Positive Gefühle Arbeit in der Psychotherapie – Dankbare Menschen sind weniger deprimiert

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Wenn ich mich mit angehenden und bereits praktizierenden HPP aus unserer kognitiven Verhaltenstherapie Ausbildung unterhalte, stelle ich fest, dass Dankbarkeit in ihrer psychotherapeutischen Arbeit kaum oder nur am Rande eine Rolle spielt.

Und das, obwohl die Positive Psychologie in vielen wissenschaftlichen Studien die förderliche Wirkung von Dankbarkeit in der Psychotherapie bestätigt hat.

So tendieren dankbare Menschen beispielsweise weniger zu Angst und Depression. Denn während sie sich an etwas Dankbares erinnern, können sie sich nicht gleichzeitig zu 100% schlecht fühlen. 

Dankbarkeit schwächt negative Gefühle: Reziproke Hemmung

Das Prinzip dahinter nennt man in der Physiologie oder Psychologie auch reziproke Hemmung. Danach können zwei miteinander unvereinbare Zustände, wie zum Beispiel Anspannung und Entspannung, nicht zu 100% gleichzeitig auftreten.

Dieser Wirkmechanismus gilt auch für andere, sich ausschließende bzw. sich gegenseitig hemmende Reaktionen.

Wenn Sie für etwas stark dankbar sind, dann werden Sie sich zur selben Zeit kaum stark ängstlich oder depressiv fühlen. Gefühle der Dankbarkeit schwächen negative Gedanken und Emotionen, wie sie bspw. häufig bei Angst oder Depression vorkommen, durch ihre entspannende Wirkung ab.

Umgekehrt können negative Gedanken und Gefühle auch positive Gefühle, z.B. Dankbarkeit, Hoffnung oder Freude, blockieren.

Deshalb rät uns die Positive Psychologie, nicht nur negative Gedanken und Gefühle zu verringern, sondern gerade auch positive Gedanken und Gefühle gezielt aufzubauen und täglich (wieder) einzuüben.

Leid abbauen ist nicht dasselbe wie Freude aufbauen

Nach unseren Erfahrungen steigt bei einer einseitig problemorientierten Psychotherapie die Wahrscheinlichkeit, dass früher oder später wieder ähnliche oder neue Symptome auftreten.

Viele Menschen berichten zum Beispiel, dass sie sich nach einer Psychotherapie zwar vorübergehend erleichtert fühlen, sich jedoch kaum freuen können oder glücklich sind.

Sie können sich das vereinfacht so vorstellen.

Sie nehmen jemanden etwas “Schlechtes” weg, was er mitunter schon seit Jahren mit sich herumträgt. Wo vorher etwas “Schlechtes” war, entsteht jetzt normalerweise eine “Lücke”.

Mit was wird dieser Mensch diese “Lücke” wahrscheinlich wieder füllen?

Genau.

Mit dem, was er gewöhnt bzw. worauf er konditioniert ist. Er fühlt die entstandene Leere wieder mit etwas aus, was er kennt. Das läuft in der Regel automatisch ab, weil er nicht gelernt hat, das Loch mit etwas “Besserem” aufzufüllen.

Wenn Sie also Ihrem Klienten helfen, seine negativen Emotionen zu verringern, bedeutet dass noch lange nicht, dass er automatisch auch mehr Lebensfreude, Glück  oder Dankbarkeit empfindet.

Die Psychologin und Psychotherapeutin, Fredrike Bannink, bringt diese Beobachtung in ihrem Buch (Praxisbuch Positive KVT. Beltz. 2014. S. 179) durch ein Zitat von Martin Seligman, einer der bedeutendsten Forscher auf dem Gebiet der Positiven Psychologie, treffend auf den Punkt:

‘Ähnliche Erfahrungen habe ich auch gemacht. Ab und zu gelang es mir, einen Patienten von all seinem Zorn, all seiner Angst und all seiner Traurigkeit zu befreien. Ich glaubte, das Ergebnis würde ein glücklicher Patient sein. Aber es kam dabei niemals ein glücklicher Patient heraus. Alles, war herauskam, war ein leerer Patient.

Und das liegt daran, dass die Fähigkeit, die man zum Aufblühen braucht, – also dazu, positives Gefühl, Sinn, erfüllende Arbeit und positive Beziehungen in seinem Leben zu haben -, etwas ist, das über die Fähigkeiten hinausgeht, das Leiden zu verringern’.

