Verhaltenstherapie: Wie Sie mit der Pfeil-Abwärts-Technik die Grundannahmen erfragen

HeilpraktikerErfolg - Moderne Integrative Psychotherapie Praktisch gemacht - LuschasSie wissen vielleicht, dass eines der zentralen Ziele der Kognitiven Verhaltenstherapie die Modifizierung dysfunktionaler Grundannahmen ist.

Bevor Sie Ihrem Klienten – als Heilpraktiker (Psychotherapie) oder Therapeutin – jedoch helfen können seine verzerrten Grundannahmen zu verändern, ist es sinnvoll diese zu kennen.

Im nachfolgenden Fallbeispiel geht es um eine 45-jährige Industriekauffrau mit Prüfungsangst und Panik, die in 4 Wochen an der schriftlichen Überprüfung zur Heilpraktikerin (Psychotherapie) teilnehmen möchte.

Wie Sie zuerst automatische Gedanken identifizieren

Die Dame berichtet, sich nicht genug auf das Lernen konzentrieren zu können. Obwohl sie sich seit über einem Jahr vorbereite, fühle sie sich noch sehr unsicher.

Während des Lernens bekomme sie Panik, dass alles nicht schaffen zu können, weil sie immer wieder Fehler mache.

Nachdem ich der Kauffrau das Kognitive Modell mit gezielten Fragen näher bringe, kann sie bereits den Zusammenhang zwischen ihrem Denken, Fühlen und Verhalten an einem persönlichen Beispiel erklären.

Das ABC-Modell: Viele Klienten kennen ihr C (Gefühle und Reaktionen)

Die Klientin leidet vor allem an ihrer Angst, die sie lernunfähig mache. Diese Lernblockade führe zu noch mehr Angst.

Das ABC-Modell: Die meisten Klienten kennen A (Auslöser)

Wo diese Lernblockade denn besonders häufig auftauche, frage ich meine Klientin.

Am Wochenende, wenn sie stundenlang wie blockiert vor ihren Büchern sitze, dann bekomme sie vor lauter Angst gar nichts mehr mehr in ihrem Kopf rein.

Das ABC-Modell: Fragen Sie Ihre Klienten nach B (automatischer Gedanke)

Therapeut: Was geht Ihnen in diesen Situationen (A) besonders oft durch den Kopf?

Klientin: “Schon wieder habe ich so viele Fehler gemacht.”.

Nachdem ich nun einen typischen Angst auslösenden Gedanken erfragt habe, möchte ich wissen, durch welche dysfunktionale (irrationale) Grundannahme dieser Gedanke aufrechterhalten wird.

Woran Sie Grundannahmen erkennen

Im Gegensatz zu automatischen Gedanken sind Grundannahmen dem Klienten zu Beginn der Therapie in der Regel nicht bewusst.

Denn Grundannahmen sind tief und fest verwurzelte Einstellungen und Überzeugungen, die bereits früh im Leben erworben und als absolut wahr angenommen werden.

Zum Beispiel ist die 45-jährige Industriekauffrau davon überzeugt, dass sie dümmer ist als andere.

Diese starre Grundannahme wirkt situationsübergreifend auch in andere Bereiche, wie Partnerschaft, Beruf oder Kindererziehung, hinein.

Wenn die Grundannahme durch Stress, wie beispielsweise die Prüfungsvorbereitung aktiviert wird, dann nimmt die Klientin sich selbst, andere und die Umwelt durch diesen “Dümmer-als-andere-Filter” wahr.

Der Filter dient dazu, alles Wahrgenommene so zu filtern, dass die dysfunktionale Grundannahme, “Ich bin dümmer als andere”, immer wieder bestätigt wird und alle gegensätzlichen Erfahrungen ignoriert oder abgewertet werden.

Weil sich – selbst irrationale – Grundannahmen für den Betreffenden absolut richtig anfühlen, ist ihre Überprüfung und Veränderung mit wesentlich mehr Aufwand verbunden, als zum Beispiel die Modifikation von automatischen Gedanken.  

Bevor wir jedoch Grundannahmen modifizieren (verändern) können, ist es notwendig sie zu kennen.

Die Pfeil-Abwärts-Technik am Beispiel Prüfungsangst

Nachdem wir weiter oben den dysfunktionalen, automatischen Gedanken identifiziert haben, können wir die Pfeil-abwärts-Technik nutzen, um die zugrundeliegende Annahme aufzudecken.

Die Pfeil-Abwärts-Technik ist eine von mehreren Möglichkeiten (negative) Grundannahmen zu erfragen.

