Wie Sie automatische Gedanken in der Kognitiven Verhaltenstherapie erfragen

HeilpraktikerErfolg Mitgliedschaft - Weniger Theorie - Mehr Wissen - LuschasUnsere Gedanken begleiten uns auf Schritt und Tritt und wegen ihnen fühlen wir uns oftmals gut oder schlecht.

Beispiele für weniger nützliche Gedanken:

  • “Ich brauche viel zu lange zum Lernen.”
  • “Ich weiß nicht genug.”
  • “Andere wissen viel mehr als ich.”
  • “Das ist zu schwer, das verstehe ich nie.”
  • “Ich bin wie blockiert.”
  • “Wenn ich nicht alles weiß, dann falle ich durch.”
  • “Ich bin total unsicher.”

Angenommen, Sie bereiten sich gerade auf die Überprüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie oder auf eine andere wichtige Prüfung vor.

Und während des Lernens kommen Ihnen immer wieder solche Gedanken hoch. Was glauben Sie, wie Sie sich fühlen? Wie geht es Ihnen? Was machen Sie?

Die 47-jährige Einzelhandelskauffrau, die ich über Skype coache, seufzt und erwidert niedergeschlagen: “Das macht mich hilflos. Das fühlt sich an wie Matsch in meinem Kopf und dann geht nichts mehr.”.

So wie Sie denken, so fühlen Sie sich

Vielleicht wissen Sie aus der wissenschaftlich fundierten Kognitiven Verhaltenstherapie (KVT), dass unser Denken unser Fühlen (auch unser Verhalten) beeinflusst. Oder vereinfacht ausgedrückt, “Wie wir das Leben sehen, so ist es.”

Aber das gilt nicht nur für eine Richtung (= linear), sondern unsere Gefühle (Verhalten) wirken genauso auf unsere Gedanken zurück und verstärken diese oftmals noch (= wechselseitig). 

Für viele Patienten ist es jedoch einfacher, Ihre Gedanken zu verändern als direkt bei Ihren (intensiven, negativen) Gefühlen anzusetzen.

Das zentrale Ziel der Kognitiven (Verhaltens-) Therapie besteht also darin, unsere gewohnten selbstschädigenden Überzeugungen durch hilfreichere Sichtweisen zu ersetzen (= Kognitive Umstrukturierung).

Vereinfacht läuft die Kognitive Umstrukturierung in 3 Schritten ab:

  1. Der Patient erkennt seine stresserzeugenden (dysfunktionalen) Gedanken.
  2. Er überprüft, ob diese Gedanken realistisch und nützlich sind.
  3. Er erarbeitet hilfreichere, zielführendere Gedanken und übt sie in seinen Alltag ein.

Bevor Sie als Therapeutin mit der eigentlichen “Restrukturierung” der symptomauslösenden Gedanken Ihrer Klientin beginnen können, müssen sie die zu bearbeitenden Gedanken (automatischen Gedanken) jedoch erst identifizieren.

Deshalb ist es sinnvoll, wenn Sie sich mit den wichtigsten Merkmalen von automatischen Gedanken vertraut machen.

Was sind automatische Gedanken?

Die eingangs beschriebenen Gedanken werden in der KVT auch als “automatische Gedanken” bezeichnet. Automatisch deshalb, weil wir diese Gedanken bereits so oft gedacht haben, dass sie sich praktisch wie von selbst denken.

Damit Sie Ihre eigenen und die automatischen Gedanken Ihrer Klienten besser erkennen können, ist es günstig zu wissen, was automatische Gedanken eigentlich sind:

  • Bei automatischen Gedanken handelt es sich beispielsweise um Wörter, Bilder (Vorstellungen), Sätze, die einer Person durch den Kopf gehen.
  • Automatische Gedanken werden häufig durch ein inneres (intern: z.B. Körperwahrnehmung) oder äußeres Ereignis (extern: z.B. Lernen mit der Lerngruppe) ausgelöst.
  • Sie beziehen sich also in der Regel auf bestimmte Situation, wie z.B. Lesen eines Buchs für die Vorbereitung zum Heilpraktiker Psychotherapie.
  • Automatische Gedanken sind Kognitionen, die sich unfreiwillig einstellen (aufdrängend), schnell ablaufen oder blitzartig auftreten (= automatisch).
  • Automatische Gedanken sind für die Person, die sie in diesem Moment denkt, logisch und fühlen sich richtig an, auch wenn dieses Denken für andere Menschen nicht unbedingt nachvollziehbar oder vernünftig ist.
  • Automatische Gedanken ziehen entsprechende Emotionen und bestimmtes Verhalten nach sich.
  • Automatische Gedanken sind dem Klienten meist zu Beginn einer Therapie nicht bewusst, können jedoch durch entsprechende Fragen relativ leicht bewusst gemacht werden.

Wie Sie automatische Gedanken bewusst machen

Die Einzelhandelskauffrau im obigen Praxisbeispiel fühlt sich häufig unsicher, hilflos und wie blockiert. Deshalb hat sie große Zweifel, ob sie zur schriftliche Überprüfung zum Heilpraktiker (Psychotherapie) antreten soll.

