Frage zur Zwangsstörung in der mündlichen Prüfung zum Heilpraktiker Psychotherapie

HeilpraktikerErfolg - Was Heilpraktiker Psychotherapie für die Prüfung wissen müssen - LuschasDie mündliche Überprüfung stellt für viele, die Heilpraktiker für Psychotherapie werden wollen, die letzte Hürde dar.

Gerade in der mündlichen Prüfung sollen Sie “beweisen”, dass sie keine Gefahr für die Volksgesundheit sind.

Das Gesundheitsamt Ansbach schreibt dazu auf seiner Internetseite unter anderem: Wer die eingeschränkte Überprüfung zur erlaubnispflichtigen Ausübung der Heilkunde auf dem Gebiet der Psychotherapie beantragt, muss,

  • um nicht die Volksgesundheit zu gefährden [...] ausreichende diagnostische Fähigkeiten in Bezug auf das einschlägige Krankheitsbild” nachweisen
  • und “die Befähigung haben, Patienten entsprechend der Diagnose psychotherapeutisch zu behandeln“.

Die Frage nach dem therapeutischen Vorgehen

Dass es in der mündlichen Prüfung immer mehr um das therapeutische Wissen und Können angehender Heilpraktiker für Psychotherapie geht, spiegelt sich in den letzten Jahren zunehmend, in zahlreichen Prüfungsprotokollen, wider.

Häufig fragen die Prüfer anhand von Fallbeispielen nach …

  • der (Verdachts-) Diagnose
  • den Diagnostischen Leitlinien laut ICD-10 Kapitel V (F)
  • den Differenzialdiagnose(n)
  • und den genauen therapeutischen Interventionen.

Darum ging es auch in einer mündlichen Überprüfung vor wenigen Tagen in Ansbach.

An dieser Stelle nochmals Herzlichen Dank an die Dame, jetzt Heilpraktikerin für Psychotherapie, die mir ihr Gedächtnisprotokoll strukturiert und detailliert zur Verfügung gestellt hat.

HeilpraktikerErfolg-Heilpraktiker-Psychotherapie-Muendliche-Pruefung-Bestanden-Protokoll

Ist Entspannung bei einer Zwangsstörung sinnvoll?

Die Exposition mit Reaktionsverhinderung gilt als bewährte Therapiemethode bei der Zwangsstörung.

Ein typisches Absicherungs- oder Neutralisierungsverhalten ist zum Beispiel das zwanghafte Händewaschen nach Kontakt mit bestimmten Auslösern, wie Händeschütteln oder Türklinken.

Nachdem sich also der Betreffende “mit der Türklinke absichtlich konfrontiert” hat, darf er sein zwanghaftes Reaktionsmuster Händewaschen nicht ausführen. Anfangs noch mit der Unterstützung des Therapeuten wird dadurch die gewohnte Reiz-Reaktions-Verbindung verhindert.

Ziel der sog. Exposition mit Reaktionsverhinderung ist vor allem die Habituation. Der Patient bleibt also so lange in der angstauslösenden Situation, bis Angst und Anspannung nachgelassen haben (physiologische Angstreaktionen nehmen ab).

So lernt er, sich an die Angst verursachende Situation zu gewöhnen (= Habituation).

Dadurch macht der Betroffene gewöhnlich die wichtige Erfahrung, dass er sich auch ohne Vermeidung, Flucht oder die Ausübung des Zwangsrituals emotional beruhigen kann. Und auch, dass die befürchtete Katastrophe nicht eintritt, sondern dass Ängste dazu tendieren, wieder abzuklingen und dass er somit selbst Einfluss auf die Angstreaktion nehmen kann.

Während der Exposition steigt die Angst zunächst an. Weil sich der Patient seiner Befürchtungen stellen soll, insb. auch im Sinne der Habituation, sind angstreduzierende Maßnahmen, wie Ablenkung oder Entspannungstechniken i.d.R. kontraindiziert.

Zwangsstörung vs. zwanghafte Persönlichkeitsstörung

Bei anankastischen Persönlichkeitsstörungen zeigt sich zwar eine vermehrte Auftretenshäufigkeit von Zwangserkrankungen, von einem stabilen Zusammenhang zwischen beiden Störungen wird jedoch nicht ausgegangen.

Die anankastische Persönlichkeitsstörung unterscheidet sich von der Zwangsstörung unter anderem in folgenden Punkten:

  • Auffällige, tiefgreifende Verhaltensmuster, wie Perfektionismus, extreme Gewissenhaftigkeit, Inflexibilität oder eingeschränktes Gefühlsleben, was in vielen persönlichen und sozialen Situationen eindeutig unpassend ist.
  • Beginnt immer in der Kindheit oder Jugend und manifestiert sich auf Dauer im Erwachsenenalter.
  • Das eigene Verhalten wird selbst nicht als störend oder abweichend empfunden (= ich-synton) und Überzeugung, vollständig Recht zu haben. Deshalb besteht nur selten ein ausgeprägter Leidensdruck und entsprechend keine oder nur wenig Krankheitseinsicht.
  • Andrängen beharrlicher und unerwünschter Gedanken oder Impulse, die jedoch gewöhnlich nicht die Schwere einer Zwangsstörung erreichen.

Zusammengenommen sind das wichtige Merkmale einer Persönlichkeitsstörung, die hier genannt werden können und die sich von der Zwangsstörung eben dadurch unterscheiden.

Zum Schluss drücke ich noch allen angehenden Heilpraktikern für Psychotherapie die Daumen, dass sie keine Gefahr für die Volksgesundheit sind ;-)

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska studierte Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Danach absolvierte Sie erfolgreich die 5-jährige Psychologische Psychotherapeutenausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie beim IVS Nürnberg. Nach 10-jähriger psychotherapeutischer Tätigkeit leitet sie mit Uwe Luschas die piKVT Ausbildung für (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie. Außerdem hilft sie mit ihrer Selbsthilfe-Webseite BossImKopf.de tausenden Menschen, mehr "Boss im Kopf" zu werden.

P.S.
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P.P.S.
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Kommentare

  1. Jana schreibt:

    Wäre schön, wenn Sie noch auf das angesprochene Thema Entspannung eingehen.

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Jana,

      obwohl das Thema Entspannung, gerade auch für Therapeuten, Heilpraktiker der Psychotherapie oder Psychologische Berater, aus meiner Sicht enorm wichtig ist, wird es in der Praxis oftmals vernachlässigt.

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