Mündliche Heilpraktiker Psychotherapie Prüfung: Psychiatrische Notfälle im Überblick

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Da Sie als Heilpraktiker (Psychotherapie) “keine Gefahr für die Volksgesundheit” darstellen sollen, ist die Wahrscheinlichkeit hoch, dass Sie in der mündlichen Überprüfung auch nach (psychiatrischen) Notfällen gefragt werden.

Wichtig ist, dass Sie erkennen, wenn ein solcher Notfall vorliegt, damit Sie unverzüglich entsprechende Schritte in die Wege leiten (bzw. im Rahmen Ihrer Möglichkeiten) reagieren können.

Denn ein psychiatrischer Notfall erfordert in der Regel ein sofortiges und gezieltes Handeln, um eine Gefahr für die Gesundheit des Patienten und evtl. anderer Personen abzuwenden.

Welche psychiatrischen Notfälle kennen Sie?

Nach meinen Erfahrungen ist das eine häufig gestellte Frage in der mündlichen Überprüfung.

Zu den wichtigsten psychiatrischen Notfällen zählen beispielsweise:

  • Erregungszustände
  • akute Suizidalität
  • Angst- und Panikstörungen (z.B. Hyperventilation)
  • Bewusstseinsstörungen/Delir, Stupor, Katatonie
  • Drogennotfälle
  • (psycho-)pharmakainduzierte Notfälle.

Wie häufig kommen psychiatrische Notfälle vor?

Danach wird in der mündlichen Prüfung – soweit ich weiß – weniger häufig gefragt.

Dennoch könnten diese Zahlen, und vor allem die tendenzielle Entwicklung psychiatrischer Notfälle, für (angehende) Heilpraktiker der Psychotherapie interessant sein.

Die meisten psychiatrischen Notfälle und Krisen entwickeln sich außerhalb klinischer Institutionen.

Mit einer Häufigkeit von 9-16 % gehören Sie zu den häufigsten Einsatzursachen  – mit steigender Tendenz – im Notarzt- und Rettungsdienst:

  • Alkoholintoxikationen (ca. 20-30 %)
  • Erregungszustände (ca. 15-25 %)
  • Suizidversuche (ca. 15-25 %)

Etwa 15 % der Patienten in allgemeinen, interdisziplinären Notaufnahmen weisen psychische Störungen auf.

Wie reagieren Sie als HPP auf Notfälle?

Mit diesem Ablauf erhalten Sie einen Überblick, was Sie als Heilpraktiker für Psychotherapie bei einem Notfall tun können:

  • Erstmaßnahmen erkennen (akute Symptomatik, Suizidalität) und einleiten (z.B. Vitalfunktionen sichern, Reizabschirmung)
  • Notarzt (evtl. Polizei) verständigen
  • ruhiges, überlegtes und professionelles Auftrete („Talking down“), z.B. bei akuten Angst- und Panikzuständen

Fazit und HeilpraktikerErfolg Tipps

(Psychiatrische) Notfälle sind ein wichtiges Thema in der mündlichen Überprüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie.

Deshalb empfehle ich Ihnen, sich aus einem guten Lehrbuch oder Vorbereitungskurs,

  • die wichtigsten Notfälle
  • ihre möglichen Ursachen
  • zentrale Merkmale
  • und Sofortmaßnahmen (je nach Notfall, z.B. “Talking down”, Reizabschirmung, Vitalfunktionen (Reflexe, Atmung) prüfen, ggf. Herz-Lungen-Wiederbelebung, stabile Seitenlage, Flüssigkeitszufuhr, Eispackungen)

in  übersichtlicher Tabellenform zusammenzufassen.

Wichtig ist, dass Sie sich mit den Gesetzen auskennen, die in Notfällen zur Anwendung kommen können und dass Sie wissen, wo Ihre Grenzen als Heilpraktiker für Psychotherapie sind.

Es könnte sich beispielsweise lohnen, sich mit Erste Hilfe Maßnahmen vertraut zu machen.

Zur akuten Suizidalität, als eine der häufigsten psychiatrischen Notfälle, sollten Sie sich besonders gut auskennen.

Erinnern Sie sich: Der zukünftige Heilpraktiker darf keine Gefahr für die körperliche oder psychische Gesundheit der Menschen (“Volksgesundheit”) sein.

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska studierte Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Danach absolvierte Sie erfolgreich die 5-jährige Psychologische Psychotherapeutenausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie beim IVS Nürnberg. Nach 10-jähriger psychotherapeutischer Tätigkeit leitet sie mit Uwe Luschas die piKVT Ausbildung für (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie. Außerdem hilft sie mit ihrer Selbsthilfe-Webseite BossImKopf.de tausenden Menschen, mehr "Boss im Kopf" zu werden.

