Welches Psychotherapieverfahren bei welcher psychischen Störung Anwendung findet

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“Sehr geehrte Frau Luschas,

aktuell stehe ich 8 Wochen vor der Prüfung zur Heilpraktikerin für Psychotherapie.

Ich bin mit Ihrem Vorbereitungskurs sehr weit gekommen und habe auf diese Weise immer wieder einen Leitfaden.

Was mich jetzt, wo ich nahezu alle Störungsbilder durchgearbeitet habe, beschäftigt, ist die Zuordnung der Therapieverfahren. Welche Therapie ist effektiv bei welchen psychischen Erkrankungen. Hier bin ich unsicher und würde gerne einen Rat bei Ihnen einholen, um dieser Unsicherheit entgegenzuwirken.

Über eine Nachricht würde ich mich sehr freuen.

Mit freundlichen Grüßen / Best Regards”

Diese Frage stellte mir eine Teilnehmerin des Orientierungspakets zur Vorbereitung auf die schriftliche HPP Prüfung vor zwei Tagen in einer E-Mail.

Warum die eindeutige Zuordnung einer Psychotherapie zu einer psychischen Störung wenig praxistauglich ist

Dass die Verhaltenstherapie mit den Expositionsverfahren bei Angststörungen indiziert ist, wissen wahrscheinlich die meisten angehenden Heilpraktiker für Psychotherapie.

Bei komplexen Störungen wie zum Beispiel Süchten, Essstörungen, Persönlichkeitsstörungen oder chronischen Depressionen ist die Zuordnung zu einem speziellen Psychotherapieverfahrens hingegen weniger eindeutig und auch nicht immer sinnvoll.

Denn hier greifen  (v.a. auch im stationären Rahmen) verschiedene Therapieansätze ineinander (integrativer Ansatz: verhaltenstherapeutische, kognitive, interpersonelle oder familientherapeutische Methoden).

Beispiele sind die Schematherapie nach J. Young, die dialektisch-behaviorale Therapie (DBT) nach M. Linehan oder das kognitiv-verhaltensanalytisches System der Psychotherapie (CBASP) nach McCullough.

Umgekehrt gibt es Psychotherapiemethoden, wie das Eye Movement Desensitization and Reprocessing (EMDR), was bei verschiedenen psychischen Störungen, wie Angst- und Panikstörungen, PTBS oder chronischen Schmerzen eingesetzt werden kann.

Nach meinen Beobachtungen in den letzten Jahren, arbeiten viele Psychotherapeuten in eigener Praxis erfolgreich mit Methoden aus verschiedenen Therapierichtungen, wie der Kognitiven Verhaltenstherapie (u.a. Kognitive Umstrukturierung, Expositionstraining), Tiefenpsychologisch fundierten Psychotherapie (Übertragung, Gegenübertragung, Grundkonflikte) oder der Systemischen Therapie (Paradoxe Intervention, Zirkuläres Fragen).

Gerade bei komplexen psychischen Störungen kann eine integrative Vorgehensweise aus den verschiedenen Psychotherapien durchaus sinnvoll und hilfreich sein.

Die wichtigsten etablierten Psychotherapieverfahren zusammengefasst nach Möller, Laux & Deister

Einen groben Überblick über die wichtigsten Psychothreapieverfahren können Sie beispielsweise im Lehrbuch Psychiatrie, Psychosomatik und Psychotherapie von Möller, Laux und Deister (5. Auflage), vom Thieme Verlag, finden.

Diese tabellarische Darstellung stellt die wichtigsten Grundlagen, die Therapeutenhaltung, Indikationen, Behandlungsziele und Behandlungsdauer in vereinfachter Form gegenüber.