Warum tägliche Dankbarkeit besonders wirksam ist

Dankbarkeit gehört zu den kraftvollsten positiven Gefühlen, die ich kenne.

Nicht umsonst gehört Dankbarkeit laut der amerikanischen Psychologie-Professorin Barbara Fredrickson zu den 10 positiven Basisemotionen, die unser Alltagsleben besonders prägen.

Positive Emotionen versetzen uns demzufolge  in die Lage mehr Reize wahrzunehmen, zu verarbeiten und entsprechende Verknüpfungen herzustellen. Dadurch wird unsere Sicht auf die Welt erweitert, was langfristig unsere geistige Flexibilität, Kreativität und Resilienz fördert.

Interessanterweise wird diese positive Entwicklung nicht so sehr durch die Stärke der guten Gefühle, sondern vor allem durch ihre Häufigkeit beeinflusst. 

Es kommt also nicht so sehr darauf an, dass wir zum Beispiel das Gefühl der Dankbarkeit möglichst intensiv spüren, sondern dass wir uns möglichst oft dankbar fühlen (vgl. Daniela Blickhan. Positive Psychologie. Junferman. 2015. S. 59f.).

Eine der klassischen Methode aus der Positiven Psychologie ist nach meiner Erfahrung dafür besonders geeignet, nämlich das tägliche Führen eines Dankbarkeits-Tagebuchs.

Mehr dazu erfahren Sie weiter unten im HeilpraktikerErfolg Video.

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Dankbarkeit hilft Menschen sich besser zu fühlen

Wenn man sich die Studien der letzten 15 Jahre ansieht, dann besteht zwischen Dankbarkeit und psychischer Gesundheit ein starker Zusammenhang (vgl. u.a. Emmons, Fredrickson, Ljubomirsky, Seligman).

Dankbare Menschen fühlen sich beispielsweise weniger gestresst oder deprimiert, sind dafür aber glücklicher und häufiger in einer guten Stimmung.

In einer Dankbarkeitsstudie (Seligman, M. E. P., Steen, T. A., Park, N., & Peterson, C. (2005). Positive psychology progress: Empirical validation of interventions. American Psychologist, 60, 410-421.) erzielte das regelmäßige Schreiben eines Dankbarkeitstagebuchs als eines der sechs therapeutischen Interventionsmöglichkeiten, die die Lebensqualität erhöhen sollten, langfristig gesehen die größte Wirkung.

Die Teilnehmer der Untersuchung schrieben täglich drei Dinge in ihr Dankbarkeits-Tagebuch, für die sie dankbar waren. Daraufhin stiegen ihre “Glücklichkeitspunkte” immer mehr an, bis ungefähr sechs Monate nach dem Beginn der Untersuchung die größten Erfolge verzeichnet wurden.

Das Dankbarkeitstagebuch wirkte sich derart positiv auf das Wohlbefinden der Teilnehmer aus, dass es viele, selbst nach der Studie, noch lange weiterführten.

Bücher zum positiven Arbeiten in der Psychotherapie

Zum positiven Arbeiten in der Psychotherapie Praxis bzw. zur Positiven Psychologie kann ich Ihnen die beiden folgenden Bücher empfehlen:

  • Bannink, Fredrike. Praxisbuch Positive KVT. Ein integratives lösungsorientiertes Konzept. Beltz. 2014
  • Blickhan, Daniela. Positive Psychologie. Ein Handbuch für die Praxis. Junfermann. 2015

HeilpraktikerErfolg Praxis Video – Wie Sie Ihren Klienten helfen, Dankbarkeit zu entwickeln

Dieses Video war zunächst für die Zuschauer meines Youtube Selbshilfekanals BossImKopf bestimmt.

Weil, wie dargelegt, positive Gefühle in der Psychotherapie-Praxis eine zentrale Rolle spielen, empfehlen wir Ihnen, sich das kurze Video anzuschauen, Notizen zu machen und die positive Gefühlsarbeit ggf. auch in Ihre praktische Tätigkeit zu integrieren.

