Heilpraktiker Psychotherapie Lerntipp: Dürfen HP Psych. wissenschaftlich anerkannte Psychotherapieverfahren anwenden?

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Immer wieder werde ich von Prüflingen gefragt, ob man als Heilpraktiker für Psychotherapie das anerkannte Psychotherapieverfahren wie die Kognitive Verhaltenstherapie anwenden darf.

Die Antwort auf diese Frage variiert, je nachdem wen Sie fragen, oftmals erheblich.

Deshalb wenden wir uns Leuten zu, die es wissen sollten. Denn sie stellen die Fragen zur schriftlichen Heilpraktiker Psychotherapie Prüfung auf der Grundlage wissenschaftlicher Erkenntnisse und größtmöglicher Sorgfalt.

Und wo werden Sie da aktuell fündig?

Die Heilpraktikerprüfung Psychotherapie Oktober 2014 (Gruppe A)

Als ich für die Teilnehmer am schriftlichen Orientierungspaket ein kurzes Trainingsvideos mit vielen praktischen Hinweisen und hilfreichen Tipps zum systematischen Beantworten “schwieriger” Fragen gedreht habe, fiel mir insbesondere Frage 24 auf:

  • Frage 3: Welche Symptome stützen den Verdacht auf eine Demenz vom Alzheimer Typ?
  • Frage 4: Was ist der Unterschied zwischen einer Wahnwahrnehmung und einer Illusion?
  • Frage 17: Was gehört zur Positivsymptomatik bei Schizophrenie?
  • Frage 24: Was gehört zur Behandlungsbefugnis von Heilpraktikern Psychotherapie?

Die richtige Antwort auf die Frage 24 aus der schriftlichen HP PSYCH Überprüfung vom Oktober 2014 kann Ihnen einen wertvollen Hinweis darauf geben, welche Behandlungsbefugnis Sie als Heilpraktikerin für Psychotherapie besitzen.

Aber zuerst möchte ich Ihnen noch einen wichtigen Tipp für Ihre Prüfungsvorbereitung geben.

Glauben Sie nicht einfach alles, was Ihnen erzählt wird, sondern informieren Sie sich kritisch und besonnen aus verschiedenen Quellen

Schüler bzw. Studenten, die eine Heilpraktikerschule besuchen, sind häufig besonders unsicher, wenn es um die Anwendung wissenschaftlich anerkannter Psychotherapieverfahren geht.

Beispielsweise bekam ich erst wieder vor einigen Tagen eine Email von einer Psychologischen Beraterin, die sich in einer Heilpraktikerschule im Saarland auf die HPP Überprüfung vorbereitet:

“Uns wurde gesagt, dass Heilpraktiker für Psychotherapie keine Verhaltenstherapie machen dürfen. Die Frage 24 in der Oktober 2014 Prüfung habe ich deswegen falsch beantwortet. [...] Nun bin ich mir sehr unsicher wegen der mündlichen Prüfung. Was sage ich den Prüfern?”

Meine Empfehlung:

Verlassen Sie sich nicht nur auf eine Informationsquelle, sondern beziehen Sie Ihr Wissen zusätzlich aus einem guten Lehrbuch für Heilpraktiker Psychotherapie.

Trauen Sie sich kritisch nachzufragen, wenn Ihnen etwas “komisch” bzw. unlogisch erscheint.

Oder fragen Sie andere Prüflinge, Ihre Lerngruppe und informieren Sie sich durch ein gutes Buch, wenn Sie das Gefühl haben, dass der Dozent selber unsicher ist.

Verhaltenstherapie für Heilpraktiker Psychotherapie?

Die richtige Antwort auf die Frage 24 aus der schriftlichen Prüfung lautete E.

Und Antwort E lautet wie folgt:

“Nur die Aussagen 1, 2, 3 und 4 sind richtig”

  • Aussage 1: Die Anwendung von Hypnose
  • Aussage 2: Die Anwendung wissenschaftlich anerkannter Psychotherapieverfahren
  • Aussage 3: Die Feststellung einer psychischen Krankheit
  • Aussage 4: Die Stellung einer Diagnose im Sinne der ICD-10

Wie Sie aus dieser Antwort entnehmen können, dürfen Sie als Heilpraktikerin für Psychotherapie also auch wissenschaftlich anerkannte Psychotherapieverfahren, zu denen auch die moderne und sehr wirksame Kognitive Verhaltenstherapie gehört, anwenden.

