Einführung in die Lösungsorientierte Beratung 1: Was ist die Lösungsorientierte Beratung bzw. die Lösungsorientierte Kurzzeittherapie?

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Gerade zu Beginn meiner therapeutischen Tätigkeit fühlte ich mich nach Sitzungen mit depressiven Patienten oft ausgelaugt. Viele meiner Kollegen berichteten in unseren gemeinsamen Supervisionsstunden das Gleiche.

In einer ausführlichen Anamnese erfragten wir als angehende Verhaltenstherapeuten zunächst die Probleme und Krankheitsgeschichte unserer Patienten, damit wir anhand einer entsprechenden Verhaltensanalyse die ursächlichen, auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen der Symptome analysieren konnten.

Nach einigem Üben fiel es den meisten Therapeuten nicht mehr schwer, den problemorientierten Bericht an den Gutachter der jeweiligen Krankenkasse zu verfassen.

Der problemfokussierte Blick in der (Psycho-) Therapie

Der drei- bis 4-seitige Antrag auf Psychotherapie lief fast immer nach Schema F ab:

  • Problem- bzw. Symptomschilderung
  • wie sich die Beschwerden im Laufe des Lebens entwickelt haben (Makroanalyse)
  • wie sich das Problem gegenwärtig ausdrückt (Mikroanalyse, Verhaltensexzesse und -defizite)
  • welche psychischen Funktionen gestört sind (Psychischer Befund)
  • welche Symptome wie häufig und wie stark sind (Testdiagnostik)
  • welche körperlichen Erkrankungen vorliegen und welche Medikamente der Patient einnimmt (somatischer Befund)

Natürlich gibt es bei der Verhaltensanalyse ja noch die Frage nach den Verhaltensaktiva (Normverhalten, Ressourcen) des Patienten.

Aber nachdem mein Blick zu 80% auf die “Unzulänglichkeiten” des Patienten gerichtet war, können Sie sich vielleicht vorstellen, dass der Wechsel in eine qualitativ ganz andere Betrachtungsweise, nämlich auf die Stärken der Patienten, nicht ganz einfach war.

Lauter Schwierigkeiten, Defizite und Probleme

Besonders bei Patienten mit einer ausgeprägten Depression oder Persönlichkeitsstörung fiel es mir schwer, Ressourcen zu erkennen und manchmal ließ ich die Verhaltensaktiva auch ganz weg, was anscheinend niemanden störte ;-)

Diese problemfokussierte Vorgehensweise allein ist meiner Erfahrung nach weder für den Klienten noch für den Therapeuten sonderlich aufbauend.

Trotzdem spielt dieses traditionelle Ursache-Wirkungs-Modell (Diagnose + Reparaturplan = Problemreduzierung) gerade bei den sogenannten wissenschaftlich fundierten Psychotherapiemethoden eine zentrale Rolle.

Und für die meisten medizinischen und mechanischen Probleme (z.B. Zahnprothese oder Bypass) ist dieses Modell auch sinnvoll.

Bei psychischen Prozessen sieht das in der Regel anders aus.

Der menschliche Geist ist nun mal keine Maschine, auch wenn diese Metapher gerne verwendet wird, um komplexe psychische Zusammenhänge besser zu begreifen.

Manchmal nehmen die Symptome durch die einseitige Auseinandersetzung mit den Problemen sogar zu oder die Patienten brechen die Behandlung vorzeitig ab, weil sich nichts ändert.

Die Hoffnungslosigkeit des Patienten überträgt sich oftmals auch auf den Therapeuten, der entweder resigniert oder noch angestrengter arbeitet.

Lösungen finden statt Probleme zu analysieren

Dass es auch anders geht zeigt die Lösungsorientierte Beratung oder Kurzzeittherapie nach Steve de Shazer und Insoo Kim Berg.

Die lösungsorientierte Sichtweise ist für die meisten Therapeuten sehr ungewohnt, weil sie dem wiederspricht, was sie gelernt haben. Beispielsweise, dass ein komplexes Problem viele Therapiestunden und therapeutischen Aufwand erfordert.

Steve de Shazer, der die lösungsorientierte Kurztherapie Anfang der 80er Jahre mit seiner Frau Insoo Kim Berg in den USA  entwickelt hat, brauchte das Problem seiner Klienten nicht einmal zu kennen, um weitreichende Erfolge zu erzielen.

Eine lösungsorientierte Therapeutenhaltung bzw. Einstellung und Arbeit muss jedoch geübt werden und das ist gar nicht so einfach, weil wir in der Regel von klein auf gelernt haben, uns auf Probleme zu konzentrieren.

Werfen Sie einen Blick auf die Vorteile der Lösungsorientierten Beratung und entscheiden Sie selbst, ob Sie diese stärken- und ressourcenorientierte Sichtweise bei der Arbeit mit Ihren Klienten nutzen möchten.

