Warum Heilpraktiker (Psychotherapie) i.d.R. nicht mit der Krankenkasse abrechnen können

HeilpraktikerErfolg Mitgliedschaft - Weniger Theorie - Mehr Wissen - LuschasIm Sinne der Synchronizität (C. G. Jung) befasste ich mich in den letzten 10 Tagen, durch einige Anrufe und Emails ausgelöst, überzufällig häufig mit den Themen “Selbstzahler” bzw. “Abrechnung mit Krankenkassen”.

Gleich 3 Heilpraktikerinnen wollten im Rahmen der Supervision wissen, wie man einen Antrag auf Psychotherapie für die Krankenkasse ausfüllt.

In einer Email wurde ich von einem Heilpraktiker sogar um ein Gutachten gebeten, indem ich eine Betriebskrankenkasse von seinen “Qualitäten als Psychotherapeut” überzeugen sollte.

Und eine Dame, die ihre Praxis als Heilpraktikerin vor mehr als 4 Jahren eröffnete, schrieb in ihrer Email:

“[...] Die Möglichkeit auf einen Therapieplatz ist hier in … einfach schlecht! Und die Gesetzlichen Kassen lehnen meine Leistungen mit dem Hinweis der fehlenden Approbation von vorn herein ab – ich sei ja NUR Heilpraktiker! [...] Daher habe ich mittlerweile die … mit Anträgen zum Kostenerstattungsverfahren bombardiert. [...]“.

Als Heilpraktiker für Psychotherapie anderen endlich professionell helfen können

Den Wunsch anderen Menschen helfen zu wollen ist völlig nachvollziehbar. Mir ging es da nicht anders.

Anderen Menschen bei ihren (psychischen) Problemen besser helfen zu können, war einer der Hauptgründe, warum ich abends nach meiner Bürotätigkeit das Abitur nachgeholt und mich jahrelang durch unzählige theoretische Modelle, lange Statistik- und Physiologievorlesungen in meinem Psychologie Studium gequält hatte.

Auch Heilpraktiker für Psychotherapie machen die Überprüfung beim Gesundheitsamt größtenteils, weil sie sich berufen fühlen, anderen Menschen mit psychischen Problemen weiterzuhelfen.

Für viele, die sich ernsthaft für Psychologie interessieren, die selbst schon einige Herausforderungen erfolgreich überwunden haben und gerne mit Menschen arbeiten, ist die psychotherapeutische Tätigkeit als Heilpraktiker der Psychotherapie (HPG) eine wunderbare Gelegenheit, ihr Wissen, ihre Erfahrungen und ihre Lösungsstrategien an Hilfesuchende professionell weiterzugeben.

Ihr Hobbie zur Berufung machen, um anderen Menschen helfen und davon auch leben zu können, motiviert viele angehende Heilpraktiker (Psychotherapie), sich auf die recht anspruchsvolle Überprüfung beim Gesundheitsamt konsequent über viele Monate lang vorzubereiten.

Verstärkt wird dieser Wunsch häufig noch durch hochglänzende Werbebroschüren diverser Heilpraktikerschulen, in denen mit umfangreichen spannenden Tätigkeitsfeldern, speziell für Heilpraktiker der Psychotherapie, geworben wird.

Und auch Heilpraktiker Verbandzeitschriften, die gewöhnlich mit zahlreichen Erfolgsgeschichten von gut laufenden Psychotherapie Praxen gefüllt sind, informieren ihre Mitglieder regelmäßig über den drastischen Anstieg von psychisch Kranken auf der einen Seite und die unzumutbaren, langen Wartezeiten auf einen Therapieplatz über die gesetzliche Krankenkassen auf der anderen Seite.

Psychotherapie machen JA, selber zahlen NEIN

Bei dem einen oder anderen (unkritischen) Leser könnte da schnell der Eindruck entstehen, dass sich Heilpraktiker für Psychotherapie vor Klienten kaum retten können.

Die Realität nach meinen Erfahrungen mit Hunderten von Heilpraktikern (Psychotherapie), allein in den letzten 7 Jahren, sieht jedoch ganz anders aus.

Zwar habe ich auch HeilpraktikerInnen (Psychotherapie) kennengelernt, die sich nach einigen Jahren eine gut gehende Praxis aufgebaut haben. Diese kann ich jedoch an einer Hand abzählen.

Denn von Kollegen, Heilpraktikern (Psychotherapie) und aus eigenen Erfahrungen weiß ich, dass es für viele Menschen immer noch unvorstellbar ist, für Psychotherapie aus eigener Tasche zu zahlen.

Kostenerstattungsverfahren auch für Heilpraktiker?

Obwohl es in der Vergangenheit immer wieder Heilpraktikerschulen gab, die Seminare “Wie rechne ich über die Krankenkasse ab” angeboten haben, ist mir kein einziger Fall bekannt, dem das als Heilpraktiker für Psychotherapie tatsächlich auch gelungen wäre, von “davon leben” ganz zu schweigen.

