Kognitive Verhaltenstherapie: Zusammenhang zwischen Gedanken, Gefühle und Verhalten

Ich freute mich schon auf die klare, würzige Waldluft, geheime Wanderpfade und meditatives Wandern im Thüringer Wald. 

Maximal 1 bis 2 Stunden Sonne mit einer 60 bis 90%igen Niederschlagswahrscheinlichkeit bei rund 15 Grad, so lautete die Wettervorhersage.

Die Sonnenstunden bewegten sich zunehmend gegen Null und auch die Temperaturen fielen umso mehr, je näher der Abreisetag rückte. Das letzte Mal, als ich vor der Abreise nachschaute, sagte der Wetterbericht für Eisenach gerade noch 8 Grad und Regenschauer vorher. 

Okay, dachte ich mir, “du hast ja noch die gute Luft. Hauptsache du kommst mal weg von Computer, Telefon und Psychotherapie”.

Wenn wir der Stimme im Kopf unkritisch glauben

Gemäß meiner Maxime “Weniger ist mehr”, packte ich nur das Nötigste in meinem Rucksack. Ich dachte nach: “Naja bei dem kühlen Wetter lohnt es sich wahrscheinlich nicht, die 200 ml Tube Sonnencreme mitzunehmen.”

Zwar versuchte mich schon wenig später meine innere Stimme der Vernunft, mit unangenehmen Vorstellungen von Hautalterung und (bösartigem) Hautkrebs, umzustimmen, doch ich blieb hartnäckig. Ich wich nicht von meiner Geschichte im Kopf, von einem verdeckten Himmel und kühler Witterung, ab.

Am nächsten Tag hob ich meinen leichten Rucksack zufrieden auf die Gepäckablage im Zug. “So wenig hast du noch nie mitgenommen”, freute sich die Stimme in meinem Kopf.

Wie vorhergesagt nieselte es, als wir in Eisenach ankamen. Trotzdem brachen wir zu unserer erste “kleinen” Wanderung auf. Stündlich wurde der Himmel blauer und bald schon kamen die ersten Sonnenstrahlen durch.

Am nächsten Tag war es ganz ähnlich: Sobald wir einige Zeit unterwegs waren, schaute die Sonne immer länger zwischen den Wolken hervor. Spätestens jetzt fiel mir wieder die Sonnencreme ein.

Das bedauernde Gesicht unserer Gastgeberin, wenn sie sich für das täglich vorausgesagte “schlechte” Wetter schon fast entschuldigte, nahm ich als Anlass für weitere Rationalisierungen: “Das lohnt sich doch jetzt nicht mehr, noch eine Sonnencreme zu kaufen. Dann hast du mehr zu schleppen als auf der Hinfahrt …”

Am 5. Tag, nach einer ausgiebigen Wandertour, war es dann soweit. Mein Nacken war rot und brannte heiß. Ich hatte einen Sonnenbrand. Das war mir schon seit Jahren nicht mehr passiert!

Warum diese kleine Geschichte?

Unüberprüftes Denken führt oft zu (emotionalem) Leid

In diesem relativ harmlosen Beispiel wird schnell deutlich, wie sich mein Denken auf meine Emotionen und vor allem auch auf mein Verhalten – mit den entsprechenden (negativen) Konsequenzen – auswirkte (siehe auch ABC-Modell nach Ellis).

Meine starren Überzeugungen (kühl und bewölkt) legten sich dabei wie ein Filter über die Realität (Sonne). Ich tat praktisch so, als würde die Sonne nicht scheinen. Also brauchte ich auch keinen Sonnenschutz, so meine “logische” Schlussfolgerung.

Und wenn wir uns innerlich erst einmal für etwas entschieden haben, dann neigen wir dazu, mögliche Einwände im Sinne der Kognitiven Dissonanz einfach “wegzurationalisieren” bzw. zu ignorieren oder zu verdrängen. 

Einen Sonnenschutz in Eisenach zu kaufen, kam mir zwar in den Sinn, aber durch Gedanken, wie: “Das lohnt sich nicht”, konnte ich mit meiner Strategie ohne schlechtes Gewissen fortfahren.

Jetzt ist so ein kleiner Sonnenbrand natürlich keine große Sache.

Was jedoch passiert, wenn es sich um zentrale, automatische und vor allem schädliche Denkmuster handelt, die unser Selbstbewusstsein, unsere Gesundheit oder Beziehungen gefährden?

Irrationale Gedanken erkennen, überprüfen und ändern

Gerade in der Psychotherapie oder im Coaching suchen uns v.a. auch Menschen auf, die zum Beispiel davon überzeugt sind, dass sie weniger wert als andere sind oder das die Welt voller Gefahren ist.

Wie fühlen sich diese Menschen, wenn sie das zu 100 % glauben und wie sieht ihre Beziehung zu sich selbst, zu anderen und zur Umwelt aus? 

Manche setzen auch ihre Gesundheit aufs Spiel, weil sie denken, dass Bewegung nichts für sie ist, täglicher Fleischverzehr zur Lebenskraft beiträgt oder eine sonnengebräunte Haut attraktiv ist.

Und regelmäßig treffe ich auf Therapeuten und Berater, die “wissen”, was für ihre Klienten das Beste ist. Oftmals geht das weder für den Klienten noch für den Therapeuten gut aus.

Es lohnt sich also, die eigenen dysfunktionalen Gedanken frühzeitig zu erkennen, kritisch zu hinterfragen und hilfreichere Alternativen zu testen.

Gewohnte, und sich “richtig” anfühlende Gedanken regelmäßig zu überprüfen, ist anfangs gar nicht so einfach, aber mit regelmäßiger Übung durchaus machbar. Denn wie Sie Ihr Gehirn nutzen, so formt es sich (= Neuroplastizität) :-)

Eine wissenschaftlich fundierte Methode, mit der Sie Ihre Gedanken einfach und systematisch überprüfen können, ist die Kognitive Umstrukturierung aus der Kognitiven Verhaltenstherapie.

Es ist wahrscheinlich kein Zufall, dass viele erfolgreiche Therapie- und Selbsthilfe Ansätze auf die Veränderung unserer Gedanken abzielen.

Das hilft nicht nur Ihnen als Therapeutin, sondern bringt auch mehr Zufriedenheit und Qualität in das Leben Ihrer Klienten.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska Luschas studierte Psychologie. Danach absolvierte sie die 5-jährige Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin mit Schwerpunkt auf Kognitiver Verhaltenstherapie. Sie zeigt auf ihrer Selbsthilfe-Webseite anderen Menschen, wie sie wieder "Boss im Kopf" werden können. Sie liebt die Natur, lebt umweltfreundlich und unterstützt den Tierschutz.

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