HPP Prüfungsfragen zu Wahnwahrnehmung, dissoziativer Störung und Asperger-Syndrom

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Am 24. August 2015 fand die schriftliche Überprüfung zum Heilpraktiker Psychotherapie in Husum statt. Freundlicherweise stellte mir ein Prüfling die Prüfungsfragen zur Verfügung.

Anstatt der 28 Fragen, wie sonst in vielen Bundesländern für die schriftliche Prüfung üblich, besteht die Husumer Prüfung aus 40 Fragen, wovon 30 Fragen richtig beantwortet sein müssen.

Bei den Fragen 17, 27 und 40 war sich der angehende Heilpraktiker für Psychotherapie etwas unsicher, so dass er um meine Meinung bat.

Bei diesen Fragen handelt es sich nach meiner Erfahrung um wichtige Prüfungsinhalte (Wahnwahrnehmung, dissoziative Störung, Asperger-Syndrom), die sowohl in der schriftlichen als auch mündlichen Überprüfung Thema sein können.

Und damit auch andere angehende Heilpraktiker für Psychotherapie von meinen Antworten profitieren können, gehe ich in diesem Artikel etwas näher auf die oben genannten Fragen aus der Husumer HPP Prüfung ein.

Die Wahnwahrnehmung als psychotisches Symptom

Frage 17

Ein junger Mann beschreibt, dass er beim Einschalten auf dem Bildschirm seines Computers auf dem Bildschirm-Desktop ein Symbol entdeckt habe, das sich zwar dort schon immer befunden habe, ihm aber am heutigen Tag “gesagt” habe, dass Europa dem Untergang geweiht wäre. Er selbst habe seitdem “ungute Gedanken”, auch Angstgefühle. Er erwäge, Feuerwehr und Katstrophenschutz zu informieren.

Die geschilderten Gedanken …

A) … sprechen für eine Perseveration.

B) … können ein Symptom für eine organisch bedingte Psychose sein.

C) … können bei einer Manie auftreten.

D) … Nur die Antworten B und C sind richtig.

E) … Alle Antworten A, B und C sind richtig.

Die richtige Antwort lautet D.

Antwort A ist falsch, denn bei der Perseveration handelt es sich um “haftendes Denken” (das Wiederholen gleicher Denkinhalte und Haftenbleiben an vorherigen Worten oder Angaben, die verwendet wurden, aber im aktuellen Zusammenhang nicht mehr sinnvoll sind). Beim oben genannten Fall hingegen handelt es sich um eine Wahnwahrnehmung (real Vorhandenes wird falsch interpretiert bzw. abnorm gedeutet).

Die Antworten B und C sind richtig, da die Wahnwahrnehmung als inhaltliche Denkstörung bei allen psychotischen Störungen auftreten kann (zum Beispiel Schizophrenie, organisch bedingte Psychosen, Manie bzw. Depression mit psychotischen Symptomen oder substanzinduzierte Psychosen).

HeilpraktikerErfolg Tipps:

  • Lernen Sie den psychopathologischen Befund sorgfältig und wiederholt.
  • Beantworten Sie die Frage, welche psychopathologischen Symptome für welche psychischen Störungen charakteristisch sind.
  • Erstellen Sie zum besseren Einprägen eine übersichtliche Tabelle, in der Sie typisch auftretende psychopathologische Symptome den jeweiligen psychischen Erkrankungen zuordnen.

Merkmale dissoziative Störung (Konversionsstörung)

Frage 27:

Statt des früher in der Psychoanalyse verwendeten Begriffs der “Konversionsstörung” verwendete man in den letzten Jahrzehnten zunehmend den der “Dissoziativen Störung”.

Folgende Aussage/n ist/sind richtig:

A) Ein verdrängter seelischer Konflikt wird in körperliche Symptome umgewandelt.

B) Es kommt zu primärem und sekundärem Krankheitsgewinn.

C) Es kann zu funktioneller Blindheit kommen.

D) Nur die Aussagen A und C sind richtig.

E) Alle Aussagen A, B und C sind richtig.

Die richtige Antwort ist E.

Antwort A stimmt lt. ICD-10.

Antwort B ist richtig, denn laut psychodynamischer Auffassung stellt die Umwandlung seelischer Konflikte in körperliche Symptome den sog.  primären Krankheitsgewinn dar, der für die Entstehung der körperlichen Symptome verantwortlich gemacht wird. Durch die Ausbildung dieser Symptome erfährt der Patient eine Entlastung (“innere” Vorteile).