Als Therapeutin interessiert Sie besonders, wann es Ihrer Klientin üblicherweise am schlechtesten geht, v.a. in welchen Situationen und/oder zu welchen Tageszeiten (siehe auch SORKC-Schema).

Beispielsweise fühlt sich die 47-Jährige sehr unsicher, wenn sie beim Lernen ist (externer Auslöser) oder wenn sie an die bevorstehende Prüfung (interner Auslöser) denkt.

Nun wollen Sie wissen, wie es zu diesem blockierenden  Gefühl der Unsicherheit bei Ihrer Klientin gekommen ist.

Sie erfragen also die automatischen Gedanken.

Die Schlüsselfrage in diesem Fall lautet:

“Was ging Ihnen in dieser Situation durch den Kopf?

Gibt es bestimmte Gedanken und/oder Vorstellungen, die Sie dann haben?”

Weitere Fragen zur Aufdeckung automatischer Gedanken können sein:

  • Was glauben Sie, woran Sie gedacht haben?
  • Welche Bedeutung hatte diese Situation für Sie?
  • Was haben Sie in diesem Moment zu sich selbst gesagt? Welches innere Selbstgespräch lief in Ihnen ab?
  • Welche Vorstellungen/Befürchtungen hatten Sie in dem Moment?

Probleme beim Ermitteln von automatischen Gedanken

Manchen Menschen fällt es schwerer als anderen, ihre Gedanken wahrzunehmen und auszudrücken.

In solchen Fällen ist es wichtig, dass der Therapeut dem Klienten das Kognitive Modell nochmals einfach und praxisnah vermittelt.

Sie können Ihrer Klientin auch auf die Sprünge helfen, indem:

  • Sie ihr eine problematische Situation beschreiben lassen und ihr die Frage stellen: “Was ist Ihnen in diesem Moment durch den Kopf gegangen?”.
  • Sie sie auffordern, sich noch einmal konkret in die Situation zurückzuversetzen und diese genau zu beschreiben.
  • sie in einem Rollenspiel die problematische Situation sehr detailliert und realitätsnah nachspielt.
  • sie die Aufgabe erhält, ihr inneres Selbstgespräch in problematischen Alltagssituationen zu beobachten und mit Hilfe des ABC-Schema zu notieren.
  • Sie ihr vorsichtig Hypothesen anbieten, wie zum Beispiel: “Einer Dame hat sich beim Lernen ähnlich hilflos gefühlt wie Sie, weil sie gedacht hat, dass sie nicht genug weiß. Klingt Ihnen das vertraut? Könnten Sie etwas in der Art gedacht haben/denken?” 

Buchempfehlungen zur Kognitiven Umstrukturierung

  • Beck, J. (2013). Praxis der Kognitiven Verhaltenstherapie: Mit Online-Materialien. Beltz.
  • Hautzinger, M. (2010). Kognitive Therapie der Depression. Beltz.
  • Wilken, B. (2012). Methoden der Kognitiven Umstrukturierung: Ein Leitfaden für die psychotherapeutische Praxis. Kohlhammer.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska studierte Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Danach absolvierte Sie erfolgreich die 5-jährige Psychologische Psychotherapeutenausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie beim IVS Nürnberg. Nach 10-jähriger psychotherapeutischer Tätigkeit leitet sie mit Uwe Luschas die piKVT Ausbildung für (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie. Außerdem hilft sie mit ihrer Selbsthilfe-Webseite BossImKopf.de tausenden Menschen, mehr "Boss im Kopf" zu werden.

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P.P.S.
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Kommentare

  1. Vitaliy schreibt:

    Liebe Franziska,

    vielen Dank für deinen hilfreichen Beitrag!!!

    LG
    Vitaliy

    • Franziska Luschas schreibt:

      Gerne :-)

  2. Gabi schreibt:

    Liebe Franziska,

    ich möchte dir mitteilen, wie unendlich dankbar ich für deine Beiträge bin. Jeder Newsletter von dir bringt mich ein Stückchen weiter. Ich muss nicht erst viele Kilometer nach Nürnberg oder Fürth fahren und kann trotzdem mein Wissen erweitern. Vielen lieben Dank für deine kostenlosen Beiträge, das Universum wird dir mit Sicherheit das zurückgeben was du für andere tust.

    Viele liebe Grüße
    Gabi

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Gabi,

      danke für deinen Kommentar.

      Ich freue mich, dass du diese Plattform für Heilpraktiker (Psychotherapie) so begeistert nutzt.

      Viele Heilpraktiker für Psychotherapie suchen oftmals vergeblich nach einer ergebnisorientierten und auf die Selbstzahlerpraxis zugeschnittene KVT Weiterbildung.

      Ich erlebe auch immer mehr Therapeuten und auch Berater, die die Kognitive Verhaltenstherapie lernen möchten oder bereits KVT Elemente, wie das Problemlösetraining oder die Kognitive Umstrukturierung, erfolgreich bei ihren Klienten anwenden.

      Aus diesem Grund teile ich mein Wissen, meine Erfahrungen und meine Lösungsstrategien gerne mit Menschen, die an ein bewährtes Therapie bzw. Coaching Werkzeug interessiert sind.

      Danke für dein Feedback und viel Erfolg bei der Arbeit mit deinen Klienten :-)

      Herzliche Grüße

      Franziska