Warum die Symptomverschiebung nicht nur in der Kognitiven Verhaltenstherapie vorkommt

HeilpraktikerErfolg Mitgliedschaft - Weniger Theorie - Mehr Wissen - LuschasSeitdem ich Therapeuten in Kognitiver Verhaltenstherapie ausbilde, bekomme ich hin und wieder die Frage gestellt: “Aber kommt es da nicht zur Symptomverschiebung?”

Die Überzeugung, dass Verhaltenstherapeuten nur die Symptome wegtherapieren, aber nicht an der eigentlichen Ursache der psychischen Störung ansetzt, hält sich unter Laien mit ihrem Halbwissen und Hardlinern anderer Psychotherapieschulen teilweise hartnäckig.

Bevor ich auf die oben gestellte Frage näher eingehe, erkläre ich zunächst, was eine Symptomverschiebung ist und wie es dazu kommen kann.

Was ist eine Symptomverschiebung?

Nehmen wir einmal an, zu Ihnen kommt eine junge Frau mit einem Waschzwang in die Praxis.

Nachdem sich die Patientin mit Ihrer Hilfe (im Sinne der Exposition mit Reaktionsverhinderung) dem Waschzwang wiederholt ausgesetzt hat, geht die Symptomatik und damit der Leidensdruck deutlich zurück.

Nach einigen Monaten wendet sich die gleiche Dame wegen einer aktuellen Höhenangst erneut  an Sie.

Erfahrene Therapeuten wissen in der Regel, dass hinter einer psychischen Symptomatik – einem Zwang oder einer Phobie zum Beispiel – mehr steckt, als im ersten Moment erkennbar ist.

Wenn aber die eigentliche Ursache der psychischen Störung nicht sorgfältig bearbeitet wird, dann kann das dazu führen, dass sich der dahinterliegende “Konflikt” durch eine andere psychische Symptomatik ausdrückt bzw. auf eine andere Symptomatik ausweicht oder eben “verschoben” wird.

Die Symptomverschiebung kann bei jeder Form der Psychotherapie auftreten, insbesondere dort, wo die Therapeutin nicht sorgfältig genug arbeitet.

Deshalb ist die Symptomverschiebung auch kein typisches Problem der Verhaltenstherapie, selbst wenn mancher Vertreter der Psychoanalyse davon überzeugt zu sein scheint.

Häufige Gründe für eine Symptomverschiebung

Angenommen bei dem Waschzwang handelt es sich um eine dysfunktionale Bewältigungsstrategie, die die Dame entwickelt hat, um die – in der Kindheit stattfindenden – sexuellen Übergriffe des Vaters, so gut es geht, zu verarbeiten.

Diese maladaptive Bewältigungsstrategie ist aber wenig zielführend und häufig verbunden mit Rationalisierungen, wie “Zu der Zeit ging es ihm nicht so gut.”, “Es hatte ja sonst niemanden.”, “Er bereut es bestimmt.”, “Dadurch hat er gezeigt, dass ich ihm besonders wichtig bin …”.

Das Erlebte, solange es nicht sorgfältig bearbeitet wird, ist jedoch im Unterbewusstsein der jungen Frau immer noch aktiv und wird sich höchstwahrscheinlich irgendwann durch eine entsprechende Symptomatik (psychische Störung) ausdrücken.

Um tiefgreifende und nachhaltige Verbesserungen zu erzielen, ist es deshalb wichtig an den ursächlichen Faktoren der psychischen Störung anzusetzen.

Die Gründe, warum manche Psychotherapeuten oder Heilpraktiker (für Psychotherapie) nicht sorgfältig genug an den Ursachen arbeiten, liegt nach meinen Erfahrungen mit Hunderten von Ausbildungsteilnehmern, Supervisanden und auch Klienten oftmals an:

