Heilpraktiker Psychotherapie Wissen: Gehört der sokratische Dialog zur Verhaltenstherapie?

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Mancher Heilpraktiker Psychotherapie Prüfling hatte in der schriftlichen März 2015 Prüfung, in der Frage 3 die Antwort 5 nicht zu den verhaltenstherapeutischen Verfahren gezählt und damit die Aussage D als richtig angekreuzt.

Die scheinbar richtige Begründung war:

Der sokratische Dialog als Hinterfragungs-Methode im Rahmen der Kognitiven Umstrukturierung gehört doch eindeutig zu den Kognitiven Therapien und nicht zu den verhaltenstherapeutischen Verfahren.

Im engeren Sinne könnte man das auch meinen, aber was zu einem Konzept gehört oder nicht, legen in der Regel mehr oder weniger “offizielle” Stellen bzw. Autoritäten fest.

Wenn Sie sich auf die Heilpraktiker Psychotherapie Überprüfung mit einem gängigen Lehrbuch oder in einer (guten) Heilpraktiker Schule vorbereitet haben, dann wissen Sie wahrscheinlich, dass die Kognitiven Methoden wiederum zur Verhaltenstherapie gezählt werden.

Aber aus welcher seriösen Quelle können Sie sich im Zweifelsfall selbständig informieren?

Der wissenschaftliche Beirat Psychotherapie

Der Wissenschaftliche Beirat Psychotherapie erstellt u. a. nach § 11 des Psychotherapeutengesetzes Gutachten zur wissenschaftlichen Anerkennung von Psychotherapieverfahren.

Trägerorganiationen sind die Bundesärztekammer und die Bundespsychotherapeutenkammer.

Beispielsweise erklärt der wissenschaftliche Beirat in seiner Stellungnahme zur Verhaltenstherapie unter 3. Beschreibung der Verfahren:

“Die Verhaltenstherapie umfasst eine breite Gruppe von Methoden und Techniken. [...] bei denen häufig mehrere dieser Techniken kombiniert werden, u. a. das instrumentelle/operante Lernen in Form von Selbst- und Fremdverstärkung, das klassische Konditionieren (etwa in Form des aversiven Konditionierens), das Modell-Lernen, Habituation und Löschung (etwa bei der systematischen Desensibilisierung und der Konfrontations- beziehungsweise Expositionstherapie), Biofeedback, Methoden der Selbstkontrolle und des Selbstmanagements sowie verschiedene kognitive Methoden. Darüber hinaus werden in der Verhaltenstherapie Techniken aus anderen Bereichen genutzt, wie etwa Rollenspiele, Imagination und Entspannungsverfahren. Verhaltenstherapie kommt im Einzel-, Paar-, Familien- und im Gruppensetting sowohl im ambulanten als auch im teil-/stationären Kontext zur Anwendung.” [Stand: 30.01.2014]

Fundierter Überblick über die Psychotherapieverfahren

Prof. Dr. Jürgen Kriz zählt zur Verhaltenstherapie, in seinem Grundlagenbuch: “Grundkonzepte der Psychotherapie” (7.Auflage), 4 große Gruppen von Methoden:

  1. Lerntheoretisch begründete Verhaltenstherapie
    • Desensibilisierung und Angstbewältigung
    • Operante Ansätze
    • Selbstkontrolle
  2. Kognitive Verhaltenstherapie
    • Lernen am Modell
    • Problemlösungstherapien
    • Verdeckte Konditionierung
    • Selbstinstruktion
    • Kognitive Therapie
    • Multimodale Therapie (BASIC-ID)
  3. Rational-emotive Therapie
    • “A-B-C” der Rational-emotiven Therapie
  4. Neuere Entwicklungen der Verhaltenstherapie
    • u.a. Emotionsfokussierte Therapie
    • Schematherapie
    • Mentalisierungsbasierte Therapie

Heilpraktikerprüfung Psychotherapie März 2015 (A)

Die richtige Antwort auf die Frage 3 aus der schriftlichen Prüfung, März 2015, Gruppe A, lautet also E.

