Heilpraktiker Psychotherapie Prüfung: Kein Ritalin wegen Suchtrisiko bei ADHS-Patienten

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Nach meinen Erfahrungen mit vielen Kursteilnehmern in den letzten Jahren ist mir immer wieder aufgefallen, dass WAS Wissen (also reines inhaltliches Lehrbuchwissen) in aller Regel nicht ausreicht, um die mitunter anspruchsvolle Prüfung zum Heilpraktiker Psychotherapie erfolgreich zu bestehen.

Sie sollten vor allem auch in der Lage sein, wichtige Zusammenhänge zwischen den einzelnen Lernthemen zu erkennen und so zu verknüpfen, dass Sie Ihr Wissen auch anhand eines komplexen Fallbeispiels anwenden (= Transfer- bzw. Anwendungswissen) können.

Mit reinem Auswendiglernen kommen Sie da erfahrungsgemäß nicht weit …

Aus diesem Grund habe ich diejenigen Original Prüfungsfragen verständlich und praxisnah erklärt,  bei denen viele angehende Heilpraktiker für Psychotherapie, in ihrer Vorbereitung zur schriftlichen Überprüfung, die meisten Schwierigkeiten berichteten. 

Ausgewählte Fragen aus der schriftlichen Heilpraktikerprüfung Psychotherapie März 2009 (A)

Zu den Prüfungsfragen 5, 10, 12, 14, 20 und 26 gebe ich praktische Hinweise und wertvolle Tipps zum systematischen Beantworten.

Dabei handelt es sich um die folgenden Lernthemen:

  • phobische Störungen nach ICD-10
  • diagnostische Kriterien (nach ICD-10) für eine depressive Episode
  • Zwangsstörungen
  • Agoraphobie
  • ADHS
  • typische körperliche Symptome bei einer depressiven Episode

Frage 20: Wegen des erhöhten Suchtrisikos sollte bei ADHS-Patienten Stimulantien, bei denen die Gefahr einer Abhängigkeitsentwicklung besteht, nicht eingesetzt werden

Auch wenn diese Aussage zunächst für die Meisten erstmal Sinn macht, ist sie falsch! Warum?

Bei einer ausgeprägten ADHS Symptomatik steht die medikamentöse Behandlung mit Ritalin, als ein Amphetaminabkömmling, an erster Stelle innerhalb eines mehrdimensionalen Therapieansatzes. In Deutschland ist der zugrundeliegende Wirkstoff Methylphenidat als verkehrs- und verschreibungsfähiges Betäubungsmittel eingestuft.

Laut Studien wirkt Ritalin jedoch bei Menschen mit ADHS teilweise paradox und nicht wie üblich. Beispielsweise kommt es zu einer Besserung von motorischer Unruhe, Konzentrationsvermögen und gezielter Aufmerksamkeit. 

In einer Stellungnahme der Bundesärztekammer (2007) zur Aufmerksamkeitsdefizit- / Hyperaktivitätsstörung (ADHS) steht: “Das mögliche Missbrauchs- oder Abhängigkeitspotenzial von MPH wurde immer wieder diskutiert; bei korrekter Indikationsstellung und sachgerechter Anwendung scheint kein erhöhtes Missbrauchs- oder Abhängigkeitsrisiko zu bestehen.”

Einige Studien haben auch ergeben, dass die Einnahme von Ritalin bei ADHS Kindern und Jugendlichen im späteren Leben zu einer verminderten Suchtgefahr geführt hat.

Das macht insofern Sinn, wenn Sie sich die Symptomatik zu den hyperkinetischen Störungen, in der ICD-10 unter F90 näher ansehen, u.a. exzessive Ruhelosigkeit, hohe Impulsivität, Lernstörungen, hohe Ablenkbarkeit oder geringe Ausdauer. Darunter leidet natürlich das Selbstwertgefühl und Patienten mit ADHS verhalten sich häufig dissozial und haben häufig soziale Schwierigkeiten.

Viele Menschen mit dieser Störung wollen einfach “nur ihre Ruhe haben” bzw. “mal wieder runterfahren” und greifen daher vermehrt zu Drogen.

Mein Hinweis für HeilpraktikerErfolg Leser

Weitergehende Informationen in Form von HP Psych. Prüfungswissen, Trainingsvideos, Mindmaps oder Handouts (PDF Dateien) stehen Ihnen ab hier als Teilnehmer unserer günstigen Onlinekurse zur Verfügung.

Wenn Sie die Inhalte hier nicht sehen, dann sind Sie entweder nicht angemeldet, nicht mehr angemeldet oder keine Onlinekurs Teilnehmerin.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska studierte Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Danach absolvierte Sie erfolgreich die 5-jährige Psychologische Psychotherapeutenausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie beim IVS Nürnberg. Nach 10-jähriger psychotherapeutischer Tätigkeit leitet sie mit Uwe Luschas die piKVT Ausbildung für (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie. Außerdem hilft sie mit ihrer Selbsthilfe-Webseite BossImKopf.de tausenden Menschen, mehr "Boss im Kopf" zu werden.

