Psychopathologischer Befund für die Heilpraktiker Psychotherapie Prüfung

HeilpraktikerErfolg-Pruefungswissen-KVT-Methoden-01

Für die auf das Gebiet der Psychotherapie beschränkte Heilpraktiker Erlaubnis müssen Sie unter anderem nachweisen, dass Sie ausreichende diagnostische Kenntnisse und therapeutische Fähigkeiten besitzen, um heilkundlich-psychotherapeutisch tätig werden zu können, ohne dabei die Gesundheit der Bevölkerung zu gefährden.

Die Grundlage für eine sorgfältige Diagnose stellt der psychopathologische Befund (Psychopathologie: Lehre von den Symptomen und Syndromen psychischer Erkrankungen) dar. 

Der psychopathologische Befund in der HPP Prüfung

Demzufolge ist es nicht weiter verwunderlich, dass die psychopathologischen Symptome Bestandteil jeder schriftlichen Heilpraktiker Psychotherapie Prüfung sind.

Auch in vielen mündlichen HPP Überprüfungen sollen der Prüflinge aufgrund vorgegebener Symptome oder Fallbeispiele entsprechende Verdachts- und Differenzialdiagnosen erstellen und auch begründen bzw. das weitere (therapeutische) Vorgehen erläutern. 

Weiter unten erhalten Sie deshalb ein herunterladbares Handout zum psychopathologischen Befund und dazugehörige Prüfungsfragen für die schriftliche Überprüfung zum Heilpraktiker für Psychotherapie.

Damit schaffen Sie eine gute Grundlage für ein besseres Verständnis über wichtige psychische Symptome und ihre Einordnung.

Der psychopathologische Befund am Fallbeispiel

In psychiatrischen Kliniken explorieren (erheben) Ärzte oder Psychotherapeuten den Psychopathologischen Befund anhand eines (strukturierten) Interviews.

Dabei werden v.a. (1) konkrete Symptome abgefragt, die zusammengebündelt ein (2) Syndrom erkennen lassen, auf deren Basis auf die (3) (vorläufige) Diagnose geschlossen wird.

Damit Sie eine möglichst genaue psychiatrische/psychologische Diagnose stellen können, sollten Sie die psychopathologischen Symptome (einzelne Krankheitszeichen) und Syndrome (Komplex von Krankheitszeichen) gut kennen.

Beispiel:

Ein Patient klagt langsam und mit leiser Stimme über seine niedergedrückte Stimmung, dass er sich an nichts mehr erfreuen könne. Insbesondere morgens komme er kaum aus dem Bett. Er müsse sich zu Dingen aufraffen, die er früher gerne gemacht habe. Er mache sich große Sorgen über seine Familie, seine Finanzen und seine Arbeit. Zunehmend glaube er, dem Ganzen nicht mehr gewachsen zu sein. Er zweifle an seinen Fähigkeiten und traue sich nicht an neue Aufgaben. Das alles zeige ihm, dass er zu nichts mehr tauge. (= Symptome)

Daraus kann auf ein depressives Syndrom geschlossen werden. 

In der Krankheitsanamnese erfahren Sie noch weitere wichtige Informationen, beispielsweiseüber über (körperliche) (Vor-)Erkrankungen, Beginn, Schwere und Verlauf der Symptomatik, so dass  Sie am ehesten von einer depressiven Episode (= Diagnose) ausgehen.

In einem psychopathologischen Befund wird also ermittelt, welche verschiedenen psychischen Funktionen gestört sind. Anhand des o.g. Beispiels erfahren Sie hier, welche der folgenden Symptome (in Klammern) welcher psychischen Funktion zugeordnet werden können:

  • klagt langsam (Denkverlangsamung) zu formale Denkstörungen
  • mit leiser Stimme (Antriebsschwäche) zu Störungen des Antriebs
  • niedergedrückte Stimmung, Freudlosigkeit (Depressivität) zu Störungen der Affektivität
  • zu Dingen aufraffen müssen (Antriebsschwäche) zu Störungen des Antriebs
  • Sorgen (Grübeln) zu formale Denkstörungen
  • Selbstzweifel (Insuffizienzgefühle) zu Störungen der Affektivität
  • Wertlosigkeit (Insuffizienzgefühle) zu Störungen der Affektivität 

Handout zum psychopathologischen Befund

Dezember 2017 Hinweis:

Mittlerweile habe ich dieses Handout (Stand: Juli 2017) zum Psychopathologischen Befund neu überarbeitet und allen Teilnehmern unseres Online Orientierungspakets zur Vorbereitung auf die schriftliche Prüfung im Schritt 12 des Lernplans zum Herunterladen zur Verfügung gestellt.