(Nachtrag vom 07.09.14: Eine ehemalige Teilnehmerin unserer integrativen KVT Fachausbildung, aus Halle (Saale) berichtete, dass sie als Heilpraktikerin für Psychotherapie bisher bei 2 Patienten über Krankenkasse abrechnen konnte. Diese engagierte Dame zeichnete sich jedoch durch ein ungewöhnliches, aktives Dranbleiben [persönliche Kontaktaufnahme zu Ärzten, Psychotherapeuten, Krankenkassen, ...] aus. Und natürlich spielt beim Kostenerstattungsverfahren auch die geografische Lage eine nicht unerhebliche Rolle.)

Ein ehemaliger Quelle Manager, der für sein “All inclusive – rundum sorglos – Paket” einen stattlichen Beitrag bei seiner Privatkrankenversicherung zahlte, war bisher die einzige Ausnahme in meiner Praxis. Für diesen Klienten musste ich nicht mal einen Antrag schreiben :-)

Heilpraktikerinnen (Psychotherapie), die sich von dieser Situation nicht abschrecken lassen, berichten immer wieder über enorme Anstrengungen, den nervlichen und zeitlichen Aufwand (siehe auch obige Email), die ihnen der Kampf gegen die bürokratischen “Windmühlen” der (gesetzlichen) Krankenkassen kostet.

Selbst bei “unzumutbaren” Wartezeiten vergüten Krankenkassen, “zur Sicherstellung einer qualitativ hochwertigen Versorgung”, vorrangig die Leistungen Psychologischer Psychotherapeuten, die ein abgeschlossenes Psychologie Studium (univ.), eine (in der Regel 5-jährige) Psychotherapieausbildung und das erfolgreiche Bestehen der staatlichen Approbationsprüfung vorweisen können.

Jährlich kommen ca. 2000 neu approbierte Psychotherapeuten hinzu, Tendenz steigend (Offizielle Quelle: Psychotherapeutenjournal 2013-3).

Und weil die Anzahl der approbierten Psychotherapeuten die Anzahl der psychotherapeutischen Kassensitze bei weitem übertrifft, bieten approbierte Kollegen ihre Leistungen vor allem auch im Rahmen der Kostenerstattung an.

Im Monat erhalte ich beispielsweise durchschnittlich 5 Emails von approbierten Kollegen (ohne Kassensitz), die aufgrund der steigenden Therapienachfrage nach Verstärkung für ihre Privatpraxis suchen.

Zum Beispiel schreibt eine Kollegin, deren Privat- bzw. Kostenerstattungspraxis sich interessanterweise in der gleichen Stadt wie die Selbstzahler-Praxis der o. g. Heilpraktikerin für Psychotherapie befindet:

“Liebe Kolleginnen und Kollegen,

ich suche noch Verstärkung (Psychologische(r) Psychotherapeut(in) VT) für meine Privat- bzw. Kostenerstattungspraxis in … . Biete Patientenverwaltung und umfassenden Büroservice,  Intervisionsmöglichkeiten sowie freundliche helle Praxisräume. Voraussetzungen sind die Approbation, der Eintrag ins Arztregister und Spaß an der ambulanten Arbeit im Team.

Bewerbungen bitte an: … “

Den Traum von der eigenen Praxis wahr werden lassen

Weil viele Menschen häufig nicht daran gewöhnt (oder finanziell in der Lage) sind, Psychotherapie aus eigener Tasche zu bezahlen und weil das Kostenerstattungsverfahren in der Regel an Heilpraktiker (Psychotherapie) vorbeigeht, rückt der Traum von einer eigenen, gut laufenden, Psychotherapie Praxis schon bald in weite Ferne.

So habe ich festgestellt, dass der spannende Bereich um Psychologie und Psychotherapie für viele neue Heilpraktiker oftmals nichts weiter ein kostspieliges Hobby (u.a. Prüfungsvorbereitung, Überprüfungen, Weiterbildungen, Mitgliedsbeiträge, Selbsterfahrung, Supervision) bleibt.

Inzwischen kenne ich aber auch einige Heilpraktiker, die sich nach einer langen Durststrecke dazu durchgerungen haben, ihre Komfortzone zu verlassen und begeistert mit ihren ersten, regelmäßig kommenden, Klienten therapeutisch arbeiten.

Jeder dieser Menschen hatte den Mut, trotz der üblichen blockierenden Überzeugungen und Zweifel, die gewohnte Sicherheitszone dauerhaft zu verlassen.

Mit regelmäßiger Anstrengung und Selbstdisziplin haben sie es geschafft, sich einem größeren Interessentenkreis bekannt zu machen.

Können Sie als Heilpraktiker (Psychotherapie) genug Geld verdienen, um davon leben?

Das zeigt mir, dass auch Sie Ihren Traum – als Heilpraktikerin für Psychotherapie in eigener Praxis – verwirklichen können, wenn Sie dazu bereit sind, etwas anderes zu tun.