Voraussetzung für den Einsatz der Pfeil-Abwärts-Technik ist jedoch eine vertrauensvolle Arbeitsgrundlage zwischen Klientin und Therapeutin (= Rapport).

Ich erkläre meiner Klientin beispielsweise, dass das Ziel meines Nachfragens darin besteht, “die Wurzeln” ihres negativen Denkens aufzuspüren.

Klientin: “Ich habe schon wieder so viele Fehler gemacht.”

Therapeutin: Und was bedeutet das für Sie?

Klientin: “Dass ich noch nicht genug weiß.”

Therapeutin: Und das bedeutet?

Klientin: “Dass ich eine schlechte Lernerin bin.”

Therapeutin: Was genau heißt das?

Klientin: “Die Wahrscheinlichkeit ist groß, dass ich durchfalle.”

Therapeutin: Angenommen, Sie hätten recht. Was wäre für Sie das Schlimmste daran?

Klientin: “Das wäre eine Katastrophe.”

Therapeutin: Was genau wäre daran so schlimm?

Klientin: “Dann würden mich meine Freunde, meine Bekannten und Kollegen verachten.”

Therapeutin: Wenn sie Sie verachten würden, was dann?

Klientin: “Das wäre schrecklich.”

Therapeutin: Was genau daran wäre so schrecklich?

Klientin: “Sie würden alle merken, dass ich wirklich dumm bin.”

Therapeutin: Und das heißt?

Klientin: “Das heißt, dass ich einfach nichts richtig machen kann und die Prüfung nie schaffen werde.”

Therapeutin: Und wenn das stimmt, dass Sie nichts richtig machen können und die Prüfung nicht schaffen können, was bedeutet das für Sie?

Klientin: “Dass ich dümmer bin als andere.”

Therapeutin: Wie überzeugt davon sind Sie, dass Sie dümmer als andere sind?

Klientin: “Ich bin sehr davon überzeugt.”

Therapeutin: Zu wie viel Prozent glauben Sie, dass Sie dümmer sind.

Klientin: “Zu 100% würde ich sagen.”

Therapeutin: In jedem Bereich Ihres Lebens?

Klientin: “Ja, fast überall.”

usw.

Vielleicht haben Sie auch bemerkt, dass man an mehreren Stellen den Sokratischen Dialog sehr gut hätte verwenden können.

Jedoch ging es in diesem Beispiel in erster Linie um das Aufspüren und nicht um das Überprüfen von Grundannahmen.

HeilpraktikerErfolg Video – Grundannahmen mit der Pfeil-abwärts-Technik ermitteln

Dieses Video ist besonders für zukünftige Heilpraktiker (Psychotherapie) zur Vorbereitung auf die mündliche Überprüfung, für bereits praktizierende Therapeuten und natürlich auch für Interessierte geeignet.

Die meisten meiner Coachees und Kursteilnehmer erzielen tiefere Lernerfolge und auch bessere Ergebnisse in ihrer Praxis, wenn sie das HeilpraktikerErfolg Training gehirngerecht, in 5 bewährten Schritten, durchführen:

  1. Kopieren Sie den gesamten Beitrag in ein Textverarbeitungsprogramm, zum Beispiel in Word, und drucken Sie den Beitrag aus.
  2. Lesen Sie den Beitrag sorgfältig durch und markieren Sie wichtige Textstellen.
  3. Schauen Sie sich dann das Video in einem Rutsch einmal komplett an.
  4. Schauen Sie sich das Video ein weiteres Mal an und machen Sie sich dazu Notizen, beispielsweise in Word.
  5. Lesen Sie Ihre Notizen immer wieder mal durch und ergänzen Sie diese.

In diesem kostenlosen KVT Video erfahren Sie,

  • was der Hauptgrund ist, warum Menschen Psychotherapie in Anspruch nehmen.
  • wie Sie über automatische Gedanken die dahinterliegenden Grundannahmen aufdecken.
  • mit welcher typischen Frage Sie automatische Gedanken erfragen können.
  • was ein zentrales Ziel der Kognitiven Verhaltenstherapie ist.
  • wie Grundannahmen unser Denken, Fühlen und Verhalten beeinflussen.

Um das Trainings-Video zu starten, klicken Sie ein- oder zweimal auf das Bild unterhalb dieses Textes. Mit einem erneuten Klick können Sie jederzeit pausieren, Ihre Notizen machen und wieder fortfahren.

