Dürfen Sie als Heilpraktiker (Psychotherapie) Schizophrenie behandeln? Und was tun Sie?

HeilpraktikerErfolg Mitgliedschaft - Weniger Theorie - Mehr Wissen - LuschasOb beim Gesundheitsamt Ansbach, Dortmund oder Nürnberg, ein beliebtes Thema scheint in der mündlichen Überprüfung vor allem die Schizophrenie zu sein.

Allerdings bleibt es nicht immer nur beim Abfragen von reinem Lehrbuchwissen (Epidemiologie, Subtypen, Symptome), sondern ab und zu wollen die Prüfer auch wissen, ob Sie Patienten mit einer schizophrenen Erkrankung behandeln dürfen und wie Sie dann (therapeutisch) vorgehen würden.

Diese Frage bringt so manchen angehenden Heilpraktiker für Psychotherapie völlig aus der Fassung, denn oftmals wird Prüflingen in Vorbereitungsbüchern und -kursen eingetrichtert: “Finger weg bei Schizophrenie!”

Ganz so einfach ist es aber nach meiner Erfahrung nicht.

Dürfen Sie ein schizophrenes Residuum behandeln?

Erst im Juni 2013 wurde eine meiner ehemaligen Kursteilnehmerinnen (jetzt Heilpraktikerin für Psychotherapie) vom Amtsarzt in Ansbach gefragt, ob sie ein “Schizophrenes Residuum behandeln” dürfe.

In ihrem Gedächtnisprotokoll steht dazu:

Schizophrenes Residuum wollte der Amtsarzt wissen. Konnte ich erklären, dann seine Frage ob ich diese behandeln dürfte. Ich sagte ‘Ja unterstützend begleiten. Eine Abklärung durch den Arzt, ob Medikamente benötigt werden, muss abgeklärt werden. Außerdem gehört dies zu meiner Sorgfaltspflicht, den Patienten auf eine medizinische Abklärung hinzuweisen.’

Der Amtsarzt hat mir erklärt, der Patient sei medizinisch austherapiert, ob ich ihn nun behandeln dürfte oder nicht. Meine Antwort lautete: ‘Ja, ich darf ihn behandeln’.”

Supportive Psychotherapie und Soziotherapie

“Wie wird eine Schizophrenie therapiert?”, wurde ein Prüfling im November 2012, in Nürnberg, gefragt.

In seinem Prüfungsprotokoll schreibt er:

“Da der Patient keine Krankheitseinsicht im akuten Schub zeigt, ist meist eine stationäre Aufnahme vonnöten und zunächst einmal wird pharmakologisch mit Neuroleptika, evtl. zu Beginn zusätzlich mit Sedativa/Hypnotika therapiert. Erst wenn die Neuroleptika soweit Wirkung zeigen, dass der Patient von seinem Wahn abrückt, ist es möglich mit Psychotherapie zu beginnen.

Bis dahin ist es wichtig einen guten Rapport zum Patienten aufzubauen und nicht etwa zu versuchen ihn von seinen Wahrnehmungen abbringen zu wollen. Dann nenne ich verschiedene Therapiemethoden, wie Gesprächstherapie, KVT, SKT, Soziotherapie und erzähle von Angehörigenarbeit, Psychoedukation und Aufklärung des Patienten über seine Krankheit, sowie Krisenbewältigungsstrategien und Früherkennung neuer Schübe.”

Fazit zur Therapie von Schizophrenie

  • In der Regel erfolgt bei ausgeprägten akuten psychotischen Episoden eine stationäre Behandlung in einem psychiatrischen Krankenhaus, wobei die Therapie mit Antipsychotika ganz im Vordergrund steht.
  • Mit Zurücktreten der akut-psychotischen Symptomatik und wachsender Gesprächs- und Kooperationsbereitschaft des Patienten gewinnen jedoch auch psychotherapeutische und vor allem soziotherapeutische Maßnahmen an Bedeutung.
  • Die Kognitive Verhaltenstherapie hilft den Patienten beispielsweise dabei, depressive Gefühle sowie Angst und Hilflosigkeit zu verringern, das Krankheitsverständnis und die Krankheitsakzeptanz zu fördern, die sozialen Kompetenzen zu stärken sowie das Rückfallrisiko zu senken. 
  • Im Sinne der Rezidivprophylaxe ist die Gabe von Antipsychotika weiterhin wichtig, jedoch ist es aus meiner Sicht möglich, in Absprache mit dem behandelnden Arzt, eine supportive psychologische Therapie mit dem Klienten oder seinen Angehörigen durchzuführen.
  • Denken Sie (in der mündlichen Überprüfung) immer daran, dass Sie nicht die “Volksgesundheit” gefährden dürfen. Dazu gehört zum Beispiel auch, dass Sie im Rahmen der Sorgfaltspflicht über die erforderlichen Kenntnisse verfügen, die Suizidalität abklären und keine aufdeckenden Therapieverfahren anwenden.