3 Aussagenkombination

Welche der folgenden Aussagen treffen zu? Verhaltenstherapeutische Verfahren sind:

  1. Training sozialer Kompetenz
  2. Habituationstraining
  3. Systematische Desensibilisierung
  4. Exposition in sensu
  5. Sokratischer Dialog
  1. Nur die Aussagen 2 und 3 sind richtig
  2. Nur die Aussagen 1, 3 und 4 sind richtig
  3. Nur die Aussagen 2, 4 und 5 sind richtig
  4. Nur die Aussagen 1, 2, 3 und 4 sind richtig
  5. Alle Aussagen sind richtig

Für den einen oder anderen Prüfling wäre sicherlich einfacher gewesen, wenn unter 5. alternativ “Genogramm” oder zum Beispiel “Gegenübertragungsanalyse” gestanden hätte.

Auf jeden Fall wissen Sie spätestens jetzt, dass zur Verhaltenstherapie zahlreiche verschiedene Methoden und Techniken mit unterschiedlichen Wirkmechanismen zählen.

Nicht umsonst zählt die Verhaltenstherapie zu einer der erfolgreichsten Therapieformen der Gegenwart :-)

Trainingsvideo zur Frage 3 aus der Heilpraktiker Psychotherapie Prüfung März 2015 (Gruppe A)

Hier erhalten Sie einen Auszug (ca. 4 Minuten) aus dem Trainingsvideo für Teilnehmer am online Orientierungspaket zur Vorbereitung auf die schriftliche HPP Prüfung.

Das vollständige Video ist 17 Minuten lang und umfasst Antworten und hiflreiche Hinweise zu den Fragen 3, 6, 11, 13, 18 und 20 aus der Gruppe A.

Klicken sie jetzt auf das nachfolgende Bild bzw. das Video. Nach kurzer Zeit startet das Video. Sie können jederzeit pausieren und wieder fortfahren.

Bei Bedarf können Sie sich über unsere praktisch gemachten Onlinekurse, Seminare und Ausbildungen hier weiter informieren.
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Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska studierte Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Danach absolvierte Sie erfolgreich die 5-jährige Psychologische Psychotherapeutenausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie beim IVS Nürnberg. Nach 10-jähriger psychotherapeutischer Tätigkeit leitet sie mit Uwe Luschas die piKVT Ausbildung für (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie. Außerdem hilft sie mit ihrer Selbsthilfe-Webseite BossImKopf.de tausenden Menschen, mehr "Boss im Kopf" zu werden.

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Kommentare

  1. Manuela schreibt:

    Hallo liebe Frau Luschas,
    in der Prüfung Okt 14 ist Frage 22 (Delir) …. treten Halluzinationen auf allen Sinnesgebieten auf. In ihrem Handout, und Fachbüchern wird wenn von optischen Halluzinationen gesprochen… Ich finde das etwas verwirrend, zumal man ja auch sagt: “optische Halluz” lassen an ein Alk-Delir denken das hat ja auch diff. diagnostische Bewandtnis.
    Liebe Grüße
    Manuela

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Manuela,

      für das Alkoholentzugssyndrom typisch sind vor allem optische Halluzinationen.

      Aber, wie oftmals in der klinischen Psychologie üblich, eben nicht nur (entweder-oder), sondern Halluzinationen können – wenn auch seltener – auch auf anderen Sinnesgebieten auftreten (sowohl-als-auch).

      Mein Tipp: Ziehen Sie im Zweifelsfall die ICD-10 zurate, wo beispielsweise zum Alkoholentzugsdelir (F10.4) steht (9. Auflage): “Die klassische Symptomtrias besteht in Bewusstseinstrübung und Verwirrtheit, lebhaften Halluzinationen oder Illusionen jeglicher Wahrnehmungsqualität, besonders optischen, und ausgeprägtem Tremor.”

      Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Prüfung.