Die Emotionale Beweisführung in der KVT – Warum sich dieser Gedanke so richtig anfühlt

HeilpraktikerErfolg Mitgliedschaft - Weniger Theorie - Mehr Wissen - LuschasVielleicht haben Sie diese oder eine ganz ähnliche Situation auch schon mal erlebt.

Sie stehen unter Zeitdruck, fühlen sich angespannt und müssen in Kürze zu einem wichtigen Termin. Bevor Sie das Haus verlassen, fällt Ihnen plötzlich der Herd ein: “Habe ich ihn auch wirklich ausgeschaltet?” Doch dann erinnern Sie sich daran, ihn an diesem Tag noch gar nicht benutzt zu haben und entspannen sich wieder.

Als Sie schon fast beim Auto sind, müssen Sie an die Fenster im Arbeitszimmer denken. “Habe ich Sie auch wirklich zugemacht? Was ist, wenn ein Gewitter kommt? Dann wird alles nass und meine ganze Arbeit war umsonst.”

Sie merken jedoch von selber, dass es sich hier um eine typische Stressreaktion handelt, machen ein paar tiefe Atemzüge und steigen ins Auto ein.

Nach einigen Minuten Autofahren spüren Sie einen immer stärker werdenden Druck auf der Brust, Ihr Hals wird eng und Ihr Herz fängt spürbar an zu klopfen. Sie haben Angst, dass wegen der Fenster zu Hause eventuell etwas Schlimmes passieren könnte.

Wie reagieren Sie bei Angst?

Um sich zu vergewissern, ob auch wirklich alles in Ordnung ist, gibt es nun etliche Menschen, die auf dem kürzesten Weg zurückfahren und die Fenster kontrollieren, um dann in der Regel festzustellen, dass sie sich in ihrem Stress “da in etwas rein gesteigert” hatten.

Hinterher ärgern sie sich oftmals, dass sie sich wieder einmal von ihren Gefühlen haben mitreißen lassen und nehmen sich fest vor, dass nächste Mal entspannter zu bleiben. (Anm.: Und ich will damit nicht sagen, dass man alle Vorsichtsmaßnahmen ignorieren sollte ;-) ).

Als therapeutisch tätiger Mensch dürfte Sie hierbei vor allem die Frage interessieren:

Ab wann driften wir in alte Verhaltensmuster ab?

Anhand des Fallbeispiels wird deutlich, dass der Gedanke, “Hoffentlich sind die Fenster zu”, noch keine nennenswerten Konsequenzen auf unser Tun hat.

An der Stelle, wo jedoch Emotionen (wie Angst, Furcht oder Schuldgefühle) dazukommen, “kippt unser innerer Schalter” gewöhnlich von zweckmäßigem Handeln auf irrationales Verhalten um.

Viele Menschen glauben, dass ihre (intensiven) Gefühle der Beleg dafür sind, dass ihre Gedanken der Wahrheit entsprechen. Unser Beispiel: “Meine Angst bedeutet, dass die Situation wirklich gefährlich sein muss.”

Die Kognitive Verhaltenstherapie spricht hier auch von “Emotionaler Beweisführung“.

Umso wichtiger ist es, dass Sie Ihren Klienten bereits zu Beginn der Therapie in eines der zentralen Prinzipien der Kognitiven Verhaltenstherapie einführen.

Am besten lässt sich der Zusammenhang zwischen Denken, Fühlen und Verhalten an typischen Alltagsbeispielen des Klienten nachvollziehen. Für eine systematische, einsichtsbasierte Vorgehendweise hat sich dabei das ABC-Modell mit dem Sokratischen Dialog als sehr wirkungsvoll erwiesen.

Emotionale Beweisführung und die Folgen

Was wir unseren Patienten empfehlen, sollte für uns erst recht gelten, denn auch Therapeuten sind nur Menschen … (die sich stetig weiterentwickeln) :-D

Damit Ihnen Ihre eigene ‘Emotionale Beweisführung’ immer früher bewusst wird und Sie rechtzeitig etwas dagegen unternehmen können, führe ich hier einige Beispiele aus dem Coaching und der Supervision auf.