Videos zur supportiven Behandlung bei Schizophrenie

Teilnehmer des Onlinekurses Orientierungspaket zur mündliche Prüfung Heilpraktiker Psychotherapie erhalten zusätzlich ein 5-teiliges Video Training (insgesamt ca. 45 Minuten lang) “Wie Sie bei schizophrenen Erkrankungen supportiv vorgehen können” und das dazugehörige Handout im praktischen PDF-Format zum sofortigen Herunterladen.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska studierte Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Danach absolvierte Sie erfolgreich die 5-jährige Psychologische Psychotherapeutenausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie beim IVS Nürnberg. Nach 10-jähriger psychotherapeutischer Tätigkeit leitet sie mit Uwe Luschas die piKVT Ausbildung für (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie. Und mit ihrer Selbsthilfe-Webseite BossImKopf.de hilft sie tausenden Menschen, mehr "Boss im Kopf" zu werden.

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Kommentare

  1. Frank schreibt:

    Ich bin davon nicht so überzeugt, dass man als Heilpraktiker für Psychotherapie eine Schizophrenie behandeln sollte und dies auch supportiv. Der rechtliche Druck hier Medikamente zu verabreichen ist einfach zu groß und so muss bei jeder Kleinigkeit der Veränderung des Patienten sofort der Psychiater um Konsultation gebeten werden. Wenn man das nicht tut, so komme ich als Heilpraktiker für Psychotherapie in die Versuchung hier weiter zu therapieren und schon gibt es rechtliche Sorgfaltsprobleme. Ein schizophrener Patient der paranoid ist und Wahnvorstellungen hat ist zudem sehr empfindlich gegenüber Strukturveränderungen im Alltag. Die Faustregel gibt, wer tagsüber
    in zu viele Aktivitäten involviert ist, der kann plötzlich positive Symptome entwickeln, und wer unterfordert ist, der reagiert meist mit negativen Symptomen. Wer als Psychotherapeut versucht hier Tagesstrukturen zu verändern, der verändert die Positivsymptome und die Negativsymptome entscheidend. Bei der Schizophrenia Simplex und der Katatonen Schizophrenie überwiegen die Netgativsymptome und hier ist es überhaupt schwer jemanden zur Psychotherapie zu bewegen. Die Compliance ist fraglich schlecht ausgeprägt. Viele Schizophreniekranke sind zudem in sozialpsychiatrischen Zentren untergebracht und die haben eine Anbindung an eine psychiatrische Institutsambulanz. Das wird vom LWV finanziert und so gibt es Planungsgespräche und feste Vereinbarungen im Rahmen der Rückfallprophylaxen. Da als Heilpraktiker für Psychotherapie zu therapieren konnte sofort Konflikte zu den Psychiatern auslösen. Also für mich wäre die Arbeit mit Schizophreniekranken Patienten extrem problematisch. Sie könnte, wenn überhaupt nur bei solchen geschehen, die zuhause wohnen und nur auch dann, wenn sie die Erkrankung im Griff haben. Also leichte und umgängliche Formen um beispielsweise Sozialängste oder Agoraphobien zu begegnen.

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Frank,

      danke für Ihren Kommentar.

      Bei meinen Ausführungen geht es nicht um “sollen”, wie Sie es geschrieben haben, sondern um “dürfen“.

      Dass Heilpraktiker für Psychotherapie unterstützend tätig werden dürfen (= supportive Psychotherapie), sehen auch die (meisten) Prüfer so.

      Eine Teilnehmerin an meinem Onlinekurs zur schriftlichen und mündlichen Prüfungsvorbereitung wurde erst vor einigen Tagen im Rahmen der mündlichen HPP Überprüfung zur Behandlung bei Schizophrenie gefragt.

      Und der Amtsarzt wollte genau das hören, was ich im Artikel erläutere.