Nichtsdestotrotz ist dieser etwas ältere Psychopathologische Befund für (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie (HPG) immer noch hilfreich und nützlich, um einen ersten Überblick in dieses wichtige Heilpraktiker Psychotherapie Prüfungsgebiet zu bekommen. Das sehe ich daran, dass dieses Handout mittlerweile 11.543x auf HeilpraktikerErfolg.de heruntergeladen wurde :-)

Der Inhalt dieses Dokuments besteht aus einer bewährten Kombination von universitären Wissen und Standard Lehrbüchern. Dadurch ist der Lernstoff nochmals strukturierter, verständlicher und damit noch gehirngerechter und zum Einprägen bestens geeignet.

Hier erhalten Sie das Handout zum psychopathologischen Befund als PDF Datei zum Herunterladen:

Auf IHREN Erfolg in Prüfung und Praxis!

Franziska Luschas
Diplom Psychologin

Biographie Profilbild Diplom Psychologin und KVT Trainerin Franziska Luschas auf HeilpraktikerErfolg
Franziska studierte Psychologie an der Universität Erlangen-Nürnberg. Danach absolvierte Sie erfolgreich die 5-jährige Psychologische Psychotherapeutenausbildung in Kognitiver Verhaltenstherapie beim IVS Nürnberg. Nach 10-jähriger psychotherapeutischer Tätigkeit leitet sie mit Uwe Luschas die piKVT Ausbildung für (angehende) Heilpraktiker Psychotherapie. Außerdem hilft sie mit ihrer Selbsthilfe-Webseite BossImKopf.de tausenden Menschen, mehr "Boss im Kopf" zu werden.

P.S.
Hat Ihnen dieser Beitrag oder das (Video-) Training gefallen? Dann empfehlen Sie uns bzw. diesen Artikel an Ihre Freunde, Bekannte und Kollegen weiter :-)

P.P.S.
Im Kommentarbereich, weiter unten, können Sie auch Ihre Fragen, Hinweise und Erfahrungsberichte hinterlassen. Wir freuen uns auf Ihre Rückmeldungen.

Kommentare

  1. Martin schreibt:

    Hallo Franziska,

    ich wiederhole gerade den PPB. Bei den formalen Denkstörungen frage ich mich, was genau soll der Unterschied zwischen eingeengtem Denken und Grübeln sein?
    Die Definitionen in der AMDP sind sehr ähnlich. Hier scheinen allein die “meist unangenehmen Themen” beim Grübeln den Unterschied auszumachen.
    Trotzdem sollen eingeengtes Denken und Grübeln aber voneinader abgegrenzt werden. Könnten Sie das bitte nochmal näher erläutern?

    Liebe Grüße

    Martin

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Martin,

      ein wesentlicher Abgrenzungsunterschied liegt darin, das beim Grübeln der Wechsel auf andere Themen i.d.R. problemlos möglich ist und beim eingeengten Denken nicht.

      So steht es übrigens auch in meinem Handout zum Psychopathologischen Befund: “der Sprung zu anderen Themen fällt schwer, der Pat. kommt immer wieder auf das ursprüngliche Thema zurück.”

      Grundsätzlich sollten Sie sich auch merken, dass Begriffsdefinitionen, Abgrenzungskriterien oder “feinere” Unterschiede von Autor zu Autor unterschiedlich sein können.

      Deshalb ist es meiner Erfahrung nach eher unwahrscheinlich, dass in der HP Psychotherapie Prüfung so spezifisch danach gefragt wird. Diese Aussage können Sie auch selbst überprüfen, indem Sie im Handlungs- bzw. Lernplan die Originalprüfungen lösen. Denn dort sind die Antwortmöglichkeiten zu den Fragen grundsätzlich deutlicher voneinander abgrenzbar bzw. ausschließbar.

      Viele Grüße aus dem schönen Fürth

  2. Silke schreibt:

    Hallo Franziska,

    ich habe immer noch ein Problem mit der reterograden Amnesie.

    - Habe ich Gedächtnislücken in dem Bereich was vor dem Ereignis war (also weiß ich z.B.nicht mehr wer ich bin oder wo ich wohne, oder welchen Schulabschluss ich habe, oder wo ich vor dem Ereignis die letzten Stunden,Tage oder Wochen war?

    Oder

    - Habe ich Gedächtnislücken was nach dem Ereignis war (z.B Ereignis Vorgang (Unfall?), wie bin ich z.B ins Krankenhaus gekommen, wer war mit dabei?

    Mir scheint das erste plausibler doch habe ich verschiedene Erklärungen gelesen.

