Sokratischer Dialog am Beispiel “Ich schaffe die Heilpraktikerprüfung Psychotherapie nicht”

HeilpraktikerErfolg - Was Heilpraktiker Psychotherapie für die Prüfung wissen müssen - Luschas“Hallo liebe Frau Luschas,
ich lerne jeden Tag, kann mir vieles allerdings nicht behalten, mein Kopf ist wie blockiert. … Dazu kommt mein Kopf hört nicht mehr auf zu denken.  Zweifel überfallen mich ….”

Diese oder ähnliche dysfunktionale Gedanken und Gefühle begleiten manchen während der gesamten Prüfungsvorbereitung zum Heilpraktiker (Psychotherapie).

Bei dem einen kommt der Gedanke, “Ich schaffe die Prüfung nicht”, erst kurz vor der Überprüfung beim Gesundheitsamt hoch. Dem anderen beschleichen Zweifel und Befürchtungen vor allem in stressigen Situationen.

Nutzen Sie den Sokratischen Dialog vor der Prüfung

Im Stress wirkt vieles, was auf uns einströmt um einiges bedrohlicher als sonst und wir fühlen uns schneller überfordert und reagieren ängstlicher.

Solange hinter diesen Gefühlen keine negativen Grundprogrammierungen (wie “Ich bin dümmer als andere”) oder andere tiefsitzende Unsicherheiten stecken, genügt oftmals schon ein klärendes (Selbst-) Gespräch, mit dessen Hilfe Sie sich – neu organisiert und um wesentliche Störfaktoren bereinigt – wieder aufs Lernen konzentrieren können.

Dazu stehen Ihnen beispielsweise hilfreiche Fragen aus der sog. Sokratischen Gesprächsführung zur Verfügung.

Diese erfolgreiche Fragetechnik hat sich nicht nur in Therapie und Beratung bewährt, sondern kann Ihnen auch dabei helfen wieder mehr Abstand zu den eigenen (größtenteils irrationalen) Befürchtungen, beispielsweise während Ihrer Prüfungsvorbereitung, zu bekommen.

Sokratischer Dialog am Beispiel Prüfungsangst

Im folgenden Auszug zum Sokratischen Dialog handelt es sich um eine 48-jährige Dame, die mich wegen Ihrer Ängste – hinsichtlich der Überprüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie – aufsuchte.

Bitte beachten Sie, dass es sich beim folgenden Beispiel um einen kleinen Ausschnitt handelt, der auf eine vertrauensvolle therapeutische Beziehung basiert und bei dem es sich lediglich um eine beginnende Kognitive Umstrukturierung handelt.

Sie können jedoch die folgenden hilfreichen Fragen auch verwenden, um zunächst einen vernünftigen Abstand zu Ihren eigenen blockierenden Denk- und Verhaltensmustern zu bekommen.

„Ich schaffe die Überprüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie nicht.“

T: Was geht Ihnen gerade durch den Kopf?

P: Ich schaffe die Prüfung nicht.

T: Und wie fühlen Sie sich, wenn Sie das denken?

P: Ich bin angespannt und bekomme Panik. Ich habe Angst vor der Prüfung.

T: Sie haben also den Gedanken: „Ich schaffe die Prüfung nicht“, und dieser Gedanke macht Sie ängstlich. Was ist der Beweis dafür, dass Sie die Prüfung nicht schaffen können?

P: Ich habe das Gefühl, dass nichts hängen bleibt, von dem was ich lerne.

T: Okay. Was noch?

P: Ich habe so viel um die Ohren, mit meiner Familie und meinem Job. Ich kann mich gar nicht richtig aufs Lernen konzentrieren. Immer wenn ich mich hinsetzen und lernen will, dann muss ich an etwas anderes denken.

T: Gibt es noch andere Belege dafür, dass Sie die Prüfung nicht schaffen können?

P: Ich glaube außerdem, dass es mir in meinem Alter besonders schwer fällt, noch etwas Neues zu lernen. Manchmal komme ich mir im Vergleich zu anderen wirklich dumm vor. Und da denke ich mir dann: „Da hast du eh keine Chance. Spar dir lieber die Zeit und kümmere dich um wichtigere Dinge.“

T: Das sehen wir uns gleich genauer an. Den meisten Menschen fällt es schwer, sich zu konzentrieren, wenn sie zu viel im Kopf haben. Aber unabhängig davon, gibt es noch andere Belege dafür, dass Sie die Prüfung nicht schaffen können?

P: … Nein, mehr fallen mir im Moment nicht ein.

T: Gibt es Gegenbeweise? Dafür, dass Sie die Prüfung schaffen könnten!

P: Ja, ich habe erst vor 2 Jahren meine Abschlussprüfung in Italienisch geschafft, obwohl ich dort die Älteste war. Aber dazu habe ich mich auch regelmäßig hingesetzt und gelernt.

T: Gibt es noch mehr Beweise dafür, dass Sie die Prüfung schaffen könnten ?

P: Ich weiß nicht. … Ich habe ja auch meine kaufmännische Ausbildung erfolgreich abgeschlossen, aber das ist schon lange her. … Meine Kinder haben früher immer zu mir gesagt: „Mama, was du dir alles merken kannst …“ Ich habe ja auch schon viele Weiterbildungen gemacht und bin noch nie durch eine Prüfung gefallen. Vielleicht liegt es ja gar nicht so sehr an meinem Gedächtnis, sondern weil ich an so viele andere Sachen denken muss.