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Im Kommentarbereich, weiter unten, können Sie auch Ihre Fragen, Hinweise und Erfahrungsberichte hinterlassen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

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Kommentare

  1. Karin schreibt:

    Hallo Franziska, mir ist Frage 20, Aussage 4 nicht klar: Ritalin ist lt. Forschung/Studien nicht mit Abhängigkeit verbunden und wird mit Erfolg bei ADHS verabreicht. Soweit kapiert. Die Frage betrifft aber ganz klar den Einsatz von Stimulantien MIT Abhängigkeitsentwicklung – die m.M. wegen der erhöhten Suchtgefahr nicht verabreicht werden sollten. Insofern wäre die Aussage doch richtig, oder? LG Karin

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Karin,

      meines Wissens nach gibt es keine Studie die eine Abhängigkeit noch eine Nicht-Abhängigkeit zweifelsfrei bestätigt.

      Oder anders formuliert: Wir wissen nicht genau, nach welchen Informationen sich der Fragensteller damals orientiert hat. Zudem ist die Frage meines Erachtens auch etwas schwammig formuliert.

      Behalten Sie im Hinterkopf, dass diese Prüfung schon vor fast 9 Jahren gestellt wurde. In der Zwischenzeit kann sich bei diesem Themenbereich schon vieles verändert haben.

      Viele Grüße aus dem schönen Fürth

  2. Isabella schreibt:

    Vielen herzlichen Dank! Ihr Onlinepaket ist das Beste was mir zur Vorbereitung auf die Prüfung passieren konnte. VG Isabella

  3. Isabella schreibt:

    Hallo Frau Luschas, die Frage 26 in der Prüfung März 2009 löst bei mir etwas Verwirrung aus. Der Grund ist die Antwortmöglichkeit Nr. 3. Die Fragestellung lautet wie folgt: Typische körperliche Symptome einer depressiven Episode sind: 1.Libidoverlust, 2.Schlafstörungen, 3. Suizidgedanken, 4.Appetitlosigkeit, 5. Fieber. Laut Ihrem Video sind nur 1,2,und 4 richtig. Aber in der ICD10 unter F32 sind Suizidgedanken unter “andere häufige Symptome” aufgeführt. Gut, es wurde nach den “typischen” Symptomen gefragt, aber wenn man nach ICD 10 geht sind genaugenommen nur gedrückte Stimmung, Interessenverlust/Freudlosigkeit, Verminderung des Antriebs/erhöhte Ermüdbarkeit “typische Symptome”. Verminderter Appetit Beispielsweise findet sich auch unter den “anderen häufigen Symptomen”. Warum ist dann die Nr3 Suizidgedanken nicht richtig? Liegt es an dem Ausdruck “körperliche” Symptome?? Vielen Dank, dass Sie Klarheit hier reinbringen. VLG Isabella

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Isabella,

      ja, Sie habe Ihre Frage zum Schluss schon selbst beantwortet :-)

      Es ging in der Frage 26, schriftliche Prüfung März 2009, nur um die körperlichen Symptome.

      Ein Gedanke, auch ein Suizidgedanke, ist kein körperliches Symptom. Deshalb sind die Antworten 1, 2, und 4 richtig.

      Viele Grüße aus dem schönen Fürth

  4. Dieter schreibt:

    Vor 10 Jahren hätte ich das auch so beantwortet, dass Ritalin bei ADHS das Suchtrisiko erhöhen würde. Im Rahmen langjähriger Tätigkeit im Suchtbereich stehe ich der Anwendung von Amphetaminen weiterhin zurückhaltend gegenüber, würde die Anwendung aber nicht grundsätzlich ausschließen. Interessanterweise scheint auch das Vorliegen von ADHS auch zu einer Anhängigkeitsentwicklung zu prädisponieren. Bei etlichen Menschen mit ADHS tritt unter Amphetaminen tatsächlich eine Besserung ein. Allerdings halte ich es für verfehlt, dass ADHS n u r mit Amphetaminen behandelt wird. Es gehören weitere Maßnahmen m. E. zwingend dazu wie z. B. Ergotherapie, Erlebnispädagogik, psychotheraeutische Maßnahmen usw. Die Monotherapie ist abzulehnen.

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Dieter,

      Danke für Ihren wertvollen Beitrag.

      Ihre Erfahrungen kann ich nur bestätigen. Gerade in der klinischen Psychologie und Psychotherapie ist ein Sowohl-als-auch Ansatz realistischer und angebrachter als ein Entweder-Oder oder bzw. Schwarz-Weiß Denken.

      Und gerade bei einer komplexen Störung, wie beispielsweise ADHS sollte auch ein multimodales Vorgehen angestrebt werden.

      Viele Grüße