stressigen Situationen.
  • Verschaffen Sie sich einen Überblick über den Prüfungsstoff.
  • Bearbeiten Sie von Anfang an Originalprüfungen, auch wenn Sie glauben, das das noch nichts bringt.
  • Lernen Sie aus so wenig Büchern wie möglich, damit Sie sich nicht verzetteln.
  • Wiederholen Sie den wichtigen Lernstoff regelmäßig, damit Sie das Gelernte immer besser begreifen und in der Prüfung auch Transferfragen beantworten können.

Viele Prüflinge haben zum Beispiel mithilfe meines Orientierungspakets, für die schriftliche Überprüfung, eine hilfreiche Struktur für ein erfolgreiches, selbständiges Lernen erhalten.

Bei starker Prüfungsangst mit weiter zurückliegenden traumatisierenden Lebensereignissen, empfehle ich Ihnen einen Coach bzw. Therapeuten Ihres Vertrauens aufzusuchen.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska studierte Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Danach absolvierte Sie erfolgreich die 5-jährige Psychologische Psychotherapeutenausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie beim IVS Nürnberg. Nach 10-jähriger psychotherapeutischer Tätigkeit leitet sie mit Uwe Luschas die piKVT Ausbildung für (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie. Außerdem hilft sie mit ihrer Selbsthilfe-Webseite BossImKopf.de tausenden Menschen, mehr "Boss im Kopf" zu werden.

P.S.
Im Kommentarbereich, weiter unten, können Sie auch Ihre Fragen, Hinweise und Erfahrungsberichte hinterlassen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

P.P.S.
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