Heilpraktiker Psychotherapie Wissen: Der Unterschied zwischen Neurose und Psychose

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Erst vor einigen Tagen wurde eine unserer Teilnehmerinnen am Orientierungspaket für die HPP Prüfung in ihrer mündlichen Überprüfung, in Lüneburg, gefragt: “Wie kann man eine Psychose von einer Neurose abgrenzen?”.

Aus etlichen Gedächtnisprotokollen von verschiedenen Gesundheitsämtern wissen wir, dass diese Frage gerne einmal gestellt wird.

Aus diesem Grund ist es sinnvoll, dass Sie als zukünftiger Heilpraktiker Psychotherapie Neurosen von Psychosen unterscheiden können und bei Verdacht auf akute oder ausgeprägte Psychosen auf die Behandlung durch Psychiater, andere Fachärzte oder auf eine psychiatrische Einrichtung verweisen.

Denn die Prüfer wollen vor allem wissen, ob Sie “keine Gefahr für die Volksgesundheit” sind.

Warum die ICD-10 Ihr Freund und Helfer ist

Was heißt “psychotisch” und “neurotisch“?

In manchen Lehrbüchern sind diese Begriffe sehr ausführlich dargestellt. Andere Bücher gehen auf diese Ausdrücke überhaupt nicht ein und es gibt auch Bücher, die meines Erachtens zu noch mehr Verwirrung beitragen.

Besonders, wenn es um die Beschreibung psychischer Störungen geht, habe ich gute Erfahrung mit der ICD-10 gemacht. Denn die ICD-10 ist mein Freund und Helfer :-)

Das hat sich in den letzten 15 Jahren immer wieder bestätigt.

Besonders in der allgemeinen Einleitung der ICD-10 (H. Dilling, W. Mombour, M. H. Schmidt: Internationale Klassifikation psychischer Störungen, 9. Auflage, Huber) erhalten Sie wertvolle Benutzerhinweise und Informationen zur Definition und Verwendung wichtiger Begriffe.

Sie erfahren unter anderem, warum die Begriffe “neurotische” und “endogene” Depression oder “psychogen” in der Regel nicht mehr verwendet werden und warum sich die Zyklothymia (F34.0) im Abschnitt F30 – F39 (affektive Störungen) statt unter F60 – F69 (Persönlichkeits- und Verhaltensstörungen) findet.

Wenn Sie sich also gerade auf die Heilpraktiker Psychotherapie Prüfung vorbereiten, empfehle ich Ihnen, in der “blauen” ICD-10 auch die allgemeine Einleitung und die Anmerkungen zu ausgewählten Kategorien sorgfältig durchzulesen. Dadurch können Sie sich unnötige (Begriffs-)Verwirrungen sparen.

Was Neurose bedeutet

Nach der psychoanalytischen Lehre (S. Freud) sind Neurosen durch unbewusste, ungelöste Kindheitskonflikte bedingt. Im klinischen Sprachgebrauch versteht man unter Neurose im weiteren Sinne alle lebensgeschichtlich bedingten seelischen Störungen.

Der Neurosenbegriff wird jedoch aufgrund seiner Unschärfe, der unheitlichen Verwendung und der stark abweichenden Therapiekonzepte  in der ICD-10 in der Regel nicht mehr verwendet. (vgl. H-J. Müller, G. Laux, A. Deister: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie, 5. Auflage, Thieme).

Es wird auch nicht mehr zwischen Neurose und Psychose unterschieden, sondern die Störungen werden – im Sinne der Benutzerfreundlichkeit – entsprechend der Hauptthematik (z.B. Angst) oder der deskriptiven Ähnlichkeit (Beschreibung klinischer Merkmale) zusammengefasst.

In Einzelfällen jedoch erscheint der Begriff “neurotisch” z.B. in einer Überschrift (F40-F48 “neurotische-, Belastungs- und somatoforme Störungen”). In diesem Abschnitt werden die meisten Störungen von den Anhängern dieses Konzepts als Neurosen angesehen.

Was Psychose bedeutet

Dazu steht in der Einleitung der ICD-10 (9. Auflage): “Der Ausdruck ‘psychotisch‘ wurde speziell im Abschnitt F23 (“akute vorübergehende psychotische Störungen”) im deskriptiven Sinne verwendet; er enthält keine Annahmen zur Psychodynamik.

Dieser Terminus soll vielmehr das Vorkommen von Halluzinationen, wahnhaften Störungen oder bestimmten Formen schweren abnormen Verhaltens anzeigen. Hierzu gehören schwere Erregungszustände und Überaktivität, ausgeprägte psychomotorische Hemmung und katatone Störungen.”

Folglich fallen ausgeprägte oder akute Psychosen in die Zuständigkeit eines Facharztes bzw. – je nach Schwere und Verlauf – einer psychiatrischen Einrichtung, wo dann auch internistische und neurologische Untersuchungen bzw. medikamentöse (Notfall-)Therapien durchgeführt werden können.

Abschließende Tipps für Heilpraktiker Psychotherapie

Obwohl in den neueren Diagnose- und Klassifikationssystemen (ICD-10, DSM-5) nicht mehr traditionell zwischen Neurose und Psychose unterschieden wird, empfehle ich Ihnen, sich näher mit den beiden Begriffen zu beschäftigen.

  • Fassen Sie aus einem Lehrbuch Ihrer Wahl oder aus Unterlagen Ihrer Heilpraktikerschule bzw. Ihres Fernlernstudiums die Merkmale einer Neurose bzw. Psychose stichpunktartig zusammen.
  • Stellen Sie die Unterschiede zwischen Neurose und Psychose übersichtlich gegenüber.
  • Finden Sie typische Beispiele für eine “Neurose” bzw. eine “Psychose”.
  • Schreiben Sie wichtige Therapieschritte für typische “Neurosen” (z.B. Phobie, Zwangsstörung, Anpassungsstörung) stichpunktartig auf.
  • Lesen Sie nach, wer Psychosen behandeln darf, welche Behandlungsmöglichkeiten es gibt werden und auf was geachtet werden sollte (z.B. Eigen- und Fremdgefährdung, Nebenwirkungen von Medikamenten, EKT)

Und lesen Sie auch meinen Beitrag “Dürfen Sie als Heilpraktiker (Psychotherapie) Schizophrenie behandeln? Und was tun Sie?” sorgfältig durch.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska Luschas studierte Psychologie. Danach absolvierte sie die 5-jährige Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin mit Schwerpunkt auf Kognitiver Verhaltenstherapie. Sie zeigt auf ihrer Selbsthilfe-Webseite anderen Menschen, wie sie wieder "Boss im Kopf" werden können. Sie liebt die Natur, lebt umweltfreundlich und unterstützt den Tierschutz.

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