In dem Video erfahren Sie,

  • dass viele Menschen glücklicher sein möchten.
  • dass rein von außen (von Anderen) abhängiges Glück oftmals oberflächlich ist und in der Regel nur kurz anhält.
  • dass der Zustand des Unglücklichseins gewöhnlich erlernt ist.
  • warum es wichtig ist, die alten negativen Muster bewusst und wiederholt zu unterbrechen.
  • dass starke Dankbarkeit und sich gleichzeitig viele Sorgen machen oder intensives Grübeln kaum möglich ist.
  • was reziproke Hemmung am Beispiel Dankbarkeit und Angst bedeutet.
  • dass negatives Denken gewöhnlich negative Gefühle nach sich zieht.
  • wie Ihre Klienten und auch Sie lernen können, sich gut zu fühlen.
  • warum auch “kleine” Gründe für Dankbarkeit hilfreich sind.
  • wie der Troll (= innere negative Stimme, innerer Kritiker) versucht, Sie zu sabotieren.
  • wie Ihre Klienten und natürlich auch Sie (= Rollenmodell) Dankbarkeit und Glück täglich üben können.
  • was Ihre Klienten in ein Dankbarkeitstagebuch schreiben können.
  • wie sich eine Bahn für positive Gefühle in Ihrem Gehirn entwickeln kann.
  • was Neuroplastizität bedeutet.
  • wie Ihre Klienten negative Gedanken und Gefühle Schritt für Schritt verringern und verändern können.
  • wie Ihnen ein Erinnerungsanker helfen kann, dass Sie sich an die Dankbarkeitsübung erinnern.
  • wie Sie und Ihre Klienten eine positivere Einstellung entwickeln können.

Um das Video zu starten, klicken Sie auf den Wiedergabeknopf oder auf das Bild unterhalb dieses Textes. Mit einem erneuten Klick können Sie jederzeit pausieren.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska Luschas studierte Psychologie. Danach absolvierte sie die 5-jährige Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin mit Schwerpunkt auf Kognitiver Verhaltenstherapie. Sie zeigt auf ihrer Selbsthilfe-Webseite anderen Menschen, wie sie wieder "Boss im Kopf" werden können. Sie liebt die Natur, lebt umweltfreundlich und unterstützt den Tierschutz.

P.S.
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P.P.S.
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Kommentare

  1. Katja schreibt:

    Hallo Franziska,
    danke für das Video.
    Mir haben besonders die praktischen Tipps mit dem Buch- und abends in die Imagination zu gehen gefallen.
    Ich erwarte in ein paar Tagen eine Klientin mit einer Angststörung- da kann ich diese Tipps dann gleich weitergeben.

    Vielen Dank und liebe Grüße,

    Katja

    • Franziska Luschas schreibt:

      Danke für Ihr Feedback, Katja und viel Freude und Erfolg bei der Arbeit mit Ihren Klienten :-)

      Herzliche Grüße

  2. Bettina schreibt:

    Das Negativdenken ist ein echter Volkssport.

    In meinem Bekanntenkreis gibt es Menschen, die es schaffen, sich die schönsten Dinge schlecht zu reden.

    Dabei muss ich gut auf mich aufpassen, weil Negativdenken ansteckend ist, wie die Wintergrippe.

    Hier ist praktische Achtsamkeit gefragt. Lasse ich mich gerade in die schlechte Stimmung des anderen hereinziehen?

    Ich habe den Eindruck, dass glücklich und zufrieden sein, in unserem Kulturkreis nur wenig Beachtung eingeräumt wird. Wir dürfen uns nicht dabei erwischen lassen!

    Nur wem es schlecht geht, scheint bei anderen eine “Existenzberechtigung” zu haben.

    Liebe Grüße
    Bettina

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Bettina,

      da hast Du einige wichtige Zusammenhänge gut auf den Punkt gebracht.

      Anstatt sich auch auf das zu konzentrieren, was im Leben wirklich gut läuft, liegt der gewohnheitsmäßige Fokus bei vielen Menschen auf dem Negativen.

      In unserer praktischen Arbeit mit Selbstzahlern und auch in unseren piKVT Ausbildungen machen wir immer wieder die Erfahrung, dass Psychotherapie bzw. Psychologische Beratung durch die bewusste gute Gefühle Arbeit wirksamer, nachhaltiger und qualitativ verbessert wird.

      Danke für Deinen Kommentar :-)