Schriftliche HPP Prüfung: Kein Ritalin wegen Suchtrisiko bei ADHS-Patienten?

von  Franziska Luschas
HPE Prüfungswissen - Schwarz Weiß

Hier gebe ich Ihnen einen Hinweis zur Frage 20 aus der schriftlichen HP Psych. Prüfung März 2009

Wegen des erhöhten Suchtrisikos sollte bei ADHS-Patienten Stimulantien, bei denen die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung besteht, nicht eingesetzt werden

Auch wenn diese Aussage zunächst für die Meisten erstmal Sinn macht, ist sie falsch!

Warum?

Bei einer ausgeprägten ADHS Symptomatik steht die medikamentöse Behandlung mit Ritalin, als ein Amphetaminabkömmling, an erster Stelle innerhalb eines mehrdimensionalen Therapieansatzes. In Deutschland ist der zugrundeliegende Wirkstoff Methylphenidat als verkehrs- und verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft.

Laut Studien wirkt Ritalin jedoch bei Menschen mit ADHS teilweise paradox und nicht wie üblich. Beispielsweise kommt es zu einer Besserung von motorischer Unruhe, Konzentrationsvermögen und gezielter Aufmerksamkeit.

In einer Stellungnahme der Bundesärztekammer (2007) zur Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) steht: “Das mögliche Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial von MPH wurde immer wieder diskutiert; bei korrekter Indikationsstellung und sachgerechter Anwendung scheint kein erhöhtes Missbrauchs- oder Abhängigkeitsrisiko zu bestehen.”

Einige Studien haben auch ergeben, dass die Einnahme von Ritalin bei ADHS Kindern und Jugendlichen im späteren Leben zu einer verminderten Suchtgefahr geführt hat.

Das macht insofern Sinn, wenn Sie sich die Symptomatik zu den hyperkinetischen Störungen, in der ICD-10 unter F90 näher ansehen, u.a. exzessive Ruhelosigkeit, hohe Impulsivität, Lernstörungen, hohe Ablenkbarkeit oder geringe Ausdauer.

Darunter leidet natürlich das Selbstwertgefühl und Patienten mit ADHS verhalten sich häufig außerhalb der sozialen Norm und haben deshalb auch oft soziale Schwierigkeiten.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Nachdem Franziska den Diplomstudiengang Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg und die 5-jährige Psychologische Psychotherapeuten Ausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie beim IVS Nürnberg erfolgreich abgeschlossen hatte, war sie bis 2017 in eigener Praxis tätig. Jetzt bildet sie (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie in Kognitiver Verhaltenstherapie aus. Und sie hilft mit ihrer Bossimkopf Webseite und ihrem Bossimkopf Youtubekanal vielen Menschen, erfolgreich mehr Boss im Kopf zu werden.

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Kommentare

  1. Karin schreibt:

    Hallo Franziska, mir ist Frage 20, Aussage 4 nicht klar: Ritalin ist lt. Forschung/Studien nicht mit Abhängigkeit verbunden und wird mit Erfolg bei ADHS verabreicht. Soweit kapiert. Die Frage betrifft aber ganz klar den Einsatz von Stimulantien MIT Abhängigkeitsentwicklung – die m.M. wegen der erhöhten Suchtgefahr nicht verabreicht werden sollten. Insofern wäre die Aussage doch richtig, oder? LG Karin

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Karin,

      meines Wissens nach gibt es keine Studie die eine Abhängigkeit noch eine Nicht-Abhängigkeit zweifelsfrei bestätigt.

      Oder anders formuliert: Wir wissen nicht genau, nach welchen Informationen sich der Fragensteller damals orientiert hat. Zudem ist die Frage meines Erachtens auch etwas schwammig formuliert.

      Behalten Sie im Hinterkopf, dass diese Prüfung schon vor fast 9 Jahren gestellt wurde. In der Zwischenzeit kann sich bei diesem Themenbereich schon vieles verändert haben.

      Viele Grüße aus dem schönen Fürth

  2. Isabella schreibt:

    Vielen herzlichen Dank! Ihr Onlinepaket ist das Beste was mir zur Vorbereitung auf die Prüfung passieren konnte. VG Isabella

  3. Isabella schreibt:

    Hallo Frau Luschas, die Frage 26 in der Prüfung März 2009 löst bei mir etwas Verwirrung aus. Der Grund ist die Antwortmöglichkeit Nr. 3. Die Fragestellung lautet wie folgt: Typische körperliche Symptome einer depressiven Episode sind: 1.Libidoverlust, 2.Schlafstörungen, 3. Suizidgedanken, 4.Appetitlosigkeit, 5. Fieber. Laut Ihrem Video sind nur 1,2,und 4 richtig. Aber in der ICD10 unter F32 sind Suizidgedanken unter “andere häufige Symptome” aufgeführt. Gut, es wurde nach den “typischen” Symptomen gefragt, aber wenn man nach ICD 10 geht sind genaugenommen nur gedrückte Stimmung, Interessenverlust/Freudlosigkeit, Verminderung des Antriebs/erhöhte Ermüdbarkeit “typische Symptome”. Verminderter Appetit Beispielsweise findet sich auch unter den “anderen häufigen Symptomen”. Warum ist dann die Nr3 Suizidgedanken nicht richtig? Liegt es an dem Ausdruck “körperliche” Symptome?? Vielen Dank, dass Sie Klarheit hier reinbringen. VLG Isabella

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Isabella,

      ja, Sie habe Ihre Frage zum Schluss schon selbst beantwortet :-)

      Es ging in der Frage 26, schriftliche Prüfung März 2009, nur um die körperlichen Symptome.

      Ein Gedanke, auch ein Suizidgedanke, ist kein körperliches Symptom. Deshalb sind die Antworten 1, 2, und 4 richtig.

      Viele Grüße aus dem schönen Fürth

  4. Dieter schreibt:

    Vor 10 Jahren hätte ich das auch so beantwortet, dass Ritalin bei ADHS das Suchtrisiko erhöhen würde. Im Rahmen langjähriger Tätigkeit im Suchtbereich stehe ich der Anwendung von Amphetaminen weiterhin zurückhaltend gegenüber, würde die Anwendung aber nicht grundsätzlich ausschließen. Interessanterweise scheint auch das Vorliegen von ADHS auch zu einer Anhängigkeitsentwicklung zu prädisponieren. Bei etlichen Menschen mit ADHS tritt unter Amphetaminen tatsächlich eine Besserung ein. Allerdings halte ich es für verfehlt, dass ADHS n u r mit Amphetaminen behandelt wird. Es gehören weitere Maßnahmen m. E. zwingend dazu wie z. B. Ergotherapie, Erlebnispädagogik, psychotheraeutische Maßnahmen usw. Die Monotherapie ist abzulehnen.

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Dieter,

      Danke für Ihren wertvollen Beitrag.

      Ihre Erfahrungen kann ich nur bestätigen. Gerade in der klinischen Psychologie und Psychotherapie ist ein Sowohl-als-auch Ansatz realistischer und angebrachter als ein Entweder-Oder oder bzw. Schwarz-Weiß Denken.

      Und gerade bei einer komplexen Störung, wie beispielsweise ADHS sollte auch ein multimodales Vorgehen angestrebt werden.

      Viele Grüße