      Ich persönlich hätte während meiner praktischen Tatigkeit in Selbstzahlerpraxis Klienten, die an Schizophrenie erkrankt sind, weiter an fachkundige Kollegen verwiesen.

      Aber es ist in den vielen Jahren seit meiner Praxiseröffnung noch kein einziges Mal passiert, dass sich ein/e an Schizophrenie Erkrankte/r an mich gewandt hat.

      Die weitere Diskussion Ihres Kommentars überlasse ich aufgrund von Relevanzgründen den zuständigen Kammern, den Verbänden und dem Gesetzgeber.

      Nichtsdestoweniger nochmals Danke für Ihren ausführlichen Kommentar :-)

      Viele Grüße aus dem schönen Fürth

  2. Judith schreibt:

    Liebe Frau Luschas,

    Ich habe gestern die mündliche Prüfung in Friedberg bestanden.

    Auch ich möchte mich ganz herzlich für die enorm gute, strukturierte Prüfungsvorbereitung bedanken. Es hat mir sehr geholfen. Den doch mächtigen Stoff ins Gedächtnis zu bringen ist nicht ganz einfach aber mit Ihrer Hilfe gut machbar. Nochmals herzlichen Dank.

    Gedächtnisprotokoll:
    - Wieso wollen Sie die Prüfung ablegen?
    - Mit welchem Klientel möchten Sie arbeiten?

    Dann Fragen über Schizophrenie, Phobien und Behandlung:
    - Wie erkennen Sie Schizophrenie?
    - Welche Unterscheidungen gibt es?
    - Dann die hebephrene Schizophrenie hervorgehoben.
    - Wie wird Schizophrenie behandelt
    - und Fragen zu Phobien und deren Behandlung.

    Das Prüfungsteam war sehr nett und freundlich, eine sehr angenehme Atmosphäre die einem das Gefühl des Unwohlseins ( die Angst wurde vorher “geklopft”)vor der Prüfung nahm.

    Liebe Grüße

    Judith

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Judith,

      Herzlichen Glückwunsch zur HEILPRAKTIKERIN FÜR PSYCHOTHERAPIE!

      Über Ihr positives Feedback habe ich mich gefreut und ebenso über Ihr kleines, wertvolles Gedächtnisprotokoll :-)

      Da haben Sie sich jetzt ein bisschen Ruhe und Erholung verdient, bis es vielleicht schon bald mit der Praxis weitergeht.

      Ich wünsche Ihnen auf jeden Fall alles Gute, viel Freude und Erfolg auf Ihrem weiteren Weg.

      Herzliche Grüße

      Franziska Luschas

  3. Barbara schreibt:

    Liebe Frau Luschas,

    gerade komme ich aus München zurück, wo ich heute Morgen die Mündliche Überprüfung (München-Land) erfolgreich bestanden habe. Dank der sehr strukturierten Vorbereitung mit Ihren Unterlagen und insbesondere der Information, wie ich einen an Schizophrenie Erkrankten begleitend behandeln könnte, nachdem er auf Neuroleptika eingestellt wurde (dies war u. a. das Thema meines Falles), hatte ich keine Schwierigkeiten. Ich möchte Ihnen gerne in Kürze das Gedächtnisprotokoll zukommen lassen, damit auch andere Lernende von meinem Erfahrungsbericht einer aktuellen 2016 München-Land Überprüfung profitieren können.

    Ihre Online-Vorbereitung hat mir sehr geholfen, ebenso die vielen kostenlosen Videos und die Hinweise auf entsprechende Fachliteratur. Ich werde Sie jederzeit weiterempfehlen.

    Es grüßt Sie herzlich mit einem großen Dankeschön,

    Barbara

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Barbara,

      Herzlichen Glückwunsch zur HEILPRAKTIKERIN FÜR PSYCHOTHERAPIE !

      Vielen Dank für Ihr positives Feedback zu unseren HPP Online Orientierungspaketen, das hat uns sehr gefreut :-)

      Dann können Sie ja bald loslegen und Ihre HPP Praxis aufbauen.

      Wir wünschen Ihnen auf jeden Fall viel Freude und Erfolg auf Ihrem weiteren Weg.

      Herzliche Grüße in den Süden

      P.S. Und Danke, dass Sie ans Gedächtnisprotokoll gedacht haben. Das ist tatsächlich für viele angehende Heilpraktiker Psychotherapie sehr hilfreich.