Auch Ingo Simon schreibt in seinem Buch zur Vorbereitung auf die mündliche HPP Prüfung von 2007 auf Seite 170:

Sie genießen als Heilpraktiker für Psychotherapie Freiheit der Therapiewahl. Dabei gelten die gleichen Grundsätze wie in der Schulmedizin. Wie Ärzte auch dürfen Sie wissenschaftlich anerkannte und bestätigte Heilmethoden anwenden oder auch solche, deren Wirksamkeit nicht belegt ist. Sofern Sie Ihre Klienten nicht schädigen und das Ausbleiben anerkannter Verfahren das Leiden nicht verschlimmert, verletzten Sie nicht Ihre Sorgfaltspflicht.

Weiter erläutert er seinem neuen Buch “Heilpraktiker für Psychotherapie 1 – Grundbegriffe und Klassifikationssystem” von 2014 auf Seite 6 was behandelt werden darf:

Als Heilpraktiker für Psychotherapie sind Sie frei in der Wahl des therapeutischen Ansatzes und dürfen grundsätzlich alle psychischen Erkrankungen mit psychotherapeutischen Methoden behandeln.

In vielen Fällen ist jedoch eine ambulante Behandlung in der freien Praxis gar nicht möglich, weil der Patient stationär ins Krankenhaus aufgenommen wird und dringend eine medizinische Behandlung benötigt. Solche Fälle dürfen immer nur begleitend (also nicht in alleiniger Verantwortung) behandelt werden. Patienten, die aus dem Krankenhaus entlassen werden und ambulant weiter versorgt werden, können selbstverständlich auch von einem Heilpraktiker für Psychotherapie begleitet werden.

Die Erlaubnis stellt jedoch keine tragfähige Basis her. Im Sinne der Sorgfaltspflicht darf auch ein zugelassener Heilpraktiker für Psychotherapie nur diejenigen Patienten oder Klienten behandeln, für deren Erkrankung oder Störung er ausreichend qualifiziert ist.

Den letzten Satz, dass Sie für die Erkrankung oder Störung “ausreichend qualifiziert” sein sollten, lesen Sie sich bitte nochmals durch, denn das wird von Prüflingen und Heilpraktikern (eingeschränkt auf das Gebiet der Psychotherapie) oftmals übersehen, ja sogar verdrängt oder fahrlässig ignoriert.

Deshalb sollten Sie im Rahmen Ihrer Sorgfalts- und Weiterbildungspflicht eine fundierte Verhaltenstherapie Ausbildung mit entsprechender Selbsterfahrung nachweisen können, bevor Sie bei Ihren Klienten mit verhaltenstherapeutischen Konzepten und Methoden arbeiten.

Und ich spreche hier nicht von den so oft angepriesenen Wochenendkursen oder theoretisch angelehnten Kursen.

Das wird Ihnen kaum weiterhelfen, wenn ein Klient mit Panikstörung oder Depression vor Ihnen sitzt und von Ihnen fachkundige und wirksame Hilfe erwartet, für die er Sie aus eigener Tasche (also nicht über die Krankenkasse) bezahlen will.

Wichtiger Tipp für (angehende) HP PSYCH Prüflinge

Wenn Sie in der mündlichen Prüfung angeben, dass Sie verhaltenstherapeutisch arbeiten möchten, dann sollten Sie sich auch wirklich gut damit auskennen.

Eine erste Einführung in die Kognitive Verhaltenstherapie finden Sie in meinem

Anhand der Gedächtnisprotokolle aus den letzten Jahren habe ich außerdem festgestellt, dass immer mehr Prüfer eine entsprechende Ausbildung voraussetzen:

Auszug aus einer Email:

[...] Etwas später als ich reingerufen wurde,  sagte mir der Amtsarzt, ich wäre durch gefallen. Ich wußte nicht warum ABER er hat gesagt, dass ich erst einmal ein Psychotherapieverfahren abschließen muss. [...]

Mein Tipp:

Lesen Sie aktuelle Prüfungsprotokolle und machen Sie sich ggf. bei Ihrem Gesundheitsamt schlau, auf was die Prüfer Wert legen.

Mein Hinweis für HeilpraktikerErfolg Leser

Weitergehende Informationen in Form von HP Psych. Prüfungswissen, Trainingsvideos, Mindmaps oder Handouts (PDF Dateien) stehen Ihnen ab hier als Teilnehmer unserer günstigen Onlinekurse zur Verfügung.

