Einführung in die Lösungsorientierte Beratung 4: Wie Sie lösungsorientierte Fragen stellen

HeilpraktikerErfolg-Kleine-LOB-Akademie-FrontCard-080117-1-960x539

Besonders Menschen mit Depression stecken oftmals in der Entweder-oder-Denkfalle fest.

Erst vor wenigen Tagen versicherte mir ein 52-jähriger Manager, dass “vor der Depression immer alles gut war und jetzt alles unerträglich ist”.

Dieser Schwarz-weiß-Filter engt nicht nur seine Sicht auf die Dinge ein, sondern es wird für ihn auch zunehmend schwieriger geeignete Lösungen zu finden.

Wenn Sie schon einmal mit einem Klienten mit einer (ausgeprägten) Depression oder Dysthymia gearbeitet haben, dann wissen Sie sicherlich wie schwer, erdrückend und aussichtslos die Stimmung werden kann, wenn Sie sich in seine Problemtrance hineinziehen lassen.

Und das passiert Anfängern schneller als gedacht.

Doch was können Sie tun?

Ausnahmen erfragen und Unterschiede klar machen

Auch wenn es manchmal nicht danach aussieht, verfügen alle Klienten über individuelle Stärken und Ressourcen.

Das zentrale Ziel der lösungsorientierten Beratung bzw. Therapie besteht darin, diese versunkenen “Schätze” mit Ihrem Klienten Schritt für Schritt zu finden, zu bergen und zu nutzen.

Das folgende Beispiel zeigt, wie ich die lösungsorientierte Gesprächsführung bei einer älteren Klientin (mit einer agitierten Depression) dazu genutzt habe, um an diese “Schätze” zu gelangen.

KL: Ich grüble immer so viel.

FL: Immer?

KL: Ja.

FL: Verstehe ich Sie richtig, Sie grübeln also Tag und Nacht immer gleich stark? [Überspitze Formulierung, um auf Ausnahmen bzw. Unterschiede aufmerksam zu machen]

KL: [Pause] Ich glaube schon.

FL: Sie schlafen also überhaupt nicht, weil Sie immer grübeln?

KL: Schlafen tue ich eigentlich schon, weil ich Tabletten [AD Trimipramin) dafür nehme.

FL: Verstehe ich Sie da richtig, dass Sie nachts weniger grübeln, wenn Sie schlafen?

KL: Ja, das stimmt eigentlich. Da grüble ich gar nicht. Das kommt meistens erst wieder, wenn ich frühs aufwache.

FL: Sie haben mir eben gesagt, dass Sie nachts nicht grübeln. Gibt es tagsüber auch Zeiten, in denen Sie weniger grübeln?

KL: [Überlegt] Wenn ich Kreuzworträtsel mache. Aber dann habe ich ein schlechtes Gewissen, weil die Hausarbeit rumliegt.

FL: Wenn Sie Kreuzworträtsel lösen, grübeln Sie also nicht so stark? [Ich gehe nicht aufs Problem ein, sondern frage weiter nach den Ausnahmen]

KL: [Überlegt] Da bin ich richtig abgelenkt. Da gehts mir besser.

FL: Gibt es noch andere Zeiten am Tag, in denen Sie sich besser fühlen?

KL: [Überlegt] Wenn wir eingeladen sind, sagt mein Mann immer, dass ich wie ausgewechselt bin.

FL: Was machen Sie da genau anders? [...]

FL: Ist es dann tatsächlich so, dass Sie die ganze Zeit grübeln?

Kl: [Überlegt] Nicht ganz. Kreuzworträtsel machen mir Spaß, da geht es dann. Das merkt auch mein Mann. Und auch, wenn wir spazieren gehen, fühle ich mich besser. [...]

Dieser kurze Auszug soll Ihnen zeigen, wie Sie den Blick Ihres Klienten – durch beharrliches Fragen nach den Ausnahmen – sanft und sicher in eine lösungsorientierte Richtung lenken können.

Damit Sie die lösungsorientierte Sprache jedoch in Ihrer Praxis sinnvoll nutzen können, ist es wichtig, dass Sie als Psychotherapeut, Heilpraktiker (Psychotherapie) oder Psychologischer Berater selbst beginnen in Lösungen zu denken :-)

Einführung in die Lösungsorientierte Beratung, Teil 4

In diesem kostenlosen HeilpraktikerErfolg Video zur Einführung in die Lösungsorientierte Beratung bzw. Therapie erfahren Sie,

  • am Beispiel der Depression, wie Sie lösungsorientiert fragen können.
  • wie Ihr Klient durch Lachen eher Abstand von seinen Problemen bekommt.
  • wie Ihr Klient durch die Externalisierung des Problems (Beispiel: “Depressions-Troll”) lernt, besser zwischen sich selbst und dem Problem zu unterscheiden.
  • warum es wichtig ist, Humor im Alltag zu üben, damit Sie ihn in der Therapie wohldosiert einsetzen können.
  • warum es “immer” nie gibt :-)
  • wie Sie über die Frage nach den Ausnahmen einen ersten Schritt in Richtung Lösung machen können.
  • wie Ihr Klient anhand von Skalierungsfragen besser erkennen kann, dass seine Probleme nicht immer gleich stark sind.
  • wie Sie Ihrem Klienten mithilfe von Skalierungsfragen für bereits erzielte Fortschritte sensibilisieren und ihm dadurch positive Veränderungen eher bewusst werden.

Um das Video zu starten, klicken Sie auf den Wiedergabeknopf oder auf das Bild unterhalb dieses Textes. Mit einem erneuten Klick können Sie jederzeit pausieren.

Dieses Video wurde bereits 2.259x angeschaut :-)

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska Luschas studierte Psychologie. Danach absolvierte sie die 5-jährige Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin mit Schwerpunkt auf Kognitiver Verhaltenstherapie. Sie zeigt auf ihrer Selbsthilfe-Webseite anderen Menschen, wie sie wieder "Boss im Kopf" werden können. Sie liebt die Natur, lebt umweltfreundlich und unterstützt den Tierschutz.

P.S.
Hat Ihnen dieser Beitrag oder das (Video-) Training gefallen? Dann empfehlen Sie uns bzw. diesen Artikel an Ihre Freunde, Bekannte und Kollegen weiter :-)

P.P.S.
Im Kommentarbereich, weiter unten, können Sie auch Ihre Fragen, Hinweise und Erfahrungsberichte hinterlassen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.