Mein Tipp:

Testen Sie, wie sich diese lösungsorientierte Sichtweise auf Sie selbst, auf Ihre Klienten und auf Ihre therapeutische Tätigkeit auswirkt :-)

Kleine LOB Akademie für Heilpraktiker Psychotherapie:
Einführung in die Lösungsorientierte Beratung Teil 1

In diesem kostenlosen HeilpraktikerErfolg Video zur Einführung in die Lösungsorientierte Beratung bzw. Therapie erfahren Sie,

  • was für Therapeuten der Lösungsorientierten Kurzzeittherapie das Wichtigste ist.
  • wie Ihr Körper auf Probleme und wie er auf Lösungen reagiert.
  • dass Steve de Shazer sich anstatt für das Problem seiner Klienten für deren Stärken und Lösungen interessierte.
  • wie kleine Schritte große Veränderungen hervorrufen können.
  • dass die Neurobiologie die Wirkmechanismen der Lösungsorienten Beratung bestätigt.
  • dass der Klient der Experte seines Lebens ist, für seine Ziele und seinen Weg dorthin und nicht der Therapeut.
  • dass die Lösungsorientierte Beratung zukunftsorientiert anstatt vergangenheitsbezogen ist.
  • welche Vorteile die Lösungsorientierte Kurzzeittherapie gegenüber klassischen Psychotherapieformen hat.
  • dass die Lösungsorientierte Beratung mit weniger Sitzungen auskommt, aber trotzdem effizient ist.
  • dass die Therapeuten in der Lösungsorientierten Therapie sich weniger belastet fühlen, weniger unter Stress, Depression, Suizidgefahr, Burnout und Sekundärtraumatisierung leiden.
  • dass sich die Klienten in der Lösungsorientierten Kurzzeittherapie häufig motivierter, hoffnungsvoller und zuversichtlicher fühlen.
  • dass eine lösungsorientierte therapeutische Haltung bzw. Einstellung die Arbeit mit Ihren Klienten enorm erleichtern kann.

Um das Video zu starten, klicken Sie auf den Wiedergabeknopf oder auf das Bild unterhalb dieses Textes. Mit einem erneuten Klick können Sie jederzeit pausieren.

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Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska studierte Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Danach absolvierte Sie erfolgreich die 5-jährige Psychologische Psychotherapeutenausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie beim IVS Nürnberg. Nach 10-jähriger psychotherapeutischer Tätigkeit leitet sie mit Uwe Luschas die piKVT Ausbildung für (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie. Außerdem hilft sie mit ihrer Selbsthilfe-Webseite BossImKopf.de tausenden Menschen, mehr "Boss im Kopf" zu werden.

P.S.
Im Kommentarbereich, weiter unten, können Sie auch Ihre Fragen, Hinweise und Erfahrungsberichte hinterlassen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

P.P.S.
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Kommentare

  1. Anne schreibt:

    An Franziska Luschas,
    ich habe deinen Buchtipp befolgt und mir das Buch von T Weiss, Familientherapie ohne Familie besorgt und gleich durchgelesen– verschlungen. Danke für deinen Tipp. So hört sich Therapie gut an. Ich bin positiv und lache sehr gerne, wenn ich das in die Therapie mit einbringen kann ist das gut. Wo kann ich noch mehr darüber erfahren? Gibt es Workshops für LOB indenen das Thema ausprobiert werden kann?

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Anne,

      Danke für dein positives Feedback :-)

      Einen Kurs in Lösungsorientierter Beratung bieten wir aus zeitlichen Gründen nicht mehr an.

      Weil wir jedoch seit Jahren feststellen, dass sich ein lösungsorientiertes Vorgehen noch positiver auf den Therapieerfolg auswirkt, haben wir die besten Methoden aus der Lösungsorientierten Beratung und Positiven Psychologie in unsere Große KVT Ausbildung integriert.

      In meinem Beitrag Warum positives, lösungsorientiertes Arbeiten in der HP Psychotherapie Praxis so wichtig ist empfehle ich auch einige gute Bücher zur Lösungsorientierten Beratung und zur Positiven Psychologie.

  2. Bettina Baumann schreibt:

    In dem Video raffst Du ganz wichtige Punkte zusammen.

    Bei schwierigen Fällen zu stark die Probleme zu fokussieren, statt Ressourcen, kann schnell passieren. Das wird sehr belastend für Klient und Therapeut. Und es kostet sehr viel Zeit.

    An Ressourcen zu arbeiten, fühlt sich leichter an, auf allen Ebenen.

    Werde in Zukunft mehr darauf achten und Deine Informationen direkt mit in die Praxis nehmen! Danke.

    • Franziska Luschas schreibt:

      Danke für deinen wertvollen Beitrag.

      Ich habe ähnliche Erfahrungen wie du gemacht, als ich bei “schwierigen Fällen” anfing, Methoden und Techniken der lösungsorientierten Kurztherapie einzusetzenn.

      Gerade bei Klienten mit Persönlichkeitsstörungen, Somatisierungsstörungen, langanhaltender Depression oder Angststörung neigen Psychottherapeuten und auch Heilpraktiker für Psychotherapie dazu, sich noch eingehender mit den Symptomen zu befassen.

      Denn die vordergründige Beschäftigung mit den Symptomen ist bei den meisten therapeutischen Ausbildungen noch immer zentraler Bestandteil.

      Aber wie auch deine Erfahrung mit der lösungsorientierten Herangehensweise zeigt, ist die Arbeit mit den Ressourcen und Stärken der Klienten nicht nur zufriedenstellender, sondern auch weniger kräftezehrend, für beide Seiten :-)

      Obwohl die lösungsorientierte Beratung bzw. Kurzzeittherapie vielfältige Vorteile bietet, widerspricht ein lösungsfokussiertes Vorgehen dem traditionellen medizinischen Modell (Symptom + Reparatur = Symptomreduzierung).

      Deshalb ist das lösungsorientierte Arbeiten für viele Ärzte, (Psycho-) Therapeuten und Heilpraktiker (Psychotherapie) noch relativ neu und ungewohnt.