T: Und was wäre das Schlimmste, was passieren könnte, wenn Sie die Prüfung nicht schaffen würden?

P: Dass ich mich schlecht fühlen würde.

T: Und würden Sie das überleben?

P: Ja, klar. Wahrscheinlich wäre ich sehr enttäuscht, aber ich würde es sicherlich nochmal versuchen.

T: Und was wäre das Beste, was passieren könnte?

P: Hm … dass ich die Prüfung irgendwie schaffe.

T: Und was ist das wahrscheinlichere Ergebnis?

P: Ich weiß nicht, aber ich habe bis jetzt noch jede Prüfung geschafft. Vielleicht stehen die Chancen, dass ich die Prüfung bestehe etwas höher, als dass ich durchfalle, so 60 zu 40%.

T: Was passiert, wenn Sie diesen Gedanken vom Anfang glauben: „Ich schaffe die Prüfung nicht.“

P: Ich kriege Panik und kann mich gar nicht richtig aufs Lernen konzentrieren. …. Dann setzte ich mich auch nur wegen meines schlechten Gewissens hin und lese was, aber oft denke ich, dass das eh nichts bringt und dann lasse ich mich von anderen Dingen ablenken.

T: Was würde geschehen, wenn Sie Ihr Denken ändern oder den Gedanken „Ich schaffe die Prüfung nicht“ nicht so ernst nehmen würden?

P: Ich würde mir wieder mehr zutrauen und dann würde ich auch lieber lernen als jetzt. Wahrscheinlich wäre ich nicht so verspannt und würde mir mehr merken können. Und dann wäre ich vielleicht auch nicht so aufgeregt in der Prüfung. … Ich könnte das eher schaffen als jetzt.

3 weitere nützliche Fragen zum Sokratischen Dialog

Wenn Sie merken, dass Sie sich während der Prüfungsvorbereitung schlecht fühlen oder sonst irgendwie angespannt sind, dann notieren Sie sich die häufigsten Gedanken, die Ihnen dabei durch den Kopf gehen.

Stellen Sie zu jedem Ihrer negativen Gedanken die folgenden Fragen:

  • Hilft mir dieser Gedanke, mich so zu fühlen/zu verhalten, wie ich will?
  • Entspricht dieser Gedanke den Tatsachen? Ist er realistisch? Ist er logisch? Wo ist der Beweis dafür, dass es so ist? Welche Daten sprechen dafür/dagegen?
  • Was würde ich einem guten Freund/einer guten Freundin raten, der/die so denkt?

Empfehlung
Manchmal sind Sie aufgrund Ihrer negativen Erfahrungen und “Programmierungen” so in alten Mustern gefangen, dass es mitunter sehr schwierig ist, sich ohne Unterstützung daraus zu befreien. In diesem Fall empfehle ich Ihnen einen Coach oder Therapeutin Ihres Vertrauens aufzusuchen.

Vertiefende Literatur zum Sokratischen Dialog

  • Beck, J. (2013). Praxis der Kognitiven Verhaltenstherapie. Beltz.
  • Stavemann, H. (2007). Sokratische Gesprächsführung in Therapie und Beratung. Beltz.
  • Wilken, B. (2010). Methoden der Kognitiven Umstrukturierung. Kohlhammer.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska Luschas studierte Psychologie. Danach absolvierte sie die 5-jährige Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin mit Schwerpunkt auf Kognitiver Verhaltenstherapie. Sie zeigt auf ihrer Selbsthilfe-Webseite anderen Menschen, wie sie wieder "Boss im Kopf" werden können. Sie liebt die Natur, lebt umweltfreundlich und unterstützt den Tierschutz.

P.S.
Im Kommentarbereich, weiter unten, können Sie auch Ihre Fragen, Hinweise und Erfahrungsberichte hinterlassen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

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Kommentare

  1. Susanne  am  23.05.15:

    Liebe Franziska,

    super Beitrag. Alleine das Durchlesen hat geholfen. Vielen Dank.

    Herzlichen Gruss
    Susanne

  2. Gabriele  am  12.08.13:

    Liebe Franziska,

    vielen Dank für den Beitrag über den Sokratischen Dialog. Da wir in der Ausbildung viel zu wenig diese Technik geübt haben finde ich diesen Beitrag für mich besonders hilfreich.

    Viele liebe Grüße
    Gabi

    • Franziska Luschas  am  12.08.13:

      Hallo Gabi,

      obwohl der Sokratische Dialog sowohl in Beratung als auch in der Psychotherapie eine nachgewiesen wirksame Methode ist, wird er in der “Ausbildung” zum Heilpraktiker für Psychotherapie leider noch viel zu selten gelehrt.

      Auch Patienten bzw. Klienten ist es möglich, ihre negativen Gedanken mithilfe der “inneren” Sokratischen Gesprächsführung systematisch zu überprüfen.

      Und Therapeuten, die gekonnt den Sokratischen Dialog anwenden, anstatt den Patienten “aufzuklären” erzielen oftmals bessere Ergebnisse bei der “Umstrukturierung” hartnäckiger dysfunktionaler Gedanken.

      Ich wünsche dir viel Freude und Erfolg beim Ausprobieren.

      Herzliche Grüße

      Franziska