    Können Sie es mir bitte nochmals erklären?! (Habe schon im neuen PPB nachgeschaut, aber es nicht verstanden :-\ da ich es andersherum, wie gesagt, plausibler fand.)

    Besten Dank vorab.

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Silke,

      retro heißt auf Latain “rückwärts”, d.h. bei der retrograden Amnesie besteht eine Erinnerungslücke, die meist Minuten oder Stunden, längstens Tage oder Wochen der Zeit vor der Hirnschädigung (z.B. Verkehrsunfall) betrifft. Sie liegt also weiter zurück als die anterograde Amnesie (Erinnerungslücke nach der Hirnschädigung).

      In der zeitlichen Abfolge (also wenn man das wie auf einer Zeitlinie sieht) liegt die retrograde Amnesie vor dem Ereignis.

      Ich empfehle ich Ihnen, sich die gängigen Definitionen, wie z.B. aus meinem Handout und aus Lehrbüchern zu merken.

      In der schriftlichen HPP Prüfung war es in der Vergangenheit v.a. wichtig, dass man wusste, bei welcher Amnesie ein bestimmter Zeitraum vor oder nach einem bestimmten Zeitraum bzw. Ereignis (Trauma) betroffen war.

      Schauen Sie sich dazu auch nochmal die Originalprüfungen im PPB an.

      Viele Grüße

  3. Maik schreibt:

    Hallo Frau Luschas,

    ich habe eine Frage zu den Affekten. Mir ist noch nicht ganz klar, wo der genaue Unterschied zwischen einer Affektstarre und einer Affektarmut besteht.
    Beides bezieht sich ja darauf, dass Affekte vermindert ausgedrückt werden.

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Maik,

      bei der Affektstarre (verminderte Schwingungsfähigkeit) bleibt die Stimmung des Patienten stets auf einem Niveau, z.B. stetige Gereiztheit. Vorkommen: z.B. organ. Psychosen, Schizophrenie, Depressionen

      Bei der Affektarmut bzw. Affektverflachung hingegen ist die Anzahl der Affekte , wie z.B. Zorn, Wut, Hass, Freude (Affektarmut) und auch die Intensität der Affekte (Affektverflachung) verringert. Hier geht es eher um eine Einengung bzw. Einschränkung der Affekte. Deshalb wirkt der Patient gleichgültig. Vorkommen: z.B. Demenz, organ. Persönlichkeitsveränderungen, Schizophrenie, Persönlichkeitsstörungen

  4. Petra schreibt:

    Hallo Frau Luschas,
    vielen Dank für Ihre schnelle und hilfreiche Antwort.

    Liebe Grüsse
    Petra

  5. Petra schreibt:

    Sehr geehrte Frau Luschas,
    ich plane die Prüfung im März 2017 in Potsdam zu machen. Aus verschiedenen Gedächtnisprotokollen konnte ich entnehmen, dass nach dem beabsichtigten Betätigungsfeld gefragt wurde. Ich möchte nach bestandener Prüfung ohne Bedenken und mit der fachlichen wie rechtlichen Absicherung des HPP Hypnosen anbieten, die mir ohne “Schein” nicht erlaubt wären. Meine Frage: Ist es angebracht dies so als evtl. Perspektive zu nennen? Oder sollte ich unbedingt noch ein weiteres Psychotherapieverfahren anvisieren?
    Mit dem Online-Orientierungspaket arbeite ich sehr gern und es beruhigt mich einen roten Faden zu haben dem ich folgen kann.

    Vielen Dank und herzliche Grüße
    Petra

    • Franziska Luschas schreibt:

      Hallo Petra,

      meines Erachtens können Sie nicht davon ausgehen, dass sich die Prüfer mit Hypnose auskennen. Deshalb ist die Wahrscheinlichkeit groß, dass sie nach dem einen oder anderen gängigen Richtlinienverfahren fragen, wie zum Beispiel der Kognitiven Verhaltenstherapie.

      In einigen Gedächtnisprotkollen geben die Prüflinge auch an, dass sie zum Beispiel in Systemischer Therapie ausgebildet sind und zusätzlich mit Methoden aus der KVT arbeiten wollen. Auch wenn sich die Prüfer nicht gut in Systemischer Therapie auskennen, können sie nun ggf. nach KVT üblichen Konzepten und Vorgehen fragen.

      Empfehlung: Sie solten sich zumindest in einem wissenschaftlich anerkannten Psychotherapieverfahren näher auskennen.

      Ich wünsche Ihnen viel Erfolg bei Ihrer Prüfung und vieleicht berichten Sie, wie es gelaufen ist.

      Herzlich Grüße

      Franziska Luschas

1 2 3 4