 

klassische Psychoanalyse

Verhaltenstherapie

Gesprächs-psychotherapie

Kriseninter-vention

Grundlagen, Methoden, Technik

Bewusstmachung und Bearbeitung unbewussten, verdrängten Materials

Nacherleben (früh-)kindlicher Träume

 „beobachtbares Verhalten“ Anwendung lern- / experimental-psychologischer Gesetze; „Verlernen“ falscher, Erlernen neuer Verhaltensmuster

emotionale persönliche Defizite; „Selbst-verwirklichung“ Verbalisierung von Gefühlen

unter-schiedlich (tiefen-psycho-logisch,

verhaltens-orientiert)

 

 

vergangenheits-orientiert

gegenwartsbezogen

 

„hier u. jetzt“ (gegenwarts-orientiert)

Aktivität des Therapeuten

„abstinent / neutral-indifferent“ (minimal)

psychoedukativ (groß)

„non-direktiv“ (mittel)

direkt-aktiv, beratend, unterstützend-supportiv (groß)

Hauptindi-kationen

„Neurosen“ Persönlichkeits-störungen

Phobien Depressionen Zwangsstörungen

Neurosen psychoso-matische Störungen

aktuelle Lebenskrisen

Konflikt-reaktionen

Behandlungs- ziele

Aufarbeitung intrapsychischer Konflikte („wo Es war, soll Ich werden“); Erkennen unbewusster Motive, Neustruktu-rierung der Persönlichkeit

Symptomreduktion/  -beseitigung Selbstkontrolle Kompetenztraining

Aufbau, Findung, Stabilisierung der eigenen Persönlichkeit

Lösung / Reduktion der aktuellen Krise

Durch-schnittliche Behand-lungsdauer

Jahre

Monate

Monate

Wochen

Welche Psychotherapieverfahren für welche Anwendungsbereiche wissenschaftlich anerkannt werden

Der wissenschaftliche Beirat Psychotherapie, dessen Aufgabe die gutachterliche Beratung von Behörden bei der wissenschaftlichen Anerkennung von einzelnen psychotherapeutischen Verfahren ist, erkennt die nachfolgenden 8 Psychotherapieverfahren für die folgenden psychischen Störungen wissenschaftlich an [Stand: 16.08.2015].

Die Ergebnisse habe ich hier für Sie in übersichtlicher Tabellenform zusammengefasst.

Die wissenschaftliche Anerkennung dieser Psychotherapieverfahren bei Kindern und Jugendlichen finden Sie auf der Homepage des wissenschaftlichen Beirats Psychotherapie.

 

ICD-10

EMDR

 

Ge- sprächs- PT

Hypno-therapie

Inter-personelle PT

Neuro- psycholo-gische Therapie

Psycho-dynamische PT

Syste-mische Therapie

VT bzw. KVT

F0

 

 

 

 

x

 

 

 

F1

 

 

x

 

 

x

x

x

F2

 

 

 

 

 

x

x

x

F3

 

x

 

x

 

x

x

x

F40      bis      F42

 

x

 

 

 

x

 

x

F43

 

x

 

 

 

x

 

x

F43.1

x

 

 

 

 

 

 

 

F44    F45    F48

 

 

 

 

 

x

 

x

F50

 

 

 

x

 

x

x

x

F5

 

 

 

 

 

 

 

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F54

 

x

x

 

 

x

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F55

 

 

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F6

 

 

 

 

 

x

 

x

 

Die rechtlichen Hinweise, denn 100%ige Sicherheit gibt es nicht

  • Der Inhalt dieses Beitrags ist ausschließlich für Lehrzwecke bestimmt.
  • Die Daten sind nach besten Wissen und Gewissen, basierend auf den genannten Quellen erstellt worden.
  • Es wird keine Haftung für Richtigkeit, Aktualität, Vollständigkeit und/oder Folgeschäden übernommen.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska studierte Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Danach absolvierte Sie erfolgreich die 5-jährige Psychologische Psychotherapeutenausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie beim IVS Nürnberg. Nach 10-jähriger psychotherapeutischer Tätigkeit leitet sie mit Uwe Luschas die piKVT Ausbildung für (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie. Außerdem hilft sie mit ihrer Selbsthilfe-Webseite BossImKopf.de tausenden Menschen, mehr "Boss im Kopf" zu werden.

P.S.
Im Kommentarbereich, weiter unten, können Sie auch Ihre Fragen, Hinweise und Erfahrungsberichte hinterlassen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

P.P.S.
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Kommentare

  1. Maik schreibt:

    Mein Kompliment, mal wieder eine sehr anschauliche und verständliche Übersicht zu der Fragestellung.

    • Franziska Luschas schreibt:

      Danke :-)