Wenn Sie die Inhalte hier nicht sehen, dann sind Sie entweder nicht angemeldet, nicht mehr angemeldet oder keine Onlinekurs Teilnehmerin.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska studierte Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Danach absolvierte Sie erfolgreich die 5-jährige Psychologische Psychotherapeutenausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie beim IVS Nürnberg. Nach 10-jähriger psychotherapeutischer Tätigkeit leitet sie mit Uwe Luschas die piKVT Ausbildung für (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie. Außerdem hilft sie mit ihrer Selbsthilfe-Webseite BossImKopf.de tausenden Menschen, mehr "Boss im Kopf" zu werden.

P.S.
Im Kommentarbereich, weiter unten, können Sie auch Ihre Fragen, Hinweise und Erfahrungsberichte hinterlassen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

P.P.S.
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Kommentare

  1. Azra schreibt:

    Hallo,

    ich habe eine Ausbildung gemacht an der HPP Schule an der ich bin zur
    Gesprächstherapeutin nach C.Rogers. 4W. lang a-5std.
    Mich würde sehr ihre Meinung dazu interessieren!
    Uns wurde sie wärmstens empfohlen an der schule und gesagt die Prüfer
    sehen es gerne wenn man a-ein therapieverfahren vorweisen kann und
    b-gerne C.rogers.Jetzt habe ich aber auch gehört das man mit dieser garnicht
    ankommen braucht… bin verwirrt,verunsichert. Habe diese erlernt und empfinde sie als sehr sinnvoll!.. Habe einiges dafür bezahlt auch und sie bewusst gewählt da sie auch anerkannt ist oder bin ich da falsch informiert??

    Herzliche gr. aus dem schönen Bayern

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Azra,

      lesen Sie dazu am besten diesen Artikel von mir: http://heilpraktikererfolg.de/verzetteln-sie-sich-nicht-durch-unlogische-fragen-in-der-hpp-pruefungsvorbereitung/

      Das was ich dort schreibe, können Sie auch gut auf Ihre Situation und Frage anwenden: Lassen Sie sich nicht von irgendwelchen Informationen oder Leuten verunsichern.

      Die Gesprächstherapie nach Rogers ist vom Wissenschaftlichen Beirat Psychotherapie für verschiedene Störung als Verfahren anerkannt worden. Lesen Sie dazu hier mehr.

      Also warum sollten die Prüfer das dann nicht auch anerkennen? Insb. da Sie ja schon eine entsprechenden Kurs belegt haben.

      Natürlich sollten Sie sich in den anderen gängigen Psychotherapie Methoden auch auskennen :-)

      Außerdem sind Gedächtnisprotokolle eine gute Hilfe, um sich ein Bild darüber zu machen, was in der Vergangenheit gefragt wurde.

      Viele Grüße aus dem schönen Fürth

    • Azra schreibt:

      Hallo Franziska,

      Ich danke ihnen sehr für die schnelle Antwort
      und ihre Mühe!
      Sie haben mir sehr weiter geholfen!

      LG

  2. Judith schreibt:

    Hallo,

    mich würde interessieren, ob es für reine Heilpraktiker überhaupt eine fundierte Ausbildung im Bereich KVT gibt?? Was genau ist denn fundiert? Kennen Sie ein Institut, an dem man als HP eine fundierte Ausbildung machen kann? Es gibt doch für HPs ohnehin nur nur diese extrem teuren Wochenendkurse. Gibt es überhaupt irgendeine wissenschaftlich anerkannte Therapiemethode, für man man sich als HP fundiert ausbilden lassen kann? Falls ja, welche und wo?

    Herzlichen Dank für jede Info

    • Franziska Luschas schreibt:

      Über Ihren Kommentar musste ich schon schmunzeln, da wir eine 10 Wochenenden umfassende Ausbildung in praktischer und integrativer Kognitiver Verhaltenstherapie (piKVT) anbieten, die Mitte November 2017 wieder im schönen Fürth stattfinden soll :-)

      Am besten lesen Sie diese Seite und schauen sich dort auch das Video einer piKVT Teilnehmerin an: http://heilpraktikererfolg.de/verhaltenstherapie-ausbildung-mehr-sicherheit-und-struktur-fuer-ihre-klienten-und-ihre-praxis/

      Mir sind noch 2 eher theoretisch orientierte längere KVT Kurse für HP Psych. bekannt, aber da ich darüber keine genaueren Details habe, sollten Sie vielleicht die Google Suchmaschine bemühen.

      Viele Grüße aus dem schönen Fürth

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