  • der unzureichenden Erfahrung bzw. großen Unsicherheit des Therapeuten.
  • dem mangelnden Vertrauen in die Therapeutin und ihre Fähigkeiten (seitens der Klientin).
  • einem fehlendem praktischen und funktionierenden Therapiewerkzeug.
  • der fehlenden Therapiestruktur und einem damit verbundenen ineffizienten therapeutischen Vorgehen.
  • einer oberflächlichen Anamnese bzw. Verhaltensanalyse, wie zum Beispiel eine fehlerhaften Makroanalyse.
  • der Angst des Therapeuten, mit heftigen emotionalen Reaktionen nicht funktional umgehen zu können.
  • den dysfunktionalen Überzeugungen der Therapeutin, was eine gute Therapeutin bzw. gute Therapie ausmacht …

Gute Psychotherapie ohne Symptomverschiebung

Umso wichtiger ist es für Sie als psychotherapeutisch arbeitende Person, dass Sie Ihre therapeutische Haltung, Vorgehensweise, Interaktion, Ihre bevorzugte Sicht der Dinge immer wieder kritisch hinterfragen und ggf. korrigieren.

Mit zunehmender Bewusstheit sind Sie dann auch immer mehr in der Lage therapeutisch “sauber” und sorgfältig zu arbeiten, was sich vor allem dadurch ausdrückt, dass Sie:

  • einer nachvollziehbaren und praktischen Therapiestruktur folgen.
  • transparent, logisch und fokussiert vorgehen.
  • auffällige, therapeutische Interaktionsmuster für die Therapie sinnvoll nutzen.
  • die geeigneten Therapiemethoden an der “richtigen” Stelle klug einsetzen.
  • eine grundlegende Stabilität, Zuversicht und Vertrauen ausstrahlen.

Natürlich muss auch die Klientin bereit sein, mit Ihnen gemeinsam “hinter die Kulissen” zu schauen und aktiv mitzuarbeiten.

Die Chancen dafür stehen aber umso höher, desto mehr Ihnen die Klientin vertraut und umso mehr sie von den Vorteilen einer tiefgehenden und nachhaltigen Ursachenbearbeitung überzeugt ist.

Wie Sie mithilfe einer sorgfältig durchgeführten KVT eine Symptomverschiebung vermeiden können

Die Eingangsfrage, ob eine Symptomverschiebung bei der Kognitiven Verhaltenstherapie häufiger als bei anderen Therapieformen auftritt, möchte ich hiermit – aus eigener Erfahrung mit Hunderten von Patienten – mit einem klaren NEIN beantworten.

Ich habe festgestellt, dass eine sorgfältig durchgeführte KVT sogar vor einer Symptomverschiebung schützt, weil

  • eine klare Struktur, Transparenz und Authentizität des Therapeuten dazu führt, dass sich der Patient leichter öffnet und besser mitarbeitet.
  • eine ausführliche und nachvollziehbare Psychoedukation Vertrauen und Zuversicht fördert.
  • eine sorgfältige Makroanalyse die ursächlichen, auslösenden und aufrechterhaltenden Bedingungen der psychischen Störung aufdeckt.
  • die tiefliegenden, dysfunktionalen Grundannahmen und Bewältigungsstrategien des Patienten mithilfe der Organismusvariable im Rahmen des SORKC Schemas analysiert werden.
  • die schädlichen Grundannahmen (Schemata) mithilfe der Kognitiven Umstrukturierung positiv verändert werden können.
  • belastende oder traumatische Lebensereignisse im Rahmen der emotional-imaginativen Umstrukturierung bearbeitet werden können.
  • der Patient zum eigenen Therapeuten ausgebildet wird, damit er mit zukünftigen Belastungen selbständig und konstruktiver umgehen kann.

Umso beharrlicher Sie an Ihren eigenen dysfunktionalen Überzeugungen oder Blockaden arbeiten, desto eher können Sie diese therapeutische Herausforderungen meistern.

Und desto sicherer, authentischer und erfolgreicher können Sie Ihren Klienten – in schwierigen Lebenssituationen – hilfreich zur Seite stehen.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska Luschas studierte Psychologie. Danach absolvierte sie die 5-jährige Ausbildung zur Psychologischen Psychotherapeutin mit Schwerpunkt auf Kognitiver Verhaltenstherapie. Sie zeigt auf ihrer Selbsthilfe-Webseite anderen Menschen, wie sie wieder "Boss im Kopf" werden können. Sie liebt die Natur, lebt umweltfreundlich und unterstützt den Tierschutz.

P.S.
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P.P.S.
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