  Hilfreiche Bücher zur Kognitiven Umstrukturierung

  • Beck, J. (2013). Praxis der Kognitiven Verhaltenstherapie: Mit Online-Materialien. Beltz.
  • Hautzinger, M. (2010). Kognitive Therapie der Depression. Beltz.
  • Wilken, B. (2012). Methoden der Kognitiven Umstrukturierung: Ein Leitfaden für die psychotherapeutische Praxis. Kohlhammer.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska studierte Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Danach absolvierte Sie erfolgreich die 5-jährige Psychologische Psychotherapeutenausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie beim IVS Nürnberg. Nach 10-jähriger psychotherapeutischer Tätigkeit leitet sie mit Uwe Luschas die piKVT Ausbildung für (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie. Außerdem hilft sie mit ihrer Selbsthilfe-Webseite BossImKopf.de tausenden Menschen, mehr "Boss im Kopf" zu werden.

P.S.
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P.P.S.
Im Kommentarbereich, weiter unten, können Sie auch Ihre Fragen, Hinweise und Erfahrungsberichte hinterlassen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

Kommentare

  1. Gabriele schreibt:

    Liebe Franziska,

    wie immer erfahre ich deine Video´s als Bereicherung für meine berufliche Tätigkeit. Sie holen mir das Gelernte ins Bewusstsein zurück und sorgen für Vertiefung. So ist es mir möglich ohne lange Fahrtzeit zu Seminaren mein Wissen aktuell zu halten. Dies als Zwischenlösung, bis es mir möglich ist ein Seminar bei euch zu besuchen. Vielen herzlichen Dank!

    Liebe Grüße
    Gabi

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Gabi,

      wir freuen uns, dass du das kostenlose KVT Wissen und unserer Erfahrungen aus der verhaltenstherapeutischen Selbstzahler Praxis für dich und deine Klienten nutzt :-)

      Herzliche Grüße aus Fürth

      Franziska

  2. Gerhard W. schreibt:

    Hallo Frau Luschas,

    es wundert mich immer wieder, wie sie die hohe Qualität ihrer Beiträge und Videoproduktionen ständig beibehalten.

    Vielleicht können Sie in einem anderen Beitrag darauf eingehen, was ihr Geheimrezept ist?

    Und vielen Dank für diesen sehr interessanten Beitrag zur kognitiven Verhaltenstherapie, in die ich mich dank ihrem kleinen KVT-Boss immer weiter vorantaste.

    Ich hoffe, Sie bleiben uns noch lange erhalten :)

    Gerhard

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Gerhard,

      danke für Ihre positive Rückmeldung.

      Mein “Geheimrezept” für die zahlreichen kostenlosen KVT Artikel, Videos und Handouts ist alles andere als geheim ;-)

      Im Sinne der Transparenz und vielleicht sogar als Rollenmodell gebe ich Ihnen hiermit meine Zutaten für die gleichbleibende Qualität auf HeilpraktikerErfolg:

      • - Mittlerweile nutze ich mein Wissen und Können aus mehr als 5.200 Stunden Praxiserfahrung.
      • - Ich arbeite regelmäßig mit “echten” Klienten in meiner Selbstzahlerpraxis.
      • - Dadurch, dass ich regelmäßig anstrengende Seminare halte, vernetzt sich mein Wissen auf einer tieferen Ebene immer mehr und ich entwickle mich durch die vielen unterschiedlichen Anforderungen der Kursteilnehmer ebenfalls weiter.
      • - Zusätzlich bin ich offen für Neues, vertiefe aber trotzdem meine bereits vorhandenes Wissen, um darin zur Expertin zu werden.
      • - Und ich arbeite mit den besten Methoden aus der integrativen Kognitiven Verhaltenstherapie fast täglich an mir selbst, besonders dann, wenn ich überhauptkeine Lust darauf habe.

      Es ist weiterhin wichtig, sich nicht von den vielen anderen spannenden Ablenkungen auf dem Gebiet der Psychologie- und Psychotherapie bzw. Selbsthilfe ablenken zu lassen.

      Denn da kann man sich sehr schnell verlaufen und wirklich weit kommt man dann mit keiner Methode, weil echter Tiefgang – im Sinne von langjähriger Erfahrung – fehlt.

      Vielleicht möchten Sie ja einiges von meinen “geheimen” Zutaten in einigen Bereichen Ihres Lebens testen :-)

      Eine spannende Zeit beim weiteren Lernen und Ausprobieren der integrativen Kognitiven Verhaltenstherapie

      wünscht Ihnen

      Franziska Luschas