Durch die Krankheitssymptome erfährt der Patient außerdem Zuwendung, vermehrte Rücksichtnahme und kann unangenehme Aktivitäten vermeiden (“äußere” Vorteile). Das entspricht dem sekundären Krankheitsgewinn als aufrechterhaltenden Faktor der Störung

“Bei dissoziativen Symptomen ist neben dem erwähnten primären Krankheitsgewinn immer ein sekundärer Krankheitsgewinn in Form von vermehrter Aufmerksamkeit, Schonung u. Ä. feststellbar.” (aus Schöpf, J. [2003]. Psychiatrie für die Praxis. Springer)

Antwort C stimmt ebenfalls, obwohl die dissoziative Blindheit in der Praxis eher selten vorkommt. In der  ICD-10 wird die funktionelle Blindheit unter F44.6 klassifiziert.

HeilpraktikerErfolg Tipps:

  • Obwohl die Entstehung von dissoziativen Störungen als multifaktoriell (Zusammenwirken von genetischen, neurobiologischen und psychosozialen Faktoren) angesehen wird, könnte es hilfreich sein, wenn Sie sich mit den psychodynamischen Modellvorstellungen näher beschäftigen.
  • Wichtig sind auch die allgemeinen Kennzeichen der dissoziativen Störungen laut ICD-10 (F44).
  • Außerdem ist es von Vorteil, wenn Sie die Subtypen (u.a. dissoziative Amnesie, dissoziative Fugue, Ganser-Syndrom) und ihre wichtigsten Merkmale kennen.

Symptome des Asperger-Syndroms nach ICD-10

Frage 40:

In den vergangenen Jahren ist dem Asperger-Syndrom mehr Aufmerksamkeit gewidmet worden. Bei mehr und mehr Patienten wurde diese Diagnose gestellt.

Das Asperger-Syndrom ist gekennzeichnet durch:

A) … motorische Ungeschicklichkeit im praktischen Leben.

B) … normale Sprachentwicklung und intellektuelle Entwicklung.

C) … qualitative Beeinträchtigung der Kommunikation.

D) Keine der Aussagen A, B und C sind richtig.

E) Alle Aussagen A, B und C sind richtig.

Richtig ist lt. diagnostischen Leitlinien nach ICD-10 die Antwort E.

HeilpraktikerErfolg Tipps:

  • Lernen Sie  hierzu die diagnostischen Leitlinien, in der ICD-10 unter F84.5, und machen Sie Stichpunkte oder zeichnen Sie ein einprägsames Mindmap dazu.
  • Sie sollten auch wissen, wodurch sich das Asperger-Syndrom von anderen tief greifenden Entwicklungsstörungen (frühkindlicher Autismus, Rett-Syndrom) unterscheidet.
  • In diesem Zusammenhang ist es außerdem von Vorteil, wenn Sie über Epidemiologie und Verlauf der jeweiligen Störung Bescheid wissen.

Zum Schluss die üblichen rechtlichen Hinweise

  • Der Inhalt dieses Beitrags ist ausschließlich für Lehrzwecke bestimmt.
  • Die Daten sind nach besten Wissen und Gewissen erstellt worden.
  • Es wird keine Haftung für Richtigkeit, Aktualität, Vollständigkeit und/oder Folgeschäden übernommen.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska Luschas studierte Psychologie. Danach absolvierte sie die 5-jährige Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin mit Schwerpunkt auf Kognitiver Verhaltenstherapie. Sie zeigt auf ihrer Selbsthilfe-Webseite anderen Menschen, wie sie wieder "Boss im Kopf" werden können. Sie liebt die Natur, lebt umweltfreundlich und unterstützt den Tierschutz.

P.S.
Im Kommentarbereich, weiter unten, können Sie auch Ihre Fragen, Hinweise und Erfahrungsberichte hinterlassen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

P.P.S.
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Kommentare

  1. Claudia schreibt:

    Hallo Frau Luschas,

    das Thema “Dämmerzustand” lässt mich nicht mehr los…;-)

    Folgende Definition im “Pschyrembel: Psychiatrie, Klinische Psychologie, Psychotherapie” erscheint mir plausibel:

    Dämmerzustand: (engl.) twilight state; Form der akuten organisch bedingten Psychose mit qualitativer Bewusstseinsstörung in Form von Bewusstseinstrübung bzw. Wahrnehmungsstörungen (u.U. Desorientiertheit) u. nachfolgender totaler od. partieller Amnesie;

    Vork.: als post- bzw. anteparoxysmaler Dämmerzustand ohne Störung der Orientierung bei Epilepsie, psychogener Dämmerzustand(!), posttraumatisch (sog. organ. Dämmerzustand) nach Schädelhirntrauma, bei Intoxikation, Fieber.