  • “Weil ich mich von dem umfangreichen Lernstoff für die Heilpraktikerprüfung Psychotherapie so überwältigt fühle, ist es besser, wenn ich das Ganze sein lasse.”
  • “Weil ich so große Angst vor der Prüfung habe, muss diese Prüfung wirklich sehr schwer sein.”
  • “Dass ich mich in der Sitzung so unsicher gefühlt habe, bestätigt, dass ich eine schlechte Therapeutin bin.”
  • “Meine Schuldgefühle meiner Mutter gegenüber bedeuten, dass ich mich nicht genug um sie kümmere.”
  • “Wenn ich mich gegenüber meinen (Heilpraktiker Psychotherapie) Kollegen im Arbeitskreis so unterlegen fühle, dann heißt das, dass ich tatsächlich weniger kann als sie.”

Wie Sie irrationales Denken stoppen und überprüfen

Wenn Sie diese oder ähnliche Gedanken bei sich wahrnehmen, dann unterbrechen Sie diese “Problemtrance” so schnell wie möglich mit einem lauten (inneren) Stopp. Oder Sie stellen sich ein riesiges inneres Stopp-Schild vor.

Beginnen Sie dann in einem nächsten Schritt, diesen Gedanken mit dem Sokratischen Dialog zu hinterfragen. Eine einfache und praktische Art der Kognitiven Umstrukturierung finden Sie hier.

Damit sich nach und nach auch Ihre alten emotionalen Reaktionsmuster verändern können, ist es hilfreich, wenn Sie sich täglich einige Minuten Zeit für Ihre persönliche Kognitive Umstrukturierung nehmen.

So können Sie zunehmend gelassener mit “anderen” und sonstigen Herausforderungen umgehen und zugleich Ihren Klienten hilfreich und authentisch zur Seite stehen.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska Luschas studierte Psychologie. Danach absolvierte sie die 5-jährige Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin mit Schwerpunkt auf Kognitiver Verhaltenstherapie. Sie zeigt auf ihrer Selbsthilfe-Webseite anderen Menschen, wie sie wieder "Boss im Kopf" werden können. Sie liebt die Natur, lebt umweltfreundlich und unterstützt den Tierschutz.

P.S.
Im Kommentarbereich, weiter unten, können Sie auch Ihre Fragen, Hinweise und Erfahrungsberichte hinterlassen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

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Kommentare

  1. Bettina Baumann  am  06.07.13:

    Beim Lesen musste ich fast schmunzeln, wir tun das! Die Angst färbt unsere Gedanken so viel stärker, als wir es für möglich halten. Und damit in nächster Konsequenz unser Handeln, unsere Entscheidungen. Und seien sie noch so banal.

    Und was am Ende dabei herauskommt, ist unser Leben!Ein weiterer Grund, der Beobachter der eigenen Gedanken zu werden.
    Danke für den tollen, anschaulichen Artikel!
    Bettina

    • Franziska Luschas  am  07.07.13:

      Hallo Bettina,

      danke für deinen Kommentar.

      Ja, die Erfahrung mache ich auch immer wieder. Obwohl – oder vielleicht sollte ich besser schreiben weil – viele Menschen “Meister” im Rationalisieren, Intellektualisieren oder Projizieren sind, werden sie oftmals von negativen Gefühlen überrascht.

      Und wer seiner Traurigkeit, Angst oder Wut hilflos ausgeliefert ist, fällt meist schnell wieder in alte negative Verhaltensweisen zurück.

      Einstein brachte diese Art von psychischer Ver-rücktheit treffend auf den Punkt: “Die Definition von Wahnsinn ist, immer wieder das Gleiche zu tun und andere Ergebnisse zu erwarten”.

      Das bewusste und regelmäßige Beobachten unserer Gedanken ist – aus meiner Sicht – ein erster großer Schritt in Richtung psychische Gesundheit und Lebensfreude.

      Herzliche Grüße

      Franziska