Denn wenn Sie sich – wie viele Ihrer Kollegen – durch ein schönes Praxisschild, hochglänzende Flyer und der üblichen Wohlfühl- Standard-Webseite präsentieren, dann gehen Sie in der Masse unter. Dann ist die Wahrscheinlichkeit gering, dass Sie im unüberschaubaren Psychomarkt von potenziellen Klienten wahrgenommen oder gar kontaktiert werden.

Heben Sie sich von den vielen anderen Psychotherapie Anbietern ab, indem Sie beispielsweise

  • zum Experten für ein ganz bestimmtes Gebiet werden (z.B. Prüfungsangst).
  • mit praktischen Methoden arbeiten, die nachweislich zu Ergebnissen führen.
  • das Internet nutzen, um sich bekannt zu machen (Google, YouTube).
  • andere Menschen an Ihrem Wissen kostenlos teilhaben lassen, zum Beispiel wertvolle Beiträge, Videos, Ratgeber (Inhaltsmarketing).

Dass das funktioniert, weiß ich von meiner Webseite “HeilpraktikerErfolg.de” (z. Z. 1081 Abonnenten), die jetzt gerade mal etwas über zwei Jahre online ist und von meinem YouTube Kanal “BossimKopf” mit aktuell 245.225 Videoaufrufen. [Stand: 07.09.14]

Und auch Coachees und Supervisanden zeigen mir immer wieder, dass  es nach einer arbeitsintensiven Bekanntmachungsphase des wichtigen und richtigen TUNS durchaus möglich ist, durch Psychotherapie die Miete zu bezahlen :-)

Hilfreiche Links zu weiterführenden Beiträgen finden Sie weiter unten.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska studierte Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Danach absolvierte Sie erfolgreich die 5-jährige Psychologische Psychotherapeutenausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie beim IVS Nürnberg. Nach 10-jähriger psychotherapeutischer Tätigkeit leitet sie mit Uwe Luschas die piKVT Ausbildung für (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie. Außerdem hilft sie mit ihrer Selbsthilfe-Webseite BossImKopf.de tausenden Menschen, mehr "Boss im Kopf" zu werden.

P.S.
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P.P.S.
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Kommentare

  1. Dagmar schreibt:

    Hallo Frau Luschas,

    Sie sind mein Lichtblick im Moment… ich danke Ihnen sehr. Leider höre ich allerorten (und ich spreche mit HP Psychs, die in vergleichbarer Lage eine Praxis aufgemacht haben – kann ich als Recherchemethode empfehlen!)nur ein klares: Nein, in aller Regel kann man davon nicht leben. Und wenn, dann nur wenige und die auch erst nach 5-7 Jahren.

    Nun lasse ich mich von so etwas nicht entmutigen. Erstmal, ich bin so mittel mutig und will das eben auch wirklich!!!

    Ok, wenn ich recht verstanden habe, dann sind Sie freiwillig aus diesem ganzen Kassenzirkus ausgestiegen? Und mit Gründen, die mir absolut nachvollziehbar, dennoch aber bewundernswert erscheinen?

    Und was Sie und Ihr Mann über “Werbung” schreiben, geht mir total rein. Ganz genau so muss mans machen! In meinen bisherigen Jobs hab ich für mein, nun ja, Sendungsbewusstsein oft Gegenwind bekommen (auch die Bildungsbranche ist in Sachen einstellungsmäßig wie praktisch eher konservativ).

    Aber mir fehlt noch der letzte verbindende Link: Sie sagen also, wenn man erstens gut ist, zweitens in Sachen Werbung und Bekanntmachung neue Wege nutzt und drittens Erkennbar für die Zielgruppen wird, dann hat man eine ziemlich gute Chance? Mir gehts da nicht um Garantien, sondern darum, das Risiko für mich ganz persönlich zu erfühlen und dann entscheiden zu können.

    Wie soll ich anders fragen, hmmm: Es liegt eine leere HP – Psych- Praxis also weniger an der Kassenproblematik, als es mir im Augenblick subjektiv erscheint und mehr an den oben genannten drei Punkten…? Wenn Sie dazu “JA” sagen, muss ich umdenken – und Umdenken ist super!

    Lieben Gruß, Dagmar

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Dagmar,

      auf ihre Frage nach einem “letzten verbindenden Link” kann ich im Rahmen eines Kommentars nicht weiter eingehen.

      Denn es spielen auch noch andere Faktoren wie z.B. Ihre Kreativität, Ihre Persönlichkeit, die Qualität und Regelmäßigkeit Ihrer Inhalte, Ihr Ranking auf Google oder Youtube, der rechtliche Hintergrund, Ihr Wissen, Ihre Erfahrungen, Ihre eigenen Lösungsstrategien usw. eine Rolle.

      Letztendlich müssen Sie für sich selbst entscheiden, ob Sie das Risiko eingehen wollen, was jede Selbständigkeit mit sich bringt.

      Ich drücke Ihnen auf jeden Fall die Daumen :-)

      Grüße aus dem schönen Fürth

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