    Nochmals herzlichen Dank für Ihre fachlich fundierte sowie menschlich-moralische Unterstützung!

    Gruß, Claudia

    P.S. Ganz schön viel Stoff … und das ganze Pauken lediglich für den Nachweis, dass man keine Gefahr für die Allgemeinheit darstellt!…:-((

    P.P.S. Aber wie heißt es doch so schön: Man lernt nicht für die Schule (bzw. die Prüfer!)sondern in erster Linie doch fürs Leben;-))

    • Franziska Luschas schreibt:

      Danke Claudia!

      Sie haben sich über den Dämmerzustand ja jetzt ein ziemliches Expertenwissen angeeignet :-)

      Herzliche Grüße

  2. Claudia schreibt:

    Hallo Frau Luschas,

    zunächst schon einmal ein herzliches Dankeschön für die Vorab-Antwort aus Ihrem Urlaub:-)

    Ich habe nochmals im ICD-10 nachgeschlagen und den “psychogenen Dämmerzustand” als dazugehörigen Begriff unter F44.88 (sonstige andere dissoziative Störungen/Konversionsstörungen) gefunden.

    Ich glaube, dass meine Verwirrung daher rührt, dass ich nicht ganz verstehe,…

    ob 1.) der “psychogene Dämmerzustand” mit der “dissoziativen Amnesie” (F44.0) GLEICHZUSETZEN ist…

    ODER 2.) der “psychogene Dämmerzustand” im Rahmen einer dissoziativen Amnesie vorkommen kann….bzw.

    ob 3.) die eigentliche “Anmesie” auch als “psychogener Dämmerzustand” bezeichnet werden kann ….:-O

    Es ist aber auch manchmal zu verzwickt… v. a. wenn man versucht bis in alle Einzelheiten alles zu verstehen…;-)

    Liebe Frau Luschas, ich wünsche Ihnen jedenfalls noch gute Erholung beim Wandern:-))

    Herzlichen Gruß, Claudia

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Claudia,

      in dieser schriftlichen HPP Prüfungsfrage von 2008 wird der psychogene Dämmerzustand mit der dissoziativen Amnesie anscheinend gleichgesetzt. Das macht für mich ebenso wenig Sinn, aber diese Aufgabe war ja Gott sei Dank durch das Ausschlussverfahren gut zu lösen.

      Inzwischen liegt diese Frage bereits 8 Jahre zurück und ich habe die Erfahrung gemacht, dass sich die Prüfer zunehmend bemühen (bzw. auch durch die weitere Erforschung und eindeutigere Zuordnung von Begrifflichkeiten), die Fragen und Antworten weniger fehleranfällig zu formulieren.

      Wenn Sie noch etwas zu diesem Thema rausfinden, würde ich mich über einen kurzen Kommentar mit Quellenangabe freuen.

      Ich wünsche Ihnen weiterhin ein spannendes Lernen und viel Erfolg bei Ihrer Prüfung :-)

  3. Claudia schreibt:

    Hallo Frau Luschas,

    ich habe heute die Prüfungsfragen zu F44-45 beantwortet und kann die laut Lösungsschlüssel richtige Antwort D) bei der Aufgabe Nr. 5 = “Aussagen 1,2,3 und 4 sind richtig” – bei den Aussagen 1 und 4 nicht ganz nachvollziehen.

    Die Aufgabe lautet: Welche Aussagen zum psychogenen Dämmerzustand (dissoziative Amnesie) treffen zu?

    Aussage 1: “Während eines Dämmerzustandes treten Orientierungsstörungen auf.” Aussage 2: “Bei einem Dämmerzustand ist das Bewusstsein getrübt oder eingeengt.”

    -> Ich konnte weder im ICD 10 noch im Lehrbuch diese Aussage zu der “dissoziativen Amnesie” finden.

    M.E. sind das beides Kritieren für eine differentialdiagnostische Abrenzung zu organisch bedingten psychischen Störungen…

    Können Sie mir das bitte erklären?

    Vielen Dank im Voraus für Ihre Antwort – ich stehe kurz vor der Prüfung und hätte gerne Gewissheit bis dahin:-)

    Herzliche Grüße
    Claudia R.

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Claudia,

      ich befinde mich momentan im Wanderurlaub in Garmisch-Partenkirchen.

      Wenn ich aus dem Urlaub zurück bin, komme ich auf Ihre Frage nochmals zurück.

      Übrigens lautet Antwort 2 aus der HPP Prüfung 2008 Frage 7: “Ein Dämmerzustand kann im Rahmen einer psychogenen Reaktion auftreten.”