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Kommentare

  1. Sabine schreibt:

    guten tag, ich setze mich aktuell mit den psychiatrischen notfällen einsteigend auseinander. zunächst vielen dank für die kurzaufstellung im obigen text. wenn ich dies vertiefen wollte/müsste, welche literatur, welches lehrbuch empfehlen sie bitte dazu. bzw. stellen sie auch – kostenpflichtig natuerlich – dazu gebündeltes wissen zur verfügung.

    herzlichen dank für ihre antwort und herzliche grüsse.

    Sabine

    • Franziska Luschas schreibt:

      Als Grundlage für diesen Artikel diente mir das Lehrbuch aus der Dualen Reihe: Psychiatrie, Psychosomatik und Psychiatrie von Möller, Laux und Deister (5. Auflage).

      In den gängigen Büchern zur Vorbereitung für die mündlichen HPP Prüfung sollte dieses wichtige Thema jedoch ebenfalls aufgeführt sein.

      Viel Freude und Erfolg beim Lernen.

  2. Tino schreibt:

    Sehr geehrte Frau Luschas, zum Thema Einweisung bei akuter Selbst oder Fremdgefährdung habe ich eine Frage bei Einvernehmlicher Einweisung.

    Und zwar, wenn der Patient gewillt ist, in ein psychiatrisches Krankenhaus zu gehen … muss dann trotzdem die Polizei oder ein Arzt gerufen werden, die den Patienten in die zuständige Institution bringen oder genügt es einen nahe stehenden Verwandten zu beauftragen? Meiner Meinung nach, genügt dies nicht, da dadurch nur bedingt sichergestellt wird, dass der Patient dort auch ankommt.

    Vielen dank für Ihre Antwort im Voraus Tino

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Tino,

      auf spezifische rechtliche Fragen gehe ich absichtlich nicht ein, weil es hier von Bundesland zu Bundesland verschiedene Auslegungen und Verfahren gibt.

      Was sich jedoch bewährt hat (und meines Erachtens auch in der mündlichen Prüfung gut ankommt), ist der Anruf bei Ihrem zuständigen Ordnungsamt.

      Fragen Sie dort freundlich nach dem üblichen Procedere und notieren Sie sich auch gleich die entsprechenden Telefonnummern und Ansprechpartner.

      Und ja, ich gehe mit Ihrer Meinung konform, dass Sie bei akuter Selbst- bzw. Fremdgefährdung sicherstellen müssen, dass Ihr Klient auch in der Klinik in die richtige Abteilung und zum richtigen Arzt ankommt.

      In einem mir zugesandten Prüfungsprotokoll, das ich jedoch nicht veröffentlichen durfte, wollte der Amtsarzt hören, dass der Klient nicht allein gelassen und besser ein Krankenwagen als ein Angehöriger gerufen werden sollte.

      Dem Fahrer des Krankenwagens sollte dann auch mitgeteilt werden, den Klienten bis zum entsprechend Verantwortlichen in der Klinik zu begleiten und ihn nicht alleine gehen zu lassen.

      Die Teilnehmerin an unseren beiden Online Orientierungspaketen und Verfasserin des Protokolls hat im Übrigen beim zuständigen Ordnungsamt angerufen.

      Dort hat man ihr gesagt, dass der Ordnungsbeamte einen Arzt mitbringe oder nach den Geschäftszeiten die Feuerwache zuständig sei bzw. die Feuerwache einen Ordnungsbeamten “herausklingeln” würde.

      Das mag in Ihrer Region ganz anders geregelt sein. Wie oben schon gesagt, empfehle ich Ihnen deshalb, sich bei Ihrem Ordnungsamt kundig zu machen.

      Ich wünsche Ihnen viel Erfolg in der Prüfung :-)

      Franziska Luschas Diplom Psychologin

  3. Dani schreibt:

    Hallo Frau Luschas, vielen Dank, dass Sie meiner Anregung nachgekommen sind, und das so schnell. Vielen Dank für diesen Beitrag! Ihren Vorschlag, auch für diese Thematik mit einer Tabelle zu arbeiten, finde ich super. Man hat einen guten Überblick und das Wissen vertieft sich allein schon durch das Erstellen der Tabelle. Viele Grüße, Dani

  4. susanne schreibt:

    hallo, ich habe schon vor ein paar jahren den hp (grossen) gemacht. und irgendwie bin ich auf diese seite gestossen. seither habe ich sie immer “verfolgt” und wenn ich es schaffe, dann lese ich alle beitrage etc. ich arbeite nicht als hp, aber in der psychiatrie als therapeutin. ich finde ihre seite einfach super-klasse!! ich finde es toll, dass sie einfach anderen helfen ihre vorbereitungen und ihre prüfung zu meistern, wie sie das alles aufbereiten. und manchmal frage ich mich, wie sie das alles zeitmässig schaffen!!WOW!! danke